Pressemitteilung

Internationaler Tag der Muttersprache: Türkischkenntnisse nehmen zunehmend ab

20. Februar 2014

„Die IGMG legt großen Wert auf sprachliche Vielfalt. Um das zu fördern, wird in vielen Moscheegemeinden islamischer Religionsunterricht auch in der jeweiligen Landessprache angeboten. Zudem wird mehr denn je die Entwicklung von islamischer Literatur in den europäischen Sprachen gefördert. Aber auch der Erhalt und die Pflege der Muttersprache stehen ganz oben auf der Agenda in Form von muttersprachlichem Religions-, sowie Ergänzungsunterricht oder türkischsprachigen Publikationen für verschiedene Alters- und Interessengruppen. Das soll mit dazu beitragen, dass Türkisch nicht aus dem Alltag der Menschen verschwindet, sondern als starker Mittler von Kultur und Bildung zur Verfügung steht.

Denn mit Sorge beobachten wir den zunehmenden Schwund der türkischen Sprache bei Türkeistämmigen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern. War man in den 90ern über mangelnde Deutschkenntnisse bei vielen türkeistämmigen Schülern/innen besorgt, stellen wir heute genau das Gegenteil fest. Heute sind Schüler/innen mit guten Türkischkenntnissen äußerst rar.

Dabei müsste es gemeinsames Anliegen sein, sowohl die Muttersprache als auch die Landessprache gleichermaßen zu fördern. Denn Muttersprache ist mehr als nur ein Kommunikationsmittel, sie ist auch ein wesentlicher Teil der persönlichen Identität und Kultur. Leider kommt der bereichernde Aspekt hierbei in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu kurz und wird von manchen Kreisen sogar als Integrationshindernis angesehen. Dieses Verständnis verkennt nicht nur die gesellschaftliche Realität, in der rund 3 Millionen Türkeistämmige leben, sondern auch die Bedeutung von Sprache für Bildungs-, und Kulturbewusstsein. Aus der Symbiose verschiedener Kulturen entstehen neue, selbstbewusste Identitäten, die nicht nur vielseitig und flexibel sind, sondern auch auf Vielfalt und Toleranz basieren.

In diesem Sinne ist die Initiative „šMein Türkisch, meine Muttersprache, meine Zukunft‚, die von zahlreichen Nichtregierungsorganisationen (NGO) getragen wird und am 21. Februar in Köln zusammenkommt, zu begrüßen. Ziel dieser Initiative ist es unter anderem, die Zusammenarbeit der NGO’s auf diesem Gebiet zu koordinieren und Projekte zur Förderung der Muttersprache durchzuführen.

Hier sind aber auch die Länder gefordert, Türkischunterricht an Schulen mit mehr Engagement anzubieten. Nicht selten erreichen die IGMG Beschwerden von besorgten Eltern, die sich über mangelnde Angebote beklagen. Und dort, wo Türkischunterricht angeboten wird, wird er im Stundenplan parallel zu anderen wichtigen Unterrichtsstunden gelegt mit der Folge, dass interessierte Schüler daran nicht teilnehmen können. Ergebnis: Das Angebot wird abgeschafft wegen mangelnder Nachfrage.“

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