Freitagspredigt

Hutbe – Das Bittgebet verbindet mit Gott

15. Oktober 2010

Verehrte Muslime,

Duâ ist die Bitte, mit der sich der gläubige Mensch an seinen Schöpfer wendet. Es wird aus dem Bewusstsein der Größe und Gnade Allahs und der Beschränktheit und Schwäche des Menschen heraus gesprochen. Gottes zu gedenken, seine Einheit mit Worten und Taten zu bestätigen ist eine Form des Duâ. Da es die Verbindung des Geschöpfes zu seinem Herrn in bester Weise widerspiegelt, wurde das Bittgebet von unserem Propheten auch als „das Wesen des Gottesdienstes (Ibâda)“ bezeichnet (Tirmizî, Daawât, 1). Welchen Stellenwert es hat, erkennen wir auch, wenn wir im Koran lesen: Sprich: »Mein Herr kümmert sich nicht um euch, solange ihr ihn nicht anruft“¦Â« (Sure Furkân, [25:77]) So möchte Gott, dass wir unsere Verbundenheit zu ihm zur Sprache bringen und uns unserer Stellung vor ihm bewusst werden. Es ist erforderlich, dass wir uns im Klaren sind, dass er nicht nur die uns, sondern auch alles erschaffen hat, dass wir kennen und das uns verborgen ist. Deshalb sollten wir, ja müssen wir Dankbarkeit (Schukr) zeigen. Nicht zuletzt sollten wir dankbar sein, dass er uns zu Muslimen gemacht hat, uns also seinen Weg hat entdecken lassen.

Verehrte Geschwister,

es ist nur natürlich, dass Menschen, die sich in Not befinden und denen Leid widerfährt, jemanden suchen, dem sie sich anvertrauen können, jemanden, der sich ihrer annimmt. Andererseits neigt der Mensch aber dazu, Gott schnell wieder zu vergessen, wenn seine Not überstanden und sein Leid gelindert ist. Allah möchte nicht, das wir in eine solche zwiespältige Situation geraten. Deshalb legt er uns nahe, uns seiner immer bewusst zu sein und das Bittgebet nicht zu vernachlässigen. Wir sollten nicht erst warten, bis uns etwas Schlimmes passiert. Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass nicht Allah, sondern wir des Bittgebetes bedürfen und er nur denen etwas gibt, die danach verlangen. Zugleich mag er aber nicht jene, die das Maß überschreiten. Deshalb ist Bescheidenheit angebracht.

Verehrte Muslime,

im Koran heißt es: „Und euer Herr spricht: »Ruft mich an, ich werde auf euch eingehen!“¦ «“ (Sure Mu’min, [40:60]) Angesichts dieser Aussage ist es nicht richtig zu denken, dass unsere Bittgebete nicht angenommen werden könnten. Der Gesandte Gottes, Muhammad (saw), sagte, dass unsere Bitte entweder im Diesseits oder im Jenseits (Âchira) erfüllt wird (Ahmad bin Hanbal, Musnad, III, 18). Deshalb sollten wir uns im Klaren darübet sein, dass unsere Bittgebete durchaus erhört und erfüllt werden. In diesem Bewusstsein sollten wir uns Allah zuwenden. Einmal sagte unser Prophet: „Solange ein Geschöpf nicht um etwas Verbotenes oder die Unterbrechung der Beziehung zu seinen Verwandten bittet und nicht ungeduldig ist, wird sein Bittgebet erfüllt.“ Daraufhin wurde er gefragt, was es bedeutet, ungeduldig zu sein. Er antwortete: „Zu sagen, dass man immer und immer wieder gebetet habe und es nicht erhört wurde. Dass man also das Bittgebet vernachlässigt, weil es nicht sofort erfüllt wird.“ (Riyâzus Salihîn, Nr. 1502)

Verehrte Geschwister,

wir sollten das Bittgebet nicht vernachlässigen. Es sollte unseren Alltag schmücken und zu einem selbstverständlichen Teil unseres Lebens werden. Dabei sollten wir auch folgende Worte des Gesandten Gottes beachten. Er legte uns nahe: „Bittet um nichts Schlechtes für euch selbst, eure Kinder oder euren Besitz. Es kann sein, dass ihr es zu einer Zeit sprecht, in der es  erhört wird.“ (Muslim, Zuhd, 74) Ferner sollten wir insbesondere beim Gebets (Salâh) viele Bittgebete sprechen. Denn unser Prophet sagte: „In der Niederwerfung (Sadschda) ist das Geschöpf seinem Schöpfer am nächsten. Deshalb seht zu, dass ihr bei der Niederwerfung viele Bittgebete sprecht.“ (Muslim, Salât, 215)

IGMG-Irschadabteilung

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