Gemeinschaft

Tafakkur-Konferenzreihe gibt Einblicke in das Denken

12. November 2008

Nach einer kurzen Einführung des Generalsekretärs des NIF, Fuat Nurlu, begann die Konferenz mit einer Koranrezitation. Anschließend bekam der Vorsitzende des NIF, Mehmet Yaramis, das Wort und machte darauf aufmerksam, dass unter den Muslimen ein Verfall des Denkens festzustellen sei. Daher seien derartige Veranstaltungen von hoher Bedeutsamkeit. Materielle Sättigung und geistige Leere hätten den Gipfel erreicht und nun sei es an der Zeit, der geistigen Unreinheit und dem Verfall entgegenzuwirken. Mit diesem Hintergrund soll die Konferenzreihe bis zur Sommersaison fortgesetzt werden.

Die Konferenzreihe, an der die Experten des Fachgebiets teilnehmen sollen, begann mit dem Vortrag des Theologie Professors der Uludag Universität in Bursa, Prof. Dr. Mustafa Kara. Er begann seinen Vortrag mit der Zeichnung von drei Kreisen, und beschriftete den größten Kreis mit „Menschlichkeit“, den mittleren mit „Islamische Hochkultur“, und den kleinsten mit „Sufismus“. Die Suche nach der Wahrheit bezeichnete Kara als Wissen und betonte, dass der Mensch das Wissen mit dem Nachdenken über das Universum und über die eigene Person erreiche.

Mustafa Kara definierte die Hochkultur als das größte System, das der Mensch zustande brachte und sagte folgendes: „Für die Entstehung einer Hochkultur bedarf es vier Punkte: 1. Wissen und Bildung, 2. Weltanschauung und Philosophie, 3. Schöne Künste, 4. Politische Führung. Es entstanden viele Kulturen, die Hochbegabte hervorbrachten. Beim Lesen der Biographien dieser Gelehrten fällt auf, dass sie von politischen Führern unterstützt wurden. Kulturen, die in den bereits erwähnten Bereichen Persönlichkeiten hervorbrachten, sind als Hochkulturen zu bezeichnen.

Existierte in der Vergangenheit eine Islamische Hochkultur?

Um diese Frage bejahen zu können, müssen wir in der Lage sein, in allen vier Bereichen einen angesehenen Gelehrten vorzuweisen, d.h. einen weltweit anerkannten Gelehrten, Schriftsteller, Dichter, Denker, Philosophen und Staatsmann.

Für das Vorliegen einer Hochkultur muss zudem folgendes Merkmal in Erscheinung treten: Das hervorgebrachte Gedankengut muss von Menschen anderer Kulturen als wertvoll betrachtet, gelernt, übersetzt und nachgeahmt werden. Nur dann kann eine Kultur als Hochkultur bezeichnet werden.

Ein Blick in die islamische Geschichte offenbart folgendes: In der Vergangenheit setzten sich die Gelehrten anderer Kulturen mit den Werken muslimischer Gelehrter und Künstler auseinander und würdigten sie. Diese Werke wurden gelesen, übersetzt und nachgeahmt. Exemplarisch dafür sind die Werke Ibni Ruschds, die zu einem besseren Verständnis der Philosophie des Aristoteles führten. Denn bei Verständnisproblemen zogen Angehörige der westlichen Kulturen Ibni Ruschds Werke heran. Demnach gab es eine Zeit, in der eine Islamische Hochkultur existierte. In der islamischen Blütezeit saßen Europäer in den Madrasas (islamische Hochschulen) und lernten Arabisch. Zum Verständnis der zahlreichen Werke in arabischer Sprache versuchten die Europäer diese Sprache zu lernen, um von diesen Werken gebrauch machen zu können. Eine Hochkultur strahlt Licht nach außen aus und beleuchtet seine Zeit.

Über den Sufismus: Das Zentrum der Religion ist der İmân. Der İmân ist im Herzen angesiedelt. Jener, der die Reise mit einem unreinen und verschlossenen Herzen antritt, der wird das angestrebte Ziel nicht erreichen. Es bedarf eines reinen Herzens, um sich von moralischer Schwäche, Hochmut, Hass und Heuchelei zu befreien. Wer nachtragend und gehässig ist, kann nicht gläubig sein. Dort wo Gehässigkeit und Rachsucht vorherrschen, ist die Suche nach Liebe vergebens. Und ohne Liebe kann der Mensch nicht edelmütig und gut sein. Die islamische Lebensweise ist zu vergleichen mit einer Wanderung. Sie ist das Wandeln auf dem rechten Pfad. Die eigentliche Aufgabe des Sufismus ist, unseren Geist mit Schönem bekanntzumachen, um uns so zu einem reinen Herzen zu verhelfen.“

Am Ende der Konferenz stellte ein Teilnehmer die Frage: „Kann ein Muslim, der sich nicht einer Târika anschließt, genauso gut das Ziel erreichen?“ Prof. Kara antwortete: „Natürlich kann er das, nämlich indem er Willensstärke zeigt. Denn Allah wird nicht danach fragen welcher Tarîka sie angehören.“ Nach abschließender Koranrezitation hatten die Teilnehmer in der darauffolgenden Signierstunde die Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch mit Prof. Dr. Kara. (fy)

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