Freitagspredigt

Hutba – Unsere Spiritualität

10. August 2012

Verehrte Muslime,

durch unsere Gottesdienste (Pl. Ibâdât) können wir unsere Beziehung zu Allah lebendig halten. Deshalb sind Gottesdienste ein unvergleichlicher Segen für uns. Wie diese Gottesdienste auszusehen haben, lernen wir am Besten aus dem Koran und der Sunna des Propheten. Hierbei dürfen wir nicht vergessen, dass Gottesdienste zwei Ebenen haben. Einmal die äußere Form und die innere, spirituelle Gefühlswelt. Erst die innere Dimension vervollständigt unsere Gottesdienste. Der Gesandte sagte: „Allah schaut nicht auf euer Äußeres oder auf euren Besitz. Aber er schaut in eure Herzen und auf eure Taten.“ (Muslim, Birr, 33)

Einige der Koranverse, die diesen wichtigen Aspekt betonen, kommen in der Sure Mu’minûn vor. In den ersten Versen dieser Sure sagt Allah: „Wohl ergeht es den Gläubigen, die ihr Gebet demütig verrichten, und sich von allem Nichtswürdigen fernhalten.“ (Sure Mu’minûn,  [23:1-3]). Durch diese Verse lernen wir, dass es nicht ausreicht, Gottesdienste, wie beispielsweise das Gebet (Salâh), nur der äußeren Form nach zu verrichten. Erst unser spirituelles Erleben verleiht unseren Gottesdiensten einen besonderen Wert. Durch sie können wir unsere Spiritualität weiter steigern. Beispielsweise beim Gebet, wenn wir Ehrfurcht und innerer Frieden erlangen, und beim Fasten, wenn wir von allen Begierden sowie allen schlechten Gefühlen, Gedanken und Taten ablassen. Diese Dinge stellen sozusagen die Seele unserer Gottesdienste dar. So wie die Seele den Menschen von einem Toten unterscheidet, so macht die Spiritualität Gottesdienste wertvoll. Auf gleiche Weise ist die Liebe zum Jenseits die Seele der Welt. Denn hätten wir nicht unseren Glauben an das Jenseits, wäre das weltliche Leben eintönig und simpel.

Verehrte Geschwister,

damit wir unsere Gottesdienste und dementsprechend unsere innere Welt stärken können, müssen wir besonders jetzt, in den letzten Tagen im Ramadan, unsere Gottesdienste mit noch mehr Sorgfalt verrichten. „Die Gottesdienste, die wenig, aber beständig sind, sind Allah am liebsten.“ (Muslim, Salâh, 317). So lauten die Worte unseres geliebten Propheten bezüglich der regelmäßigen und gewissenhaften Verrichtung der Gottesdienste. Auch im Koran werden diejenigen gelobt, die ihre Gebete nicht vernachlässigen und diese mit Sorgfalt und Standhaftigkeit verrichten.

In Bezug auf unsere Gottesdienste müssen wir aber ein Gleichgewicht zwischen dem Diesseits und dem Jenseits (Âchira) wahren. Wenn wir uns gelegentlich von allen weltlichen Belangen zurückziehen, um uns überwiegend dem Gedenken an Allah zu widmen, können wir unsere Spiritualität stärken. Diese Hinwendung in unsere innere, geistige Welt muss aber ein Gleichgewicht zwischen dieser und jener Welt bewahren. So lasst uns in diesem gesegneten Monat das folgende Bittgebet verinnerlichen: „Unser Herr, gib uns Gutes im Diesseits und im Jenseits [„¦]“ (Sure Bakara, [2:201])

Verehrte Muslime,

bald müssen wir wieder Abschied vom Ramadan nehmen, den wir jedes Jahr so sehnsüchtig erwarten. Demnach sollten wir bestrebt sein, diese letzten Tage so gut wie möglich zu nutzen und unsere Spiritualität zu vervollkommnen. Lasst uns die im Ramadan gewonnene innere Besonnenheit auch über das gesamte Jahr hin beibehalten.

IGMG-Irschadabteilung

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