Freitagspredigt

Hutba: Verwandtschaftsbesuch als Ibâda

24. Mai 2016 Takka Tasbih Holz
Takka Tasbih Holz

Verehrte Muslime!
Allah hat den Menschen so erschaffen, dass dieser die Gemeinschaft braucht. Aus diesem Grund regelt der Islam auch das gesellschaftliche Leben. Die Familie spielt dabei eine wichtige Rolle. Genauso haben wir auch Rechte und Pflichten gegenüber unseren Verwandten. Dazu gehört die materielle Unterstützung genauso wie Anteilnahme, Barmherzigkeit und Mitgefühl. Am wichtigsten ist es jedoch, den Kontakt zu den Verwandten aufrecht zu erhalten. Denn Allah hat uns den Besuch unserer Verwandten genauso zur Pflicht gemacht wie das Gebet, das Fasten, die Zakat und den Hadsch.

In dem Vers zu Beginn unserer Hutba heißt es: „Und dient Allah und setzt ihm nichts an die Seite. Und seid gut zu den Eltern, den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbarn, sei er einheimisch oder aus der Fremde, zu den Kollegen, den Reisenden und zu denen, welche ihr von Rechts wegen besitzt. Siehe, Allah liebt nicht den Hochmütigen, den Prahler”[1]

Auch unser Prophet hat oft von der guten Beziehung zu den Verwandten gesprochen. So sagte er: „Wer möchte, dass sein täglich Brot reich und sein Leben lang ist, soll (seine Verwandten besuchen und) seine Beziehungen zu diesen aufrecht erhalten.“[2]

Liebe Geschwister!
Der Verwandtschaftsbesuch ist eine Ibâda! Besuche aus finanziellen oder anderen eigennützigen Gründen sind keine Ibâda. Der Verwandtschaftsbesuch wird aus einem Verantwortungsbewusstsein heraus und aus Respekt gegenüber den Verwandten abgestattet. Respekt, Liebe und Solidarität sind die zentralen Schlüsselbegriffe.

Oft wird der Kontakt zu den Verwandten aufgrund unnötiger Kränkungen abgebrochen. Das entbindet uns jedoch nicht von unserer Verantwortung. Denn wie können wir nur die Ermahnungen unseres Propheten missachten? Er sagte: „Der Verwandtschaftsbesuch hängt am Thron und sagt: ‚Möge Allah auf jenen achten, der mich beachtet und jenen vergessen, der mich vergisst.’“[3] In einem anderen Hadith heißt es: „Die gute Tat, die am schnellsten belohnt wird, sind Güte und der Verwandtschaftsbesuch. Das Vergehen, das am schnellsten geahndet wird, sind Grausamkeit und das Vergessen des Verwandtschaftsbesuchs.“[4] Unser Prophet besuchte sogar seine Amme und die Freunde seiner Frau Hadîdscha.

Verehrte Muslime!
Derjenige, der seine Verwandten vergisst, wird eines Tages auch vergessen werden. Jeder Verwandtenbesuch ist eine Sadaka. Menschen zu erfreuen, Freude und Leid zu teilen, sind Wege ins Paradies. Schließlich dürfen wir nicht vergessen: „Derjenige, der den Kontakt zu seinen Verwandten abbricht, kann nicht ins Paradies eintreten (ohne die Strafe hierfür verbüßt zu haben).“[5]

[1] Sure Nisâ, 4:36
[2] Buhârî, Adab, 16, Hadith Nr. 5985
[3] Muslim, Birr wa Sıla, 19, Hadith Nr. 2555
[4] Abû Dâwûd, Adab, 130, Hadith Nr. 4902
[5] Buhârî, Adab, 15. Hadith Nr. 5984

Hutba-Arabisch
Hutba-Verwandtschaftsbesuch als Ibada

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