Freitagspredigt

Hutba: Zum Guten einladen

08. August 2014

Verehrte Muslime!

Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, die Menschen dazu zu motivieren, Gutes zu tun. Es ist Teil unserer Verantwortung, dass wir auf Missstände aufmerksam machen und versuchen, die Menschen von üblen Taten und schlechtem Verhalten abzuhalten. Kurz: Jeder Muslim hat die Aufgabe, das Rechte zu gebieten und das Unrechte zu verbieten.

Aufgrund der Wichtigkeit dieser Aufgabe sind muslimische Gelehrte der Auffassung, dass eigens hierfür Institutionen geschaffen werden müssen. Im Koran heißt es: Und damit aus euch eine Gemeinde wird, die zum Guten einlädt, das Rechte gebietet und das Unrechte verbietet. Sie sind es, denen es wohl ergehen wird.[1]

Liebe Geschwister!

Wie kann man am besten das Rechte gebieten und das Unrechte verbieten? Abû Saîd al-Hudrî überliefert hierzu von unserem Propheten: Wer von euch etwas Schlechtem begegnet, der soll es mit seiner Hand richten. Falls er keine Kraft dafür aufbringen kann, dann soll er es mit seiner Zunge richten. Und wenn er auch das nicht kann, dann soll er es im Herzen verabscheuen. Und das ist die schwächste Stufe des Glaubens.“[2] Die Gelehrten vertreten die Ansicht, dass das Richten mit der Hand die Aufgabe des Staates ist, das Richten mit der Zunge die Aufgabe der Gelehrten und das Verabscheuen mit dem Herzen die Aufgabe all jener ist, die selbst zum Richten mit der Zunge nicht im Stande sind.

Verehrte Muslime!

Wir alle haben also eine Aufgabe, und wir alle sind verantwortlich- gegenüber unserer Familie, unserem Arbeitsumfeld, unserer Gemeinde, unserem Freundeskreis etc. Deshalb müssen wir dort, wo Unrecht geschieht, eingreifen und Lösungswege entwickeln. Wir Muslime müssen gebildete und kultivierte Menschen sein, die sich ihrer Stellung und Verantwortung innerhalb der Gesellschaft bewusst sind. Dazu gehört, dass wir Fehler aufzeigen und Kritik üben, auf das Richtige hinweisen und es unterstützen. Wenn wir nicht in der Lage sind, etwas zu unternehmen, dann müssen wir zu Allah beten, dass er uns dies ermöglicht.

Liebe Geschwister!

Natürlich gibt es Bedingungen dafür, das Rechte zu gebieten und das Unrechte zu verbieten. Erst mal muss man sich seiner Verantwortung bewusst werden und genügend Wissen über seine Religion besitzen. Doch noch wichtiger ist es, dieses Wissen auch im eigenen Leben anzuwenden. Schließlich ist die beste Art, die Menschen vom Guten zu überzeugen, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen.

Damit die wichtige Aufgabe, das Rechte zu gebieten und das Unrechte zu verbieten langfristig erfüllt werden kann, muss sie institutionalisiert werden. Deshalb müssen wir als Muslime Moscheen, Elternvereine, Bildungseinrichtungen, Studentenwohn-heime, Verlage etc. gründen und ausbauen. Erst dann können wir zu jenen gehören, die in folgenden Hadith unseres Propheten Muhammad (s) beschrieben werden: Wer zu einer guten Tag aufruft, wird ebenso reich belohnt wie derjneige, der diese gute Tat vollzieht.[3]


[1] Sure Âl-i Imran, 3:104

[2] Muslim, İmân, 78

[3] Muslim, Imâra, 133

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