Gemeinschaft

Opfertierkampagne in Indien II – Jahrestag des Anschlags auf Ayodhya

10. Dezember 2008

An diesem Tag ist der Jahrestag des Anschlages auf die Moschee in Ayodhya. Deshalb sind viele Geschäfte geschlossen. Am 6. Dezember 1992 stürmten und zerstörten Hindus die Moschee in Ayodhya, da sie den Boden, auf dem sie steht, für sich beanspruchen. Dort sei der Geburtsort des „Gottes“ Ram, für den ein Tempel errichtet werden soll. Aus diesem Grund haben muslimische Geschäfte – in ganz Indien, sagt man mir – an diesem Tag geschlossen.

Gesamtgesellschaftlich gesehen, verfügt im laizistischen Indien keine Ethnie über beherrschenden Einfluss. Es wird vielmehr unter Religionen, Sekten und Kasten unterschieden. Mit etwa 82 % der  Bevölkerung ist der Hinduismus die größte Religionsgemeinschaft des Landes. Jedoch handelt es sich bei dieser Religion nicht um ein im weitesten Sinne in sich geschlossenes Glaubenssystem, wie wir es kennen. Sie stützt sich nicht auf einen einzigen, geheiligten Text und kennt keine verbindlichen Gottheiten. Vielmehr ist der Hinduismus eine Lebensform und dient als solche auch der Legitimierung des Kastensystems. Dies bestätigen jedenfalls die vielen, oft nicht über einige Quadratmeter reichenden, kleinen Tempel, in denen sich Bilder und Statuen diverser „Gottheiten“ befinden.

Nach einem Abendessen im Hause eines Unternehmers, besuchen wir eine Medresse, in der sechs Lehrer etwa 80 Schüler unterrichten. Dies ist auch nur möglich, weil es einige Unternehmer gibt, die die Medresse regelmäßig finanziell unterstützen. Trotzdem sieht der Moscheebau aus, als wäre er im Rohbau. Es ist allerdings nicht ganz klar, ob dies daran liegt, dass die muslimischen Inder dies einfach gewöhnt sind oder daran, dass es niemanden gibt, der bereit ist, eine qualitative Entwicklung herbeizuführen. Jedenfalls war es kein schöner Anblick, die Schüler auf dem Boden sitzend Reis essen zu sehen. Da es sich die Schule nicht leisten kann, steht auf dem Tisch/Boden nicht mehr als Reis, abwechselnd mit Fleisch oder Gemüse und einige Früchte.

Am späten Abend treffen wir noch einen ehemaligen Abgeordneten und Minister des Landesparlaments. So wie viele andere der wohlhabenderen Muslime versucht dieser Mann, religiöse und soziale Projekte zu fördern bzw. initiiert sie. Allein seine Familie betreibe mehrere Privatschulen. Auf der einen Seite ist es erfreulich dies zu erfahren, doch angesichts der Realität in der vorher besuchten Medresse, muss man sich wieder fragen, was denn da falsch gemacht wird. Oder liegt es nur daran, dass es einfach nicht genug ist? (am)

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