Freitagspredigt

Hutba zum Ramadan-Fest

13. November 2004

Verehrte Muslime,

Der Fastenmonat, der uns von unseren schlechten Eigenschaften und unseren seelischen Problemen reinigt, ist nun vorüber.

Allah sei Dank, nun haben wir das Ramadan-Fest endlich erreicht, den Ausdruck von Einheit, Brüderlichkeit und Freude.

In diesem Sinne gratulieren wir allen Muslimen zum Ramadan-Fest und hoffen, dass es allen mit denen wir zusammenleben, ob Muslim oder Nicht-Muslim Frieden, Sicherheit und Zufriedenheit bringt.

Liebe Gemeinde ,

Feste sind Tage, die in Freude verbracht werden sollen. Die Freude an den Festtagen kann nur wirklich gelebt werden, wenn sie mit allen Teilen der Gesellschaft zusammen gelebt wird.

An Festtagen sollen besonders die trauernden Herzen erfreutwerden und die Herzen die sich voneinander entfernt haben, sollen wieder zueinander finden.

Ein Fest, bei dem wir unsere Väter und Mütter nicht erfreuen, unsere Alten, Kranken, Nachbarn, Verwandte und Freunde nicht besuchen, ist sicher kein Fest.

Ein Fest an dem Arme, Waisen und Kinder nicht erfreut, an dem Eltern und Kinder keine Freude haben, kann kein Festtag sein. Denn das Ramadan-Fest soll gerade ein Tag sein, an dem Sorgen und Trauer geteilt, an dem Zerwürfnisse über Bord geworfen werden.

Liebe Brüder und Schwestern ,

Das Fundament unserer Religion ist Frieden, Barmherzigkeit, Liebe und Moral.

Unser Religion verbietet Unterdrückung, Extremismus, Terror und Anarchie auf Schärfste. Im heiligen Koran heißt es: „Helft einander zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht und nicht zur Sünde und Feindschaft.„ (Sure Al-Maide 5, 2)

Verehrte Gemeinde ,

Der Muslim ist der, der dem moralischen Beispiel des Propheten und der moralischen Rechtleitung des Korans befolgt. Der Muslim ist der, der weiß, dass er nicht umsonst und sinnlos auf dieser Welt ist. Der kluge Muslim folgt dem Vers 18 der Sure Haschr „O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah! Und eine jede Seele habe auf das acht, was sie für morgen vorausschickt. Und fürchtet Allah! Allah weiß sehr wohl, was ihr tut.„ und bereitet sich dadurch gut auf seine Reise ins Jenseits vor.

Ihr jungen Leute ,

Ihr liegt uns am Herzen. Aus diesem Grund wollen wir in dieser Hutba besonders auf euch eingehen. Ihr seid unsere Zukunft, die Zukunft liegt in eurer Hand.

Seid auf der Hut, wir leben in einer Zeit mit vielen Gefahren, die euch in ihre Gewalt nehmen und euch von eurer Menschlichkeit entfernen. Diese sind Gefahren, die euch von Allah versagt wurden und global auch als Gefahren anerkannt sind, wie Drogen, Alkohol, aber auch ungerechtfertigte Bereicherung, Glücksspiel und vieles Ungerechte. Entfernt euch davon unbedingt.

Doch neben diesen gibt es für euch eine weitere Gefahr, die Faulheit. Unsere Religion sieht diese Eigenschaft, die euren Alltag bedroht als verboten an. Bemüht euch um das Äußerste, um eine gute Ausbildung zu erhalten. Das Leben hier ist sehr schnell vorüber, nutzt deswegen eure Zeit auf das Beste. Seit nützlich euch selbst und den Menschen gegenüber, lest dafür sehr viel.

Wissen bringt euch, solange es für das Gute genutzt wird, an Allah näher. Wer sich Allah nähert, der gewinnt die Prüfung auf dieser Welt. Wer diese Prüfung gewinnt, der erlangt die Zufriedenheit in dieser und in der nächsten Welt.

Verehrte Muslime ,

Am Ende unserer Hutba will ich noch auf folgendes Hinweisen: Unter uns darf es nie Hass, Neid, Feindschaft und vergleichbare Gefühle herrschen. Diese negativen Gefühle werden vom Islam verurteilt und sollten sich nicht bei einem Muslim befinden. Wir müssen uns mit Liebe, Respekt und Barmherzigkeit begegnen. Dies sind die von unserer Religion empfohlenen Eigenschaften und nur mit diesem Charakter kann man auch ein guter Muslim sein.

Brüder und Schwestern ,

Vergessen wir nicht, dass während wir dieses Fest in Sicherheit verbringen, es auf der Welt in vielen Regionen genug Menschen gibt, die unter Unterdrückung, Invasion, Gewalt und Folter leiden. Sie leben aufgrund eines wirtschaftlichen Ungleichgewichts unter Hunger und Entbehrung, unter dem Schrecken von Terror und Krieg. Aus diesem Grund sollten wir unsere Gebete für diese Menschen nicht vergessen, Allah für unsere Situation danken und Muslimen in Schwierigkeiten helfen. Ein annehmbares Gebet und ein annehmbarer Dank ist nicht nur die verbale Bekundung, sondern das handelnde Gebet, z.B. das Almosen geben und das Verrichten des Zekahs und der Fitra.

Verehrte Gemeinde ,

Wir nähern uns Tag für Tag dem Tage des Jüngsten Gerichts. Jeder Muslim, der an diesem Tag nicht Trauer erleiden will, muss sich selbst jetzt schon zur Rechenschaft ziehen. Jeder Muslim muss sich zuerst mit seinem eigenen ich und den Unzulänglichkeiten um sich herum auseinandersetzen.

Noch einmal möchte ich allen Muslimen zum Ramadan-Fest gratulieren und hoffen, dass es der gesamten Menschheit mehr Glückseligkeit ermöglicht.

Euch allen ein frohes Ramadan-Fest.

IGMG Seelsorge

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