Pressemitteilung

Plakatwettbewerb: Gegen Intoleranz und Rassismus – für eine Kultur der Vielfalt

06. September 2012

„Tagtäglich erleben wir Angriffe auf Menschen, die von Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindschaft und Intoleranz geprägt sind. Zuletzt war es der Fall einer türkischen Familie aus Betzdorf/Hessen, die zunächst Opfer eines Überfalls wurde und anschließend selbst beschuldigt von der Polizei abgeführt wurde. Davor wurden zwei türkische Frauen in Herzogenrath/NRW auf offener Straße von einem Ehepaar brutal zusammengeschlagen, nachdem sie mit „šKanake‘ und „šScheißkopftuch‘ beleidigt und bedroht wurden; die Berichterstattung deutschsprachiger Medien beschränkte sich auf die örtliche Presse. Ein Tag darauf wurde ein Rabbiner in Berlin auf offener Straße in Gegenwart seiner 7-jährigen Tochter von mehreren Jugendlichen zusammengeschlagen – weil er Jude ist. Solche Vorfälle stimmen uns nachdenklich und gefährden das harmonische Zusammenleben in unserer Gesellschaft.

Wenn wir vom Staat erwarten, die Realität, also Komplexität einer multiethnischen, multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft zu akzeptieren, müssen wir gleichzeitig unserer bürgerschaftlichen Pflicht nachkommen, diese Realität selbst verinnerlichen, Solidarität vorleben, unsere Stimme gegen Rassismus erheben und mit Zivilcourage vorangehen. Angesichts der äußerst bedenklichen „šVermisst‘-Plakataktion des Bundesinnenministeriums erscheint dies dringlicher denn je.

Umso deutlicher müssen wir heute Zivilcourage zeigen, so wie die beiden türkischen Jugendlichen, die Rabbiner Walter Homolka, einem Oberstleutnant in der Bundeswehr zur Hilfe eilten, als dieser von anderen Jugendlichen in der U-Bahn bedrängt wurde, was Juden in der Bundeswehr denn zu suchen hätten. Solche Beispiele stärken unsere Zuversicht für unsere gemeinsame Zukunft.

In einer Zeit, in der sich Menschen mehr denn je über das Maß des Konsums definieren, in der wir uns gleichgültiger gegenüber Ungerechtigkeiten gegen den Menschen und Maßlosigkeiten gegenüber der Natur zeigen, fällt es Vielen schwer, sich aktiv für das Gemeinwohl zu engagieren. Aber als eine Gemeinschaft, die den Dienst am Wohl der Gemeinschaft als Gottesdienst begreift, ist es unsere Pflicht, für eine Kultur einzutreten, die von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt ist.

Vor allem gilt es, Menschen nicht nur gegen Hass zu immunisieren, sondern sie zum Engagement für eine freiheitlich-pluralistische Gesellschaft zu begeistern. Nur so werden wir es schaffen, dass die gleichberechtigte Koexistenz verschiedener Religionen, Anschauungen und Lebensformen als Bereicherung betrachtet wird und Staat, Medien und Zivilgesellschaft mehr Engagement im Kampf gegen Rassismus zeigen. Angesichts der zunehmenden Gewalt dürfen wir uns erst recht nicht zurückziehen, sondern müssen mehr bürgerschaftliches Engagement und Zivilcourage zeigen.

Um dies zu fördern, wollen wir neben vielen weiteren Maßnahmen zunächst einen Plakatwettbewerb starten, der Intoleranz, Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit anklagt und gleichzeitig für eine Kultur der Vielfalt in der Gesellschaft eintritt. In sozialen Netzwerken wollen wir für die Aktion werben und einem breiten Publikum zugänglich machen, dabei vor allem Jugendliche ansprechen. Die besten Plakate sollen gedruckt und an Moscheen und andere interessierte Institutionen verteilt werden.“

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