Freitagspredigt

Hutba: Zikr und innerer Frieden

12. September 2014

Liebe Geschwister!
Zikr, also das Gedenken Allahs, heißt nicht nur, seinen Namen auszusprechen. Vielmehr bedeutet es, uns immer und überall an unseren Herrn zu erinnern, ihn immer an unserer Seite zu wissen und unser Leben in seinem Sinne auszurichten.

Verehrte Muslime!
Natürlich kann Allahs gedacht werden, indem seine Namen und Eigenschaften gesprochen werden. Aber ist es nicht viel wichtiger, unser ganzes Leben zu einem ständigen Zikr werden zu lassen? So heißt es in dem vorhin zitierten Koranvers: „Diejenigen, welche glauben und deren Herzen im Gedanken an Allah in Frieden sind – sollten die Herzen im Gedenken an Allah denn nicht in Frieden sein?“[1]

Verehrte Gemeinde!
Innerer Frieden kann nicht durch das bloße Aussprechen bestimmter Worte erlangt werden. Er ist auch nichts, was mit Geld erkauft werden könnte. Wahrer Frieden bedeutet, all unsere Sinne für Allah zu öffnen, fest auf beiden Beinen zu stehen und auf dem geraden Weg zu gehen. Dem Zikr kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Denn im Grunde steht er für das Bewusstsein, dass unser Denken und Handeln erst durch Allah einen Sinn bekommt. Erst wenn wir Allahs gedenken, wird auch er unser gedenken. Im Koran heißt es: „So gedenkt meiner, damit ich eurer gedenke, und dankt mir und verleugnet mich nicht.“[2]

Verehrte Muslime!
Allah hat den Menschen als Wesen mit einem Körper und einem Geist erschaffen. Dies darf nicht vergessen werden, wenn es darum geht, menschliche Probleme zu lösen. Wenn der Mensch nur seine materiellen Bedürfnisse befriedigt, wird sein Geist verkümmern. Wenn er sich umgekehrt nur um seinen Geist kümmert, vernachlässigt er seine körperlichen Bedürfnisse. Es gilt, ein Gleichgewicht herzustellen, welches den Körper und den Geist als Einheit begreift. Und dies ist nur möglich, wenn der Zikr richtig verstanden und praktiziert wird.

Verehrte Muslime!
Allahs zu gedenken heißt, sich mit allen Sinnen ihm zuzuwenden und ein starkes Bewusstsein zu entwickeln. Unser Prophet Muhammad (s) sagte: „Ich bin bei dem, was mein Diener denkt und glaubt. Ich bin bei ihm, solange er sich an mich erinnert. Erinnert er sich an mich, so erinnere ich mich an ihn. Erinnert er sich an mich in der Gemeinschaft, so erwähne ich ihn in einer noch besseren Gemeinschaft. Nähert er sich mir um eine Handbreite, so nähere ich mich ihm um eine Ellenlänge. Nähert er sich mir um einen Klafter, so nähere ich mich ihm um zwei Klafter. Kommt er zu mir gehenden Schrittes, so komme ich zu ihm laufenden Schrittes.“[3]

Verehrte Muslime!
Unsere wichtigste Aufgabe ist es, erst einmal Allah und uns selbst gut zu kennen. Hierfür müssen wir uns an die richtige Quelle wenden. Und das ist zweifellos der Koran und die Sunna. Denn wer kann Allah besser beschreiben als er selbst! Wenn wir die Verse des Korans und die anderen Zeichen Allahs im Universum aus der richtigen Perspektive betrachten, dann haben wir Allahs richtig gedacht und können Frieden finden. Auf diesem Wege werden unsere Gebete, unser Fasten, unsere Zakat, unsere Spenden, ja unser gesamtes Dasein in Einklang mit dem Wissen um Allahs Existenz sein.

[1] Sure Râd, 13:28
[2] Sure Bakara, 2:152
[3] Muslim, Zikr, 1

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