Pressemitteilung

Schulbuchanalyse bestätigt Ausgrenzung des Islams, wirft jedoch auch Fragen auf

20. September 2011

„Das Georg-Eckert-Institut stellt fest, dass Schulbücher europäischer Ländern an vereinfachenden Darstellungen festhalten und einen homogenen Islam als Gegensatz zum heterogenen modernen Europa konstruieren. Der Islam werde als vormodern und Muslime somit als nicht zu Europa gehörige „šAndere‘ vermittelt. Damit leisten die meisten untersuchten Lehrbücher nicht gerade einen Beitrag zur Partizipation und Identifizierung muslimischer Schüler und Schülerinnen mit dem jeweiligen Land.

Die Schulbuchanalyse ist auch insofern aufschlussreich als das sie auf Deutschland bezogene Forschungsergebnisse auch für andere Länder Europas konstatiert. Entzeitlichung, Homogenisierung und Essentialisierung seien hierbei drei charakteristische Merkmale. Dadurch wird nicht nur eine Ausgrenzung des Islams und der Muslime aus den europäischen Gesellschaften vorangetrieben, sondern gleichzeitig ein Europa zu konstruieren versucht, dass kaum die historischen und gegenwärtigen Realitäten widergibt. Das Institut bestimmt Eurozentrismus als grundlegendes Element der untersuchten Schulbücher.

Auch wenn das Urteil der Schulbuchanalyse, dass nämlich die Lehrbücher zum Beispiel kaum zur Immunisierung gegen islamophoben Populismus beitragen, beizupflichten ist, sind die Empfehlungen teilweise fragwürdig. Denn im Grunde wird die europazentrierte Perspektive beibehalten. Dies ist der Fall, wenn im Sinne einer „šInklusion‘, die Beiträge „šanderer Kulturen zum modernen Europa‘ vermehrt Eingang in die Schulbücher finden sollen. Fragezeichen hinterlässt auch die Forderung, „šsäkulare Stimmen‘ in die Schulbücher aufzunehmen. Was diese Forderung im Ergebnis bedeutet, wird nicht überzeugend dargestellt.

Deutlich zu kritisieren ist ferner die Behandlung „šder verschiedenen Phasen des sog. „Islamismus“ vom antikolonialen Widerstand über den politischen Islam bis hin zu identitätspolitischem Islam und Terror‘.“

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