Gemeinschaft

Uganda – Opfertierkampagne in der Perle Afrikas

18. Dezember 2007

„Die Perle Afrikas“ hatte Winston Churchill einst Uganda genannt. Ein Name, den das regenreiche und verglichen mit seinen Nachbarn nicht zu warme Land zu Recht verdient. Uganda hat eine leidgeprüfte Geschichte hinter sich, wie die meisten vormals kolonisierten Länder dieser Region. Es sind gerade einmal zwanzig Jahre her, seit der letzte Diktator Milton Obote aus dem Amt vertrieben wurde. Viele dürften sich bei Nennung Ugandas an Idi Amin erinnern, der das Land während seiner Herrschaft in den Ruin, hunderttausenden Menschen den Tod  und die natürlichen Ressourcen des Landes zum Erliegen gebracht hat.

Die Zeit der Könige

Doch fangen wir mit der Geschichte Ugandas etwas früher an. Es waren Bantu-Völker, die sich ca. um 300 v. Chr. In die vormals nur von Jägern und Sammlern bewohnten Gebiete von Uganda ansiedelten und hier Ackerbau und Viehzucht einführten. Es kamen aber auch Niloten aus dem Gebiet des heutigen Sudans, die sich mit den Bantu-Völkern vermischten. Die verschiedenen Clans und Gruppen waren jedoch eher selbstständig. Im 13./14. Jahrhundert bildeten sich einige Königreiche heraus. Den Größten Einfluss erreichten die Königreiche Buganda – von dessen Bezeichnung das heutige Uganda seinen Namen hat -, Bunyoro-Kitara, Kooki, Mpororo und Nkore.

Die meisten Königreiche etablierten sich jedoch erst zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert. Eine besondere Lichtgestalt in der Ugandischen Königsgeschichte spielte König Ndahura, der Gründer der Bacwezi-Dynastie. Viele spätere Königreiche beriefen sich auf ihre Abstammung von Ndahura, und er war es wohl auch, der das Ankole-Rind und den Kaffeeanbau in Uganda einführte.

Das mächtigste Reich baute der bugandische Kabaka (König) Mutebi auf. Sein Gebiet erstreckte sich vom Viktoria-See bis fast zum Albert-See und umfasste fast ganz das heutige Ost-Uganda. Außerdem hatte er zahlreiche Partnerschaften und Friedensabkommen mit den umliegenden Königreichen bis hinein nach Tansania abgeschlossen. 

Der Islam in Uganda

Die ersten Muslime tauchten um 1840 auf dem Gebiet des heutigen Uganda auf. Es waren zumeist Händler auf dem Weg in das Reiche Zaire (heue Kongo). Sie ließen sich hauptsächlich im nördlichen Acholi-Reich nieder. Darüberhinaus kamen auch Suheli von afrikanischen Ostküste nach Buganda und freundeten sich mit dem damaligen Kabaka Mutesa an. Auch einige Clan-Führer nahmen den Islam an, sodass der Islam einen gewissen Zulauf unter den Einheimischen erhielt. Dies zeigt sich auch heute in der muslimischen Bevölkerung, da diese jeweils den einheimischen Stämmen angehören.

Nachdem der englische Forscher John Speke den Viktoria-See als Quelle des Weißen Nils entdeckte, wollte auch das damalige Ägypten diese Region in ihr „Großägytisches Reich“ einverleiben. Dazu kam es jedoch nie. Der 1878 eingesetzte Generalgouverneur Emin Pasha musste schließlich 1889 unverrichteter Dinge abziehen.

Das ausgehende 19. Jahrhundert Ugandas war geprägt vom Wettlauf der Religionen. Nach den Muslimen tauchten auch britische Protestanten und französische Katholiken mit ihren Missionaren in Uganda auf. Zum Ende des Jahrhunderts entstanden zahlreiche Religionskonflikte in Buganda, bis es schließlich 1889 zum Bürgerkrieg zwischen Muslimen und Chisten kam. Folge war die Vertreibung der unterlegenen Muslime aus Kampala.

