Pressemitteilung

UNO-Welttag der Sozialen Gerechtigkeit: Soziale Gerechtigkeit durch gerechte Verteilung

17. Februar 2012

„Heutzutage gibt es rechtlich gesehen keine Sklaverei. Doch die Zahl der Menschen, die unter noch schwierigeren Bedingungen leben, beläuft sich auf mehrere Millionen. Während es auf der einen Seite immer mehr Reichtum gibt, verarmt ein großer Teil der Weltbevölkerung. Laut den Zahlen der UNO werden 12,3 Millionen Menschen gegen ihren Willen zu einer Arbeit gezwungen; 900 Millionen Menschen leben in Armut, obwohl sie arbeiten. Wenn man noch die Kriege, Besetzungen und Bürgerkriege hinzunimmt, müssen wir feststellen, dass ein großer Teil der Menschheit weit entfernt davon ist, in sozialer Gerechtigkeit zu leben. Dass es ein stetes Wachstum gibt, ist gewiss. Gleichzeitig ist es eine Tatsache, dass gerade die Länder, die im Besitz von Rohstoffen und natürlichen Ressourcen sind, kaum davon profitieren können, ja sogar ärmer werden. Die Zahl der armen und ärmsten Menschen, die in wohlhabenderen Ländern leben, nimmt zu, da einerseits die Arbeitslosigkeit steigt und andererseits die Sozialhilfe gekürzt wird. Um diesen Phänomenen entgegenwirken zu können und soziale Gerechtigkeit zu erwirken, müssen internationale Institutionen und politisch Verantwortliche die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, damit nicht noch mehr Zeit verloren wird. Vor allem weltweit agierende Unternehmen müssen sich ihrer sozialen und moralischen Verantwortlichkeit bewusst werden, anstatt sich nur auf Gewinnmaximierung zu fixieren.

Unsere Religion legt uns nahe, uns sowohl individuell als auch gemeinschaftlich für arme und bedürftige Menschen einzusetzen und mit ihnen zu teilen. Folgende Worte unseres Propheten erinnern uns immer wieder deutlich an das Prinzip, ja das Gebot des Teilens im Islam, welches bei unserem Nächsten beginnen sollte: „Wer schläft, während sein Nachbar hungert, gehört nicht zu uns.“ (nach Tabarânî)

In diesem Zusammenhang wird uns noch einmal die Bedeutung der Zakat als ein Mittel zur sozialen Gerechtigkeit bewusst. Jeder wohlhabende Muslim muss demzufolge ein Vierzigstel (2,5 Prozent) seines Vermögens etwa an arme und bedürftige Menschen abgeben. Diese Handlung gilt als Gottesdienst und wird im Jenseits reichlich belohnt, da die Muslime somit „“¦ im Verlangen nach dem Angesicht ihres Herrn standhaft bleiben und das Gebet verrichten und von dem, was er ihnen beschert, im verborgenen und öffentlich spenden, und die das Böse mit Gutem abwehren …“ (Sure Râd, [13:22]) Wer von dem spendet, was er erworben hat, wird das Wohlwollen unseres Herrn erlangen; nicht eher. Denn im Koran heißt es: „Ihr werdet echte Frömmigkeit nicht erlangen, ehe ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt; und was immer ihr spendet, siehe, Allah weiß es.“(Sure Âl-i Imrân, [3:92])

Eine weitere Grundlage der sozialen Gerechtigkeit im Islam ist die Geschwisterlichkeit. Denn die Menschen sind Geschwister in dem Sinne, als das sie alle von Adam (as) und Eva abstammen. So sagte der vierte Kalif, Ali (ra): „Es gibt zwei Arten von Menschen: Jene, die Geschwister in eurer Religion sind und jene, die nicht eure Glaubensgeschwister sind, aber euch als Menschen gleichgestellt sind.“ Die Menschen sind ihrem Ursprung nach also gleich. Sie unterscheiden sich lediglich hinsichtlich ihres Glaubens und ihrer Herkunft. Diese Unterschiede sind gegeben, damit sich die Menschen gegenseitig kennenlernen und den Ärmeren unter ihnen helfen – und zwar ohne nach der Sprache und Hautfarbe zu fragen.

Dieser Aspekt untermauert den universellen Anspruch des Islams. Zugleich spornt der Islam die Menschen an, seinen Lebensunterhalt auf erlaubtem Wege zu bestreiten, sich von Zinsen fernzuhalten und nicht jene Grundnahrungsmittel und Rohstoffe zu monopolisieren, die dringend benötigt werden. Er verbietet Betrug und die Aneignung des Besitzes anderer Menschen gegen ihren Willen. Wenn diese Grenzen überschritten werden, obliegt es der staatlichen Autorität, das soziale Gleichgewicht wieder herzustellen. In unserer von Krisen geprägten Zeit sollten dies vor allem die staatlichen Regierungen sowie wirtschaftliche Unternehmen beherzigen.“

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