Pressemitteilung

Staatliche Intervention bei Imam-Ausbildung

22. November 2019
Pressemitteilung

„Die Imam-Ausbildung ist Sache von islamischen Religionsgemeinschaften. Vor diesem Hintergrund sind politisch motivierte Interventionen zur Ausbildung von Imamen erklärungsbedürftig“, erklärt Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass sind Pläne des Bundesinnenministeriums zur Unterstützung und Finanzierung eines sog. „Islamkolleg“ zur Ausbildung von Imamen. Bekir Altaş weiter:

„Grundsätzlich begrüßen wir Anstrengungen, die die Ausbildung von Imamen in Deutschland fördern und unterstützen. Zugleich müssen wir jedoch abermals darauf hinweisen, dass die Imam-Ausbildung ausschließlich Angelegenheit von islamischen Religionsgemeinschaften ist. Das bedeutet, dass die Ausbildung frei von äußeren, insbesondere politischen Einflüssen sein muss und Imame nur den Gemeindemitgliedern, ihrem Glauben und ihrem Gewissen unterworfen sein müssen.

Vor diesem Hintergrund sind politisch motivierte Interventionen und Zahlungen staatlicher Gelder an Initiativen in vermeintlich privater Trägerschaft zur Ausbildung von Imamen erklärungsbedürftig. Der Staat muss darlegen, wie die Imam-Ausbildung frei von politischen Einflüssen sein kann, wenn staatliche Unterstützungen und Zuwendungen – in Zukunft – vom Willen politischer Entscheidungsträger abhängen. Bestrebungen, Initiativen zur Ausbildung von Imamen einen privaten oder religiösen Anstrich zu geben, laufen angesichts bisheriger Bekundungen und Verlautbarungen ins Leere.

Entlarvend ist, dass die Politik wider besseres Wissen betont, die Imam-Ausbildung in Deutschland sei etwas Neues. Tatsächlich werden in Deutschland bereits Imame ausgebildet von den etablierten islamischen Religionsgemeinschaften, darunter auch der IGMG. Diese Strukturen gehen auf jahrzehntealte Bedarfe hiesiger Muslime zurück und bestehen schon seit vielen Jahren – lange bevor die Politik das Thema für sich entdeckte. Tatsache ist auch, dass bereits erste in Deutschland ausgebildete Imame in unseren Moscheegemeinden tätig sind – darunter auch Absolventen deutscher Hochschulen.

Offenbar ist es so, dass die Ausbildungsstrukturen etablierter islamischer Religionsgemeinschaften der Politik nicht genehm sind – da vermeintlich zu ‚konservativ‘. Die Errichtung und Unterstützung von vermeintlich privaten Initiativen ist auch vor diesem Hintergrund entlarvend, zielt sie ganz offenbar darauf ab, eine ‚genehme‘ Alternative aufzubauen – mithin ist sie politisch motiviert. So drängt sich der Verdacht auf, als wolle man mit staatlichen Mitteln den Islam in Deutschland in eine ganz bestimmte Richtung be-‚fördern‘. Ob sich dieses Verhalten mit der verfassungsrechtlich verankerten Neutralitätspflicht des Staates vereinbaren lässt, müssen die Entscheidungsträger auflösen. Fakt ist: Der Staat hat keine Religion oder Weltanschauung – und er darf auch keine haben.

Schließlich stehen auch die Zuwendungsempfänger in der Erklärungspflicht. Sie müssen erklären, wie sie eine von politischen Einflüssen freie Imam-Ausbildung gewährleisten wollen, wenn die Ausbildung von staatlichen Geldern, mithin vom politischen Willen abhängig ist. Eine weitere Frage ist, wie sie gedenken, das Vertrauen der Moscheegemeinden zu gewinnen, um so ausgebildete Imame zu vermitteln.“