Gemeinschaft

Internationales Symposium der IGMG in Wuppertal

06. Mai 2010

Die IGMG organisierte am 1. und 2. Mai ein internationales Symposium zu dem Thema „Kontextwandel und Bedeutungsverschiebungen – Die Ambivalenz neuer und alter Identitäten“.  Die Veranstaltung fand in der historischen Stadthalle in Wuppertal statt. Eingeladen waren neben Referenten, Akademikern und Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern auch Studentinnen und Studenten.

Sowohl in öffentlichen politisch-kulturellen Debatten, als auch in geisteswissenschaftlichen Diskursen nimmt der Begriff der Identität gegenwärtig einen wichtigen Platz ein. Dieses Symposium sollte möglichst viele der verschiedenen Überlegungen und Theorien einen Platz geben und eine Plattform schaffen, in der die Identitätsfrage diskutiert werden konnte. In diesem Sinne hat man die Themen auf fünf verschiedene Sitzungen verteilt, an denen jeweils fachkundige Referenten über zwei Tage hinweg Vorträge gehalten haben.

In der Begrüßungsrede bedankte sich der Vorsitzende der IGMG Yavuz Çelik Karahan sowohl bei den Referenten als auch bei den Zuhörern für deren Teilnahme. Karahan betonte in seiner Rede, dass die Identitätsfrage eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit darstelle. Alle Bemühungen um eine sachgemäße Definition dieses Begriffes wären für Muslime von fundamentaler Bedeutung. Da besonders bei Muslimen die Zugehörigkeitsfrage starken Schwankungen unterliege, müsste man der Identitätsfrage besondere Achtung schenken. Er sagte, dass auf die Frage „Wer sind wir und wo gehören wir zu?“ die Muslime viele verschiedene Antworten geben würden.

Bei der Identitätsdefinition sagte Karahan, würden die in Europa lebenden Muslime mit Hilfe von verschiedenen Identitäten, wie zum Beispiel der politischen, religiösen oder auch traditionellen Identität,  sich versuchen zu definieren. Diesen fortlaufenden Prozess sehen viele als ein Versäumnis, andere als eine Chance neue Identitäten formen zu können.

Nach der Begrüßungsrede von Herrn Karahan hat Dücane Cündioglu die Bühne betreten, um die Grundsatzrede zu halten. Während seines Vortrages mit dem Thema ,,Die Identität der Identität“ ist er auf die Wahrnehmung bei der Deutung der Identität eingegangen. Auf die Frage ,,Wer bist du?“ könnte die Natur des Menschen nur eine Antwort geben, indem er sich von seinem Gegenüber abgrenzt und hervorhebt was er nicht ist. Diese subjektive Wahrnehmung ist nach Meinung Cündioglus Grundlage für gesellschaftliche Definitionen.

Der Vorsitzende der ersten Sitzung war Dr. Ibrahim Kalın, der Berater des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan. Das Thema der Sitzung war ,,Moderne und Fragmentierung des Selbst“.  Mit seinem Vortag über das Menschenbild im klassischen islamischen Denken zeigte Prof. Dr. Mahmut Erol Kılıç auf, dass in der islamischen Mystik die Identität eines Muslims nicht starr nach dem Verstand sondern nach dem sentimentalen Empfindungen des Herzens geschieht.

Den Vorsitz der zweiten Sitzung mit dem Thema ,,Identität und das Andere“ hatte Prof. Dr. Werner Schiffauer inne. Angelegt auf die Fragestellung ,,Sind Muslime das „Andere“ Europas?“, erklärte Dr. Hisham A. Hellyer aus Großbritannien, dass die Muslime nicht als die Anderen tituliert werden dürften, da sie schon in der Vergangenheit in Europa ihren Platz hatten und ihn auch in Zukunft haben werden. Im Anschluss hielt Dr. Ibrahim Kalın einen Vortrag über ,,Muslimische Identitäten und der Westen“, in dem er klar bekräftigte, dass Muslime in Europa auf politischer Ebene als die Anderen angesehen werden.

In der letzten Sitzung des Tages wurde das Thema ,,Minderheitenerfahrungen und Identität“ durchleuchtet. Die Leitung dieser Sitzung übernahm Prof. Dr. Ümit Meric, die zuerst das Wort an Prof. Dr. Mustafa Macit Kenanoğlu übergab. Kenanoğlu kritisierte in seinem Vortrag mit dem Thema ,,Minderheiten in der islamischen Welt“ das Bild des toleranten Osmanischen Reiches. Er betonte zwar, dass die Minderheiten im Osmanischen Reich im Vergleich zu den westlichen Mächten damals in einem toleranten Land lebten. Das bedeute jedoch nicht, dass sie die gleichen Rechte wie die Mehrheitsgesellschaft besaßen. Die Religionsfreiheit für religiöse Minderheiten im Osmanischen Reich war eingeschränkt. Als nächstes hielt Prof. Dr. Y. Michael Bodemann einen Vortrag mit dem Titel ,,Die jüdische Diaspora in Europa“, in dem er den Werdegang der Juden in Europa erläuterte. Bodemann gab das Beispiel mit der Jüdischen Diaspora und empfahl den Muslimen sich nicht ,,ausgrenzen zu lassen“. Ferner meinte Bodemann, dass die ,,Macht“, die den Juden auf der Welt zugesprochen wird, eine Übertreibung sei.

Die erste Sitzung am zweiten Tag des Symposiums wurde geleitet von Dr. Sabiha El-Zayat. Das Thema dieser Sitzung war ,,Identitätspolitik in Westeuropa und ihr Einfluss auf die Muslime“. Prof. Dr. Birgit Rommelspacher bekam das Wort und erläuterte das Thema am Fall Deutschlands. Danach ging das Wort an Prof. Dr. Pamela Irving Jackson, die eigens für das Symposium aus Amerika angereist war. Sie gab einen Überblick über die Berichte, die über die Migranten bzw. Muslime in Europa, in Frankreich, in den Niederlanden und in den USA publiziert wurden.

In der letzten Sitzung des Symposiums setzten sich die Referenten mit dem Thema Migration, Identität und die IGMG auseinander. Prof. Dr. Schiffauer ging im Rahmen seines Themas ,,Die Formierung neuer, hybrider und „anderer“ Identitäten“ den Fragen ,,Wer bin ich?“ und ,,Was bin ich als Muslim in dieser Gesellschaft“ nach. Außerdem stellte er die von ihm kategorisierten Grundtypen bei der IGMG gegenüber. Danach ging das Wort an den letzten Referenten des Tages Oğuz Üçüncü, den Generalsekretär der IGMG. Dieser wies auf die Bedeutung der Globalisierung bei der Identitätsbildung hin. Ferner durchleuchtete er am Beispiel der IGMG die Erfahrungen der Muslime in Europa mit Identitäten und bemerkte, dass auch Muslime ,,Othering“ betreiben.

Für die musikalische Abwechslung wurde auch gesorgt. Die Musikgruppe Salsabil, die klassische orientalische Maqam-Musik zu pflegen und im Westen einem großen Publikum vorzustellen versucht, verwöhnte die Zuhörer mit ausgewählten Stücken aus dem Orient. (öfc)

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