Pressemitteilung

Politik und Zivilgesellschaft Hand in Hand gegen Rechts

25. September 2017 Bekir Altaş, Genel Sekreter
Bekir Altaş, Genel Sekreter

„Der Einzug der ausländer- und islamfeindlichen AfD in den Bundestag ist ein Albtraum, aber auch eine Chance, die Demokratie zu stärken. Diese Wahl ist nicht das Ende unserer Bemühungen, sondern der Anfang“, kommentiert Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), die Wahlergebnisse. Bekir Altaş weiter:

„Das Wahlergebnis ist ein Albtraum und eine Chance zugleich. Es ist ein Albtraum, weil mit der AfD demnächst rechtsradikale Islamfeinde Politik im Bundestag machen werden. Es ist aber auch eine Chance, endlich das hässliche Gesicht dieser völkischen Hetzer offenzulegen. Dieses Wahlergebnis ist deshalb nicht das Ende demokratischer Bemühungen, sondern eine Chance, Demokratie zu festigen. Es liegt an der Gesamtgesellschaft und an der Politik, AfD-Wähler davon zu überzeugen, dass mit rassistischem und nationalistischem Gedankengut keine Zukunft möglich ist. Dass die Hetzer nun im Parlament sitzen, bietet eine gute Gelegenheit, ihre perfide und durchsichtige Strategie aufzudecken.

Dies kann allerdings nur gelingen, wenn die übrigen Parteien im Bundestag aufhören, die AfD zu kopieren. Das Wahlverhalten der Bürger zeigt: Wähler sind vor allem dort zur AfD gewandert, wo Inhalte am häufigsten übernommen wurden. In der folgenden Legislaturperiode erwarten wir daher eine klare Abgrenzung zu AfD-Positionen, weniger Rechtspopulismus, überzeugende Lösungen sowie keine weiteren Aufweichungen des Grundgesetzes zulasten der Freiheitlichkeit.

Gefragt ist auch die Zivilgesellschaft. Religionsgemeinschaften tragen hierbei eine große Verantwortung. Die AfD und andere Randgruppen, die sich auf das christlich-jüdische Erbe berufen, pervertieren das Christen- und Judentum genauso wie die Terrororganisation Daesh den islamischen Glauben. Die Religionsgemeinschaften müssen hier klare Grenzen ziehen, und sich stärker gegen Missbrauch wehren.

Die islamischen Religionsgemeinschaften müssen sich viel deutlicher als bisher in Deutschland und Europa verorten und beheimaten – in Wort und Tat. Wir dürfen uns von niemanden einreden lassen, wohin wir gehören und wohin nicht. Wir stehen in der Verantwortung, dieses Verständnis an jedes einzelne Mitglied heranzutragen und noch stärkere Signale an die Gesamtgesellschaft zu senden.

Der Einzug der AfD in den Bundestag ist nüchtern betrachtet leider keine Überraschung. Ausländer- und Islamfeindlichkeit sind keine neuen Phänomene. Im Gegenteil, zahlreiche Studien belegten schon lange vor der AfD, dass rechtes Gedankengut in Teilen der Bevölkerung verankert ist. Insofern gibt es keinen Grund, in pauschales Misstrauen zu verfallen. Vertrauen gegenüber unseren Nachbarn, Arbeitskollegen und Schulkameraden ist der Normalzustand. Das gegenseitige Vertrauen ist die Grundlage unserer Kommunikation und unseres Zusammenlebens. Das werden wir uns nicht nehmen lassen. Wir dürfen nicht vergessen, dass 87,4 Prozent der Wähler sich gegen rechts entschieden haben – trotz großem Protestpotenzial. Darauf müssen wir aufbauen.“