Uganda als Protektorat und Kolonie

Nach der Vertreibung der Muslime stritten nun Protestanten und Katholiken um die Vormachtstellung im Königreich Buganda. Uganda war 1884 Teil der Verhandlungsmasse auf der Berliner „Kongo-Konferenz“. Die Region um Uganda fiel als „Deutsch-Ostafrika“ an Deutschland, wurde jedoch 1890 den Briten überlassen. Obwohl sich der Bugandische Kabaka Mwanga streubte, einen Protektoratsvertrag zu unterschreiben, musste er sich nach einigen Auseinandersetzungen im März 1892 dem britischen Diktat fügen. Bis zum Ende des Jahrhunderts fielen auch die anderen ugandischen Königreiche unter das britische Protektorat. Das Land war damit zwar territorial vereint, aber innerlich gespalten. Denn zum einen bevorzugten die Briten offen die Protestanten gegenüber Katholiken und Muslimen, zum anderen besetzten sie auch außerhalb Bugandas Clan-Führer mit Bugandern. Auch wurde der Norden des Landes massiv vernachlässigt, ein Umstand, der sich selbst in den heutigen Unruhen niederschlägt.

Seine Unabhängigkeit erlangte Uganda erst am 9. Oktober 1962. Interessant ist, dass Kabaka (König) Mutesa II. noch 1953 ins Exil geschickt werden konnte, weil er als nicht den Briten gegenüber loyal angesehen worden ist.  

Republik und Diktatur

Die junge Republik hielt jedoch gerade einmal vier Jahre. Premierminister Milton Obote verjagte den Präsidenten und setzte im April 1966 eine eigene Verfassung ein, in der er sich zum Präsidenten auf Lebenszeit ernannte. Obote verlor sein Amt, als er kurz vor einer Singapur-Reise seinem Armeechef wegen Veruntreuung eine Untersuchung ankündigte. Der Armeechef war Idi Amin. Dieser wartete erst gar nicht auf die Rückkehr Obotes und putschte sich am 25. Januar 1971 an die Spitze des Staates.

Amins Zeit war keine Zeit des Friedens in Uganda. Schon bald nach Amtsantritt vertrieb er die Asiaten aus dem Land. Diese bildeten die Mittelschicht in Uganda und waren finanziell wesentlich besser gestellt als viele Ugander. Amin nutzte dies um einen „Neidfeldzug“ gegen die Asiaten zu starten und somit auch von der eigenen Erfolglosigkeit abzulenken. 1972 vertrieb er alle Menschen aus dem Land und konfiszierte ihr Eigentum. Die Folge war der Zusammenbruch der Wirtschaft in dem ohnehin schon armen Land.

In seiner achtjährigen Herrschaft war Amin verantwortlich für den Tod von fast 300000 Ugandern. 1978 erklärte Amin dem oppositionellen Nachbarland Tansania den Krieg. Dieser Krieg läutete jedoch das Ende seiner Herrschaft ein. Im März 1979 marschierten tansanische und ugandisch-oppositionelle Truppen in der Hauptstadt Kampala ein und vertrieben Amin.

Die Vertreibung Amins brachte den Ugandern jedoch wieder nur die Führung durch den Ex-Diktator Milton Obote zurück. In fünf Jahren kamen unter Obotes Herrschaft fast 500.000 Menschen ums Leben. Schließlich übernahm die National Resistance Army vom heutigen Präsidenten Yoweri Museveni die Macht im Land. Zu aller Überraschung führte sich Museveni jedoch nicht als neuer Obote oder Amin auf, sondern leitete eine gewisse Demokratisierung ein. Mittlerweile ist jedoch auch Museveni seit 20 Jahren an der Macht und die Opposition wirft ihm immer häufiger vor, eine Diktatur mit demokratischen Spielregeln zu betreiben.

Heute ist Uganda ein Land mit 27 Mio. Einwohnern. Die überfüllte Hauptstadt Kampala platzt mit 1,4 Mio. offiziellen Einwohnern aus allen Nähten und mittlerweile haben sich auch einige Slums gebildet. Armut – davon wird man überall in dem Land Zeuge.

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