Freitagspredigt

Hutba – Zum Abschied des Ramadans

12. November 2004

Verehrte Muslime ,

Wir freuen uns, den Ramadan über mit dem Fasten verbracht zu haben, das uns in vielerlei Hinsicht Gutes und Allahs Segen gebracht hat.

Wir hoffen natürlich, dass Allah von uns unser Fasten angenommen hat. In unserer heutigen Hutba wollen wir einen kurzen Rückblick über den Ramadan und unser Fasten in diesem Monat wagen. Unser Prophet Muhammed (as) sagte in einem Hadis über die Besonderheiten des Fastens: „Allah braucht nicht den Hunger derer, die nicht Abstand nehmen von verwerflichen Worten und Taten.„(Buchari, Sawm)

Der Hadis zeigt uns, dass ein fastender Muslim nichts mit der Sünde und verwerflichen Taten zu tun haben kann. Er hütet seine Zunge vor Klatsch, Beleidigungen, Zwietracht, der Lüge und dem Meineid. Die Hände des Fastenden gehen nicht zum Verbotenen und erst recht nicht zum Betrug. Seine Füße tragen ihn nicht an verwerfliche Orte.

Verehrte Brüder und Schwestern ,

Das Fasten ist eine Bewusstseinsschulung, quasi eine Therapie. Ob wir wohl bewusstseinsmäßig in einer besseren Situation sind, als vor dem Ramadan?

Das Fasten ist ein Gottesdienst, der uns die Liebe, die Milde und die Barmherzigkeit der Schöpfung gegenüber näher bringt. Nimmt denn aber diese Liebe, Milde und Barmherzigkeit seinen nötigen Platz in unserem Leben ein? In einem Hadis sagte unser Prophet: „Ich schwöre im Namen des Herrn, in dessen Hand sich meine Leben befindet, dass ihr nicht in die Paradiesgärten eintreten werdet, solange ihr nicht glaubt. Solange ihr euch gegenseitig nicht liebt, werdet ihr nicht glauben können.„ (Müslim, Ebu Davut, Et Tac B. 5 S. 244)

Stellen wir uns weiter die Frage: Werden wir das Positive, das wir im Ramadan uns angeeignet haben, auch danach noch erhalten können?

Unser Herr sagt im Koran in der Sure Al-Baqara 185: „Es ist der Monat Ramadan, in welchem der Koran als Rechtleitung für die Menschen und als Beweis dieser Rechtleitung und als Maßstab herabgesandt wurde.„ Die Schöpfung machte ihre Bekanntschaft mit dem Koran also in diesem Monat. Wenn denn die Schöpfung in diesem Monat auf den Koran traf, konnten wir uns selbst mit dem Koran treffen? In wieweit sind denn unsere Herzen mit ihm erwacht?

Konnten wir als Menschen, die wir als kleines Universum im Universum gelten, auf den Koran treffen, wie im Ramadan damals das gesamte Universum? Konnten wir einen Neuanfang in dieser besonderen Zeit wagen?

Konnten wir den Dank für die Gaben des Herrn ausreichend verrichten? Haben wir auch unsere finanziellen Gottesdienste, die Zekah und die Fitra zu genüge absolviert?

Wie wir alle Wissen ist der Zekah ein wichtiger finanzieller Gottesdienst, das Allah teala uns zum sozialen Ausgleich auferlegt hat. Der Zekah reinigt das Vermögen. Das Fitir-Almosen ist wiederum ein finanzieller Gottesdienst, das im Ramadan verrichtet werden sollte und zwar noch bevor dem Festtagsgebet. Falls wir dieses noch nicht verrichtet haben, ist die Zeit dafür zwar noch nicht abgelaufen, jedoch auch etwas knapp. Deswegen sollten wir uns möglichst schnell darum kümmern.

Liebe Gemeinde,

Wir beten zu Allah, dass die Muslime und alle anderen auf der Welt in Frieden und Zufriedenheit noch sehr viele Ramadane sehen und gratulieren ihnen zum Ramadan-Fest.

IGMG Seelsorge