Gemeinschaft

IGMG schickt humanitäre Hilfe nach Gaza

20. Januar 2009

Kurz nach Beginn der israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen hatte die IGMG zusammen mit seinem Kooperationspartner, der Internationalen Humanitären Hilfsorganisation (IHH), ein Hilfsteam nach Gaza gesendet. Sie überbrachten zunächst medizinische Hilfsmittel im Wert von 71.000 Euro und Nahrungsmittel im Wert von 50.000 Euro in den Gazastreifen. Zudem wurde die Ausstattung eines kompletten Operationssaals übernommen. Das Hilfsteam unter der Leitung von Adem Bark, hat außerdem drei vollständig ausgestattete Rettungswagen für die Notfallrettung in Bestellung gegeben. Die Fahrzeuge sind mit allen Geräteschaften ausgerüstet, um Notfallpatienten zu versorgen und in eine geeignete Klinik zu transportieren.

Das zweite Hilfsteam, geleitet von dem stellvertretenden Vorsitzenden der IGMG, Ali Bozkurt und dem  Vorsitzenden des IGMG-Regionalverbandes  Berlin, Siyami Öztürk, ist letzte Woche nach Deutschland zurückgekehrt. Sie hat die Situation vor Ort begutachtet und ein Hilfsplan mit Partnerorganisationen in Gaza und Ägypten ausgearbeitet. „Die Häuser in Gaza werden zerstört. Die Menschen stehen ohne Hab und Gut auf der Straße. Sie haben keinen Platz zum schlafen, keine Betten und auch keine Decken, und das bei minus zehn Grad. Sie rechnen jederzeit mit neuen Angriffen aus der Luft oder aus dem Boden oder vom See aus“, schilderte Ali Bozkurt seine ersten Eindrücke aus Gaza. Er versicherte, dass trotz der schwierigen Umstände in Gaza die Spenden aus Deutschland die Menschen in Gaza erreichen. „Die IHH und IGMG verteilen trotz schwerster Umstände weiterhin Decken, Betten und Nahrungsmittel“, sagte Adem Bark, Projektkoordinator der IHH in Gaza.

Ali Bozkurt gab nach seiner Ankunft in Deutschland bekannt, dass die IGMG zusammen mit seinem Kooperationspartner IHH, ferner die Versorgung von 2000 Waisenkindern übernehmen werde, die ihre Eltern während der Angriffe verloren haben. Auch werde derzeit mit palästinensischen und türkischen Ärzten an einem Plan für die Behandlung von Verletzten in den ägyptischen Krankenhäusern gearbeitet.

Ali Bozkurt, stellvertretender Vorsitzender der IGMG, berichtet von der aktuellen humanitären Lage im Gazastreifen und den Hilfsleistungen der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs:

„Unsere Reise begann am 7.Januar  in Düsseldorf. Zunächst machten wir einen Zwischenstopp in Kairo. Am Donnerstag, den 8.Januar, besuchten wir die Arabisch-Medizinische Union (Arab medical Union). Die Arabisch-Medizinische Union ist eine wichtige Einrichtung, die während der humanitären Krise in Gaza wichtige Dienstleistungen erbringt. Wir haben unsere Hilfsgüter in Kooperation mit dieser Einrichtung nach Gaza gebracht. Kurz vor unserem Abflug haben wir zwei weitere Rettungswagen gekauft und sie der Union übergeben. Wir haben durch ihre Vermittlung auch einen Großteil der Kosten der in Ägypten behandelten palästinensischen Verletzten übernommen. Der Generalsekretär der Union, Ibrahim Zagferani, berichtete jedoch, dass leider nur wenige Verletzte in Ägypten behandelt werden. Auch seien die Krankenhäuser des ägyptischen Gesundheitsministeriums sehr unzureichend ausgestattet.

Während unseres Aufenthalts in Ägypten hat das palästinensische Gesundheitsministerium alle Ärzte im Umland dazu aufgerufen, in Gaza auszuhelfen. Angesichts der hohen Anzahl von Verletzten seien medizinische Hilfeleistungen notwendig.  Nach einer Besprechung der Einzelheiten unter anderem mit unserem Arzt Seyyid Zinnuri haben wir hierfür 100.000 Euro bereitgestellt. Herr Tayyip Sayan blieb in Kairo zurück, um die Verletzten und deren Angehörige zu besuchen und die nötigen medizinischen Geräteschaften zu besorgen. Unsere Delegation übergab der Arabisch-Medizinischen Union weitere 10.000 Euro für Medikamente und andere medizinischen Geräte, die für die medizinische Betreuung der Verletzten in Ägypten vorgesehen ist.

