Pressemitteilung

IGMG weist jüngste Äußerungen von Beckstein scharf zurück

08. November 2006

„Als infamen Versuch, Fehler und Defizite der politisch Handelnden auf andere abzuwälzen“, bezeichnete der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), Oguz Ücüncü, die Äußerungen des bayerischen Innenministers Dr. Günther Beckstein anlässlich der Ausschreitungen in Frankreich. Ücüncü erklärte: „Herr Dr. Beckstein wirft in seiner ihm typischen Art wahllos die Namen von islamischen Organisationen in die aktuelle Diskussion um die Geschehnisse in Frankreich ein und versucht in einem Atemzug, Migranten und ihre Organisationen zu kriminalisieren. Auch Herrn Dr. Beckstein ist bekannt, dass die islamischen Organisationen und hier insbesondere die IGMG sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind und ihre Infrastruktur dafür nutzen, um sog. Pariser Verhältnisse zu verhindern. Die IGMG wirkt deswegen auch positiv in die als „soziale Brennpunkte“ bezeichneten Viertel, als „Mediator“ und verlässlicher Kooperationspartner für die Kommunen, hinein. Dabei leistet sie mit ihrer systematischen Jugendarbeit bereits seit einem Jahrzehnt konkrete Integrationsarbeit. Mit Sprach- und Nachhilfekursen, sowie Hausaufgabenbetreuungen versucht sie Lücken und Defizite in der Bildungsbiographie zu schließen, um gerade Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine Perspektive zu eröffnen.

Dazu ist aber weit mehr als nur die Arbeit von Migrantenorganisationen notwendig. Insbesondere eine konsequentere Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die Einstellung von zusätzlichen Lehrkräften und Fachpersonal in Kindergärten, Grund-, Haupt-, und Gesamtschulen ist unumgänglich. Eine Investition in Aus- und Weiterbildung erhöht Perspektiven und befördert die Identifikation mit der „neuen Heimat“ und ist allemal billiger als Hartz IV.

Aufgabe der Politik ist jetzt nicht eine „Politik der eisernen Hand“ zu führen, sondern ganzheitliche Integrationskonzepte zu entwickeln, die auf den schulischen und beruflichen Erfolg von sozial benachteiligten jungen Menschen zielen. Nur dies sichert den sozialen Frieden unseres Landes und nicht eine härtere Gangart.“

Ücüncü erklärte abschließend: „In Frankreich hat die Politik die Gettoisierung quasi selbst befördert und durch die Kürzung von Mitteln für die Aus- und Weiterbildung der jungen Menschen, sowie überzogene polizeiliche Maßnahmen, die Situation in den Banlieues verschärft. Der entscheidende Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich ist der, dass wir es hier nach wie vor unter der Mitwirkung aller gesellschaftlich relevanten Gruppen in der Hand haben, ganzheitliche Lösungen in Gang zu bringen, ohne dass die Situation weiter eskaliert.“