Pressemitteilung

Islamische Gemeinschaft fordert Gleichbehandlung von Geflüchteten

26. April 2022
Pressemitteilung

„Die Ungleichbehandlung von Geflüchteten sorgt für zunehmenden Unmut bei negativ Betroffenen sowie Engagierten in der Geflüchtetenhilfe. Integrationserleichterungen, die für Menschen aus der Ukraine gelten, müssen allen Schutzsuchenden offenstehen“, mahnt Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass sind zunehmende Beschwerden und steigender Unmut von Menschen, die in der Geflüchtetenhilfe aktiv sind. Bekir Altaş weiter:

„Engagierte in der Geflüchtetenhilfe begrüßen die Erleichterungen und Integrationshilfen für Ukrainerinnen und Ukrainer. Allerdings wünschen sie sich gleiche Bedingungen auch für Schutzsuchende aus anderen Ländern. Die Bevorteilung von Geflüchteten aus der Ukraine bei gleichzeitiger Benachteiligung von Geflüchteten aus anderen Ländern löst immer mehr Unverständnis aus. Das wiederum wirkt sich negativ auf die Moral und Bereitschaft der Menschen aus, die unschätzbar wichtige Arbeit in der Geflüchtetenhilfe leisten.

Die Politik sollte das Engagement von Helferinnen und Helfern immer mitdenken. Ohne ihren selbstlosen Einsatz wären die Herausforderungen 2015 nicht zu bewältigen gewesen, auch heute ist ihre Arbeit sehr wertvoll. Angesichts der zunehmenden Ungleichbehandlung von Geflüchteten steigt jedoch der Unmut. Was bisher im Kontext von Geflüchteten aus Syrien, Afghanistan oder anderen Ländern aus diesen Regionen unmöglich schien, wird für Ukrainerinnen und Ukrainer im Eilverfahren ermöglicht. Das begrüßen wir ausdrücklich, fordern aber einen grundsätzlichen Mentalitätswechsel, der sich auf alle Geflüchteten erstreckt.

Die Islamische Gemeinschaft fordert von der Bundesregierung mehr Fingerspitzengefühl in der Flüchtlingspolitik. Der bereits entstandene Eindruck, Menschen würden aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Sprache, ihrer Religion oder ihrer Kultur bevorteilt oder benachteiligt, darf nicht weiter verfestigt werden. Das hätte nicht nur fatale Auswirkungen auf die Betroffenen oder auf Helfende, sondern auch auf Teile der Bevölkerung in Deutschland.

Deshalb appellieren wir eindringlich an die Bundesregierung, Erleichterungen und Chancen, die Ukrainerinnen und Ukrainern gewährt werden, allen Geflüchteten gleichermaßen zukommen zu lassen: in der Bildung, bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen, beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, zu staatlichen Hilfen oder im Bereich des Aufenthaltsrechts. Es gibt keinen vertretbaren Grund für die Ungleichbehandlung von Geflüchteten, dafür aber viele Gründe, sie gleichzubehandeln – der wichtigste steht im Grundgesetz.“

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