Freitagspredigt

Hutba – Was wir zurücklassen

24. Februar 2012

Verehrte Muslime,

im Koran macht uns Allah auf eine Tatsache aufmerksam: „Jede Seele wird den Tod kosten.“ Weiter heißt es in dem Vers: „Und wir stellen euch auf die Probe, mit Bösem und mit Gutem. Und zu uns kehrt ihr zurück.“ (Sure Anbiyâ, [21:35]) Doch der Mensch ist unbeständig: „“¦ Wenn ihm Schlimmes widerfährt, ist er weinerlich. Wenn ihm jedoch Gutes widerfährt, ist er knausrig.“ (Sure Maâridsch, [70:19-21])

Wenn wir vom Tod eines Freundes oder Verwandten hören, erinnern wir uns wieder an den Tod und denken an unser eigenes Leben. Wir wünschen dem Verstorbenen die Barmherzigkeit Allahs und hoffen, dass er durch seine guten Taten ins Paradies (Dschanna) eintreten kann. Denn wir wissen, dass wir vom Diesseits nichts, außer unseren Taten, ins Jenseits (Âchira) mitnehmen können.

Verehrte Geschwister,

unser geliebter Prophet Muhammad (saw) beschreibt diese  Tatsache kurz und bündig: „Mit dem Tod des Menschen, enden seine Taten, außer in drei Fällen: Bei einer Sadaka, die andauert, bei weitergegebenem Wissen und wenn ein Kind zurückgelassen wird, das Bittgebete für ihn spricht.“ (Buchârî, Adab al-Mufrad, 19)

Solange man den wahren Wert des Wissens, der Familie und des Vermögens erkennt, sind diese Mittel, durch die man großen Lohn von Allah bekommen kann. Wenn man Wissen besitzt und gut handelt, sein Vermögen nur für Gutes ausgibt und gut erzogene Kinder hinterlässt, ist dies ein Segen für den Menschen, für die er im Jenseits belohnt wird.

Geschätzte Geschwister,

die Welt ist vergänglich, gute Taten aber sind für die Ewigkeit. Genau deshalb müssen wir uns bemühen, egal wo, sei es familiär, beruf-lich, gesellschaftlich, bei unserer Arbeit in der Moschee oder anderswo, etwas auf dieser Welt hinterlassen, das von Nutzen ist. Dabei sollten wir uns vor allem den Gesandten Allahs und seine Gefährten (Pl. Ashâb) zum Vorbild nehmen. Wir können von ihrem Leben lernen und unser Leben nach ihnen ausrichten. So stärken wir unseren Glauben (Imân), vermehren unsere guten Taten und erweitern unseren Horizont.

Liebe Geschwister,

ganz im Sinne unserer heutigen Hutba möchten wir an dieser Stelle für unsere verstorbenen Geschwister beten. Möge Allah Menschen wie zum Beispiel unserem Hoca, Necmettin Erbakan, die viel Gutes zurück-gelassen haben, barmherzig sein und sie in sein Paradies aufnehmen. Mögen Menschen wie er uns ein Vorbild an Geduld, Ausdauer und Beständigkeit sein.

Wir wünschen Allahs Barmherzigkeit auch denen, die dem Rechtsterrorismus, der seit Jahren unterschätzt wird, zum Opfer gefallen sind. Möge Allah auch ihre Familien mit Geduld segnen. Der Neonazi-Terror hat die Gesellschaft erneut auf den Rassismus und das damit verbundene Leid aufmerksam gemacht. Unser Wunsch ist es, dass die verantwortlichen Instanzen sich ihrer Aufgabe bewusst sind und dafür Sorge tragen, dass eine solche Tragödie nicht noch einmal passiert.

Daher war die staatlich getragene Gedenkminute am vergangenen Donnerstag, die von zahlreichen deutschen und türkischen zivilen Organisationen unterstützt wurde, ein bedeutsames und nötiges Zeichen. Auch unsere Gemeinschaft hat sich daran beteiligt, um ein Zeichen gegen Rassismus sowie Ausländer- und Islamfeindlichkeit zu setzten. Wir hoffen und bitten Allah, dass sich solche Tragödien nicht wiederholen – an keinem Ort, zu keiner Zeit.

IGMG-Irschadabteilung

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