Freitagspredigt

Unterdrückung im Irak – Hutba

14. Mai 2004

‚Spricht man zu ihnen: »Stiftet kein Unheil auf der Erde«, so sagen sie: »Wir sind ja die Rechtschaffenen.« Ist es aber nicht so, dass sie die Unheilstifter sind? Doch sie merken es nicht. (Al-Bakara 2, 11/ 12).

Verehrte Muslime,

Der Islam sieht Unterdrückung und Ungerechtigkeit als eine der größten Sünden an, insbesondere das ungerechtfertigte Töten eines Menschen wird als das Töten der gesamten Menschheit angesehen. Wir erleben heute leider mit, wie die Mächtigen auf der Welt um des eigenen Wohlstands willen die Schwachen unterdrücken und, fast möchte man sagen, versklaven.

Wir erleben wie in diesen Tagen in vielen Teilen der Welt, insbesondere aber im Nahen Osten, im Irak, immer größer werdende Menschenrechtsverletzungen an das Tageslicht treten. Im Namen der Menschenrechte und der Demokratie wird dort eine Grausamkeit an den Tag gelegt, die sich jeder Menschlichkeit entzieht. Im Namen der Freiheit werden ganze Völker quasi versklavt, Menschen entehrt. Vor den Augen der eigenen Kinder müssen Eltern zahllose Grausamkeiten über sich ergehen lassen. Und die gesamte Welt macht nichts anderes als zuzusehen.

Liebe Muslime,

In den vergangenen Tagen wurden wir mit den Bildern von US-Soldaten und britischen Soldaten und ihren menschenverachtenden Folterungen an irakischen Gefangenen erschüttert.

Diese menschenverachtenden Taten können nicht bloß mit einer einfachen Entschuldigung abgetan werden. Die Verantwortlichen müssen unbedingt zur Rechenschaft gezogen werden. Außerdem muss die USA und ihre Verbündeten endlich von der Besatzung des Iraks absehen und sich aus den besetzten Gebieten zurückziehen. Der Irak muss wieder in die Hände seiner eigenen Besitzern, den Irakern, übergeben werden.

Wir verurteilen diese Unmenschlichkeit und diese Morde auf das Schärfste.

Ein Krieg bringt keinem Volk Frieden. Krieg ist ein Zustand, in dem jede Art von Irrsinn und Perversitäten an den Tag treten und angewandt werden. Ein reinster Zustand des Irrsinns. Wir sehen den unmenschlichsten dieses Irrsinns derzeit, sogar mit Beweisen in dem bekriegten Irak.

Während sich die Welt noch nicht von den Gewalttaten der US-Armee erholen konnte, wurden wir vor den Bildschirmen mit einer weiteren grausamen Szene konfrontiert, in dem vermeintliche Al-Kaida Anhänger eine amerikanische Geisel auf grausamste Weise ermorden. Genauso wie wir die Gewalttaten der Amerikaner verurteilen, verurteilen wir auch diese Tat, die in ihrer Grausamkeit und Menscheverachtung unbeschreiblich ist. Auch der Krieg muss sich an bestimmte Regeln halten. Schon vor 1500 Jahren wurden diese Regeln von dem Propheten des Islams, Muhammed (asw), uns Menschen übermittelt. Unser Glaube verbietet den Muslimen, sogar die Toten und damit keinen Schmerz mehr fühlenden Körper des Gegners zu misshandeln, und erst recht die Misshandlung und Ermordung von Gefangenen.

Aus diesem Grund darf ein Muslim nicht unterdrücken, noch dem Unterdrückern zur Seite stehen. Außerdem kann er sich dem Unterdrücker nicht nahe fühlen und ihm in seiner ungerechten Sache Recht geben.

Liebe Brüder und Schwestern,

Dieser Krieg war von anfang an falsch und ist auch weiterhin falsch. Deswegen muss er auch sofort abgebrochen werden. Den Verlautbarungen nach wurde dieser Krieg zur Einsetzung von Menschenrechten, Demokratie und Frieden ausgerufen und das, ohne irgendwelche internationalen Vereinbarungen oder das Völkerrecht zu beachten. Doch an dem Punkt an dem wir nun angelangt sind, sehen wir, dass diejenigