Gemeinschaft

Opfertierkampagne in Kolumbien I – Mittel zum Zweck

26. November 2009

Im Türkischen Sprachgebrauch spricht man vor allem bei der IGMG hinsichtlich der Opfertierkampagne stets vom „Umma-Projekt“ (Ümmet Projesi). Damit ist ein globaler Anspruch der Kampagne verbunden. Die Opfertierkampagne ist nicht auf einige wenige Länder beschränkt. Die Umma – und dazu zählen nun mal alle Muslime –  soll erleben, was es bedeutet wenn im Koran geschrieben steht „Die Gläubigen sind Geschwister…“ [49:10]

Denn bei der Opfertierkampagne geht es nicht in erster Linie um die Armutsbekämpfung, auch wenn dies bei der Verteilung der Opfertiere auf die einzelnen Länder sicherlich auch eine Rolle spielt. Nein, es ist der Gedanke der Geschwisterlichkeit im Islam, eine Geschwisterlichkeit, die erkennen lässt, dass man dem tausende Kilometer entfernten Menschen verbunden ist, eine Geschwisterlichkeit, die mehr ist als die Verteilung von Fleisch. Nicht ein humanistischer Beweggrund ist der grundlegende Antrieb der Kampagne. Wir geben nicht in erster Linie, weil wir selbst genug haben. Denn wenn man konsequent ist, führt dies zu der Frage: „Warum nur einmal im Jahr?“ Außerdem sollte daran erinnert werden, dass es aus islamisch-rechtlicher Sicht ausreichen würde, wenn das Fleisch der Opfertiere den nächsten, eventuell ärmeren Freunden und Verwandten gegeben würde. Es ist kein Muss, dass diese bedürftig sind.

Der alleinige „Vorteil“, den die Muslime mit der Verteilung des Opfertierfleisches erlangen, ist die Gewissheit, dadurch ein Erfordernis des Islams erfüllt zu haben. Es ist das Gebot der Geschwisterlichkeit wie sie vom Propheten in dem Hadîth „Die Gläubigen sind wie ein Körper. Wenn ein Glied des Körpers schmerzt, verspürt dies auch der Rest des Körpers.“ (Buchârî) in Worte gekleidet wurde.

Die Opfertierkampagne ist also lediglich ein Mittel zur Förderung der Verbundenheit, ein Mittel der engeren Verknüpfung der Muslime auf der ganzen Welt und gleichzeitig ein Zeichen der Geschwisterlichkeit. Dies ist es, sich seiner Verantwortung bewusst zu sein, dies bedeutet Takwâ.

Vor diesem Hintergrund war es nur eine Frage der Zeit und der (kommunikationstechnischen und logistischen) Möglichkeiten, dass auch muslimische Minderheiten in nichtmuslimischen Gesellschaften in die Kampagne einbezogen werden.

So befinden wir uns nun in Kolumbien, einem Staat, dessen Bevölkerung sich zu 90 Prozent der römisch-katholischen Kirche zugehörig fühlt, und in dem lediglich 10.000 Muslime (von 44,5 Millionen) leben. Zumeist sind diese aus Syrien, dem Libanon und Palästina zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eingewandert. Es sind aber auch zahlreiche zum Islam Konvertierte anzutreffen.

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