Freitagspredigt

Hutba – Zum Beginn des neuen Schuljahres

03. September 2004

Verehrte Gemeinde,

In ganz Europa fängt langsam wieder der Schulalltag an. Es ist wieder eine Zeit in der unsere Kinder noch mehr mit Wissen und Fähigkeiten ausgestattet werden sollten, auf dass sie sich selbst, ihrer Umgebung und der Gesellschaft in der sie Leben hilfreich sein können. Möge Allah teala uns das Erhoffte ermöglichen und vom Befürchteten fern halten.

Liebe Brüder und Schwestern,

Die Ausbildung und die Erziehung unserer Kinder sollte uns sehr stark am Herzen liegen. Die Basis jeder Verbesserung und Weiterentwicklung ist Ausbildung und Erziehung. Mit Unwissen kann nichts erreicht werden. Der Bestand von Gemeinschaften und Gesellschaften hängt von der Wertstellung von Wissen, Bildung und Moral in diesen ab. Alle Propheten haben in der Religion, die sie offenbart haben, immer das Wissen vorangestellt. Sie haben versucht, das Dunkel des Unwissens in ihrer Gesellschaft mit dem Licht der Wissenschaft zu erleuchten. Sind etwa diejenigen, welche wissen, und jene, welche nicht wissen, einander gleich? (Az-Zumar 39, 9), „Aber nur die Wissenden unter Seinen Dienern fürchten Allah. (Fatir 35, 28), „Fragt nur diejenigen, welche (schon früher) Offenbarung erhalten hatten, falls ihr es nicht wißt. (An-Nahl 16, 43) Kur’an ayetleri; „Jedem Muslim obliegt es, nach Wissen zu streben.“ ( Cam iu’s-Sagir, 325, H.no: 5264), „Eine Stunde wissenschaftliche Arbeit ist besser als die ganze Nacht mit Gebeten, ein Tag wissenschaftlicher Arbeit ist besser als drei Monate zu fasten.“ ( Cam iu’s-Sagir, 325, H.no: 5269) Die Hadise stellen die obige Forderung unablässig. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass das erste Gebot des Korans „Lies„ war, dann sollte es einen unwissenden Muslim gar nicht erst geben.

Liebe Muslime,

Aus diesem Grund will ich am Anfang eines neuen Schuljahres auf einige wichtige Punkte hinweisen. Nach einer im Jahre 2003 vom Türkischen Parlament in Auftrag gegenen Studie befinden sich über 800.000 Schüler in europäischen Schulen und Universitäten. Davon besuchen ca. 44 . 000 eine Universität, gerade einmal fünf Prozent unseres Potentials im studierfähigen Alter. Diese Zahl ist viel zu gering. Diese Zahl bedeutet, dass wir zwar in einem Umfeld leben, in dem Wissen das wichtigste Gut darstellt, es aber dennoch nicht schaffen, unsere Kinder an diesem Gut teilhaben zu lassen. Dies ist eine sehr traurige Situation. Wenn wir nach den Gründen für diese Probleme suchen, kommen wir auf folgende Punkte:

1- Da die Eltern selbst keine sehr gute Ausbildung genossen haben, können sie sich kaum um die Schulprobleme ihrer Kinder kümmern, manche wollen es sogar nicht.

2- Viele Eltern treten nicht in Verbindung mit den Erziehungsanstalten und den Lehrern ihrer Kinder.

3- Einige Eltern können selbst zu ihren Kindern keinen gesunden Kontakt auf Basis von Liebe und Fürsorge aufbauen.

4- Disziplin fußt in den meisten Familien nicht auf Einsicht sondern auf Furcht.

5- Den Kindern fehlen positive Vorbilder, aber auch eine positive Perspektive. Viele Eltern zögern nicht davor, vor ihren Kindern zu trinken oder zu rauchen, wenn nicht sogar Schlimmerem nachzugehen.

6- Viele Schüler kümmern sich nicht ausreichend um ihre schulischen Aufgaben, das Lesen von Büchern wird gar als sinnlose Betätigung betrachtet.

7- Viele Kinder bekommen keine Nachhilfe, obwohl sie es dringend nötig hätten. Selbst in den Ortsvereinen, in denen wir Nachhilfekurse anbieten, werden diese nicht von allen genutzt, die es nötig hätten.

8- Für manche besteht immer noch das Problem, dass sie ihre Fremdheitskomplexe immer noch nicht abgelegt haben. Dabei sollten wir uns als nötigen Bestandteil dieses Landes verstehen.

9- Nicht alle haben das Bildungssystem in Deutschland verstanden. Beispiele von Eltern, die nicht wissen, auf welche Schulart sie ihr Kind schicken sollen oder welche Schule ihr Kind derzeit besucht, sind leider keine Seltenheit.

10- Jugendliche werden immernoch angehalten, möglichst früh mit dem Geldverdienen anzufangen, ohne Abschluß oder Ausbildung.

Verehrte Eltern,

Solange diese Probleme nicht gelöst werden, können wir unsere Kinder nicht auf das erhoffte Niveau heben. Wir versuchen als IGMG mit allen möglichen Mitteln die Erziehung und Ausbildung unserer Kinder zu verbessern. Sowohl über das Jahr mit Wochenendkursen, als auch in den Ferien mit Ferienkursen, wurden zehntausende Kinder und Jugendliche in den Grundlagen ihrer Religion und Kultur ausgebildet. Es reicht aber nicht, dass nur wir uns um die Kinder kümmern. Gerade die Eltern müssen ernsthaft über die Ausbildung ihrer Kinder wachen. Nur so kann auch der Erfolg der Kinder gewährleistet werden. Es ist falsch darauf zu warten, dass jemand anderes sich der eigenen Kinder annimmt und diese zu einem erfolgreichen Leben führt. Dies geht nur, wenn die Eltern eine feste Grundlage dafür schaffen.

Aus diesem Grund müssen wir als Eltern gerade jetzt zu Beginn des neuen Schul- und Ausbildungsjahres die Bildungsangebote stärker in Anspruch nehmen und uns vermehrt um unsere Jugendlichen und somit um unsere eigene Zukunft kümmern. Nur so wird eine gläubige, wissende und aufgeklärte Generation heranwachsen können. Vergessen wir nicht die Worte Hz. Ömers: „Völker ohne Jugend haben keine Zukunft…“.

IGMG SEELSORGE-ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

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