Unsere Delegation hat sich zudem mit den palästinensischen Hilfsorganisationen aus der Türkei ausgetauscht. Sie hatten bereits mit der türkischen Regierung den Transport der palästinensischen Verletzten in die Türkei vereinbart. Die türkische Regierung sicherte zudem die Entsendung eines Lazarettflugzeugs nach Gaza zu.

Am 9. Januar machten wir uns schließlich auf den Weg nach dem Grenzübergang Rafah, der 450 km entfernt von Kairo liegt. Nach der Überquerung des Suez-Kanals wurden wir alle 50 Kilometer der Polizeikontrolle unterzogen. Nach einer anstrengenden Nachtreise gelangten wir zu der Stadt Arisch, wo zuvor unser Ärzteteam ihre Arbeit aufgenommen hatte. Diese Stadt ist eigentlich eine touristische Stadt, doch seit dem Krieg ist es ein Treffpunkt für Helfer, die sich hier für die Lieferung von Hilfsgütern zusammentreffen.

Nach einer gewissen Wartezeit machten wir uns auf den Weg nach Rafah. Wir schlossen uns einem Hilfskonvoi an, der von einem Polizeiwagen geführt wurde. Bis zum  Grenzübergang Rafah riegelten Streifenwagen die Nebenstraßen zu den ägyptischen Dörfern ab. An der Grenze angekommen, konnten wir die Rauschschwaden der Bombenangriffe über Palästina nicht übersehen. Presseleute und Helferteams aus aller Welt führten an der Grenze Interviews mit Helfern und machten Aufnahmen von dem Krieg, der unmittelbar in unserer Nähe stattfand.

Bei unserer Ankunft standen Lastwagen der Vereinten Nationen an der Grenze zu Gaza, die hauptsächlich mit Nahrungsmitteln beladen waren. Ihnen wurde Vorrang geboten. Wir hatten deshalb eine lange Wartezeit vor uns. Die von der UN entsandten Lastwagen wurden jedoch wieder zurückgeschickt. Die Nahrungsmittel wurden nicht in den Gazastreifen eingelassen. Gründe hierfür wurden nicht genannt. Wir merkten schließlich, dass Hilfsaktionen der Türkei und türkischer Hilfsorganisationen die große Mehrheit darstellen. Wir haben dort mit den Vertretern der TIKA, des Ministerpräsidiums der Türkischen Republik, Kontakt aufgenommen und uns abgesprochen.

Wie vereinbart, haben wir während unserer Wartezeit Telefonkontakt mit einigen unseren Gemeinden in Deutschland aufgenommen. So konnten wir sie bereits nach einer Woche der Spendensammlung über unsere Tätigkeiten an der Grenze informieren. Unsere Gespräche wurden mehrfach vom Fluglärm und Bombenanschlägen unterbrochen. Wir wurden Zeuge eines Bombenangriffs, der von einem israelischen F16-Flugzeugs in unserer unmittelbaren Nähe ausgeübt wurde.

Es ist schwer zu ertragen, mit ansehen zu müssen, dass Bomben Dutzenden von Menschen das Leben nehmen und viele Verletzte hinterlassen. So dauerte es etwa zwei Stunden lang. Es war ein kleiner Trostpreis, mit sehen zu können, dass unsere Hilfsgüter nach Gaza eingelassen wurden. Auch erhielten wir die freudige Nachricht, dass 30 Ärzte die Grenze zu Gaza überqueren konnten. Auch wurden Verletzte mit Rettungswagen zum Grenzgebiet gebracht und von hier aus von ägyptischen Ambulanzen weitertransportiert.

Auf dem Rafah-Grenzübergang warteten auch zwei Fahrzeuge des deutschen Konsulats. Sie empfangen deutsche Staatsangehörige aus Gaza. Auch seien sie für die Koordinierung von Hilfsgütern zuständig.

Bevor wir den Grenzübergang Rafah verließen, nahmen wir ein Telefongespräch mit unserer Partnerorganisation in Gaza auf. Sie bestätigten, dass unsere Hilfsgüter ihr Ziel erreicht haben. Zugleich teilten sie uns jedoch mit, dass allein an diesem Tag über 300 Verletzte in die Notfallstation aufgenommen wurden. Ferner seinen mindestens fünf Familien von den israelischen Bomben getroffen worden. Kein Familienmitglied habe den Angriff überlebt.“ (ab)

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