Pressemitteilung

Islamische Gemeinschaft fordert verantwortungsvolle Flüchtlingspolitik

19. Juni 2020
Pressemitteilung

„Wir appellieren an die Politik, globale Verantwortung zu übernehmen und eine Politik zu etablieren, deren Leitlinie das Wohl des Menschen ist und nicht der Profit“, erklärt Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), anlässlich des Weltflüchtlingstags. Bekir Altaş weiter:

„Die Bilanz zum Weltflüchtlingstag hätte kaum schlechter ausfallen können. Erneut ist die Zahl der Menschen weltweit, die aus Angst um ihr Leben flüchten müssen, gestiegen auf 79,5 Millionen – etwa die Hälfte sind Kinder. Noch vor zehn Jahren war die Zahl nur halb so hoch.

Dabei sind die Fluchtursachen hinlänglich bekannt: bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen und Armut. Dennoch liefern Waffenexportländer, darunter auch Deutschland, von Jahr zu Jahr immer mehr Waffen aus. Die Klimapolitik hat angesichts der katastrophalen Folgen immer noch nicht den nötigen Stellenwert eingenommen und die Wirtschaftspolitik – ja sogar die Entwicklungshilfe – orientiert sich fast ausschließlich nach Profit und bietet armen Ländern keine Möglichkeit, aus ihrem Teufelskreis herauszukommen.

Es ist fernab jeder Menschlichkeit, dass die Politik immer noch kein ernsthaftes Interesse daran zeigt, die Zahl der Geflüchteten zu senken. Es ist fernab jeder Moralvorstellung, dass Menschen aus Armut und Hunger fliehen müssen, wenn wir gleichzeitig in einer inzwischen maßlos produzierenden Wegwerfgesellschaft leben – auf dem Rücken der Ärmsten. Und es ist fernab jeder Verantwortung, wie wir mit unserer Umwelt umgehen und unser Klima ruinieren – ebenfalls auf Kosten jener, die ohnehin unter schwierigen klimatischen Bedingungen um das Überleben kämpfen müssen.

Kaum in Wort zu fassen ist, wie wir mit Geflüchteten umgehen – obwohl wir zu einem nicht unerheblichen Teil mitverantwortlich für ihre Situation sind. Selbst während der globalen Corona-Pandemie ist es der Politik nicht gelungen, Solidarität über die eigenen Landesgrenzen hinaus zu zeigen. Im Gegenteil: Menschen, die Schutz bei uns suchen, werden immer noch in überfüllten Lagern de facto gefangen gehalten und müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen ausharren. Und viele schaffen es erst gar nicht ans Festland. Sie ertrinken im Mittelmeer, weil wir sie nicht retten, obwohl wir es könnten.

Wir wollen diese Politik nicht. Wir wollen keine Politik, die ihre Augen vor diesem zutiefst unmenschlichen Treiben verschließt, in Sonntagsreden Humanität und Menschenrechte predigt und schon am Montag wie gewohnt weitermacht. Wir wollen eine Politik, die Verantwortung übernimmt, sich am Wohl der Menschheit orientiert und sie nicht klassifiziert.“