Pressemitteilung

Islamische Gemeinschaft: Musliminnen und Muslime in der Pflege auf sich selbst gestellt

06. Juli 2022
Pressemitteilung

„Mangels kultur- und religionssensibler Pflegeangebote sind Musliminnen und Muslime weitestgehend auf sich selbst gestellt. Höchste Zeit, den Weg durch Förderung entsprechender Angebote freizumachen“, erklärt Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass sind Befunde aus dem „Pflegereport 2022“ des AOK-Bundesverbands, der am 5. Juli 2022 vorgestellt wurde. Bekir Altaş weiter:

„Pflegebedürftige Musliminnen und Muslime in Deutschland sind weitestgehend auf sich selbst gestellt. Mangels kultur- und religionssensibler Angebote sowie aus Angst vor Diskriminierungen werden sie ganz überwiegend innerhalb der Familie gepflegt. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Menschen oft ihre Rechte und Ansprüche nicht kennen, weil es kaum niederschwellige Informationsangebote gibt. Das sind Befunde aus dem jetzt vorgelegten ‚Pflegereport 2022‘ des AOK-Bundesverbands – Erkenntnisse, die die Islamische Gemeinschaft aus der Praxis kennt.

Der Report ist nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern auch ein Arbeitsauftrag, die Pflege in Deutschland an den Bedürfnissen der zunehmend interreligiösen und interkulturellen Bevölkerung auszurichten. Das heißt: Den Weg für kultur- und religionssensible Wohlfahrtsarbeit zu öffnen durch Förderung von entsprechenden Angeboten sowie deutliche Ausweitung mehrsprachiger Informationsangebote.

Die erste ‚Gastarbeitergeneration‘ ist bereits im Pflegealter und wird oft unter großen Anstrengungen und Entbehrungen innerhalb der Familie gepflegt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Durchschnittsalter dieser Menschen mit 62,1 Jahren deutlich unter dem der restlichen Bevölkerung liegt (72,2 Jahren). Das heißt, sie sind früher und länger auf Pflege angewiesen.

Gerade im Zusammenhang mit der Gastarbeitergeneration wird die Politik nicht müde zu betonen, dass diese Menschen Großes geleistet haben für Deutschland. Diese Leistung wird bisher weitestgehend nur mit Worten gewürdigt, im Alltag dieser Menschen spiegelt sich die Dankbarkeit leider nicht wider. Das muss sich ändern.“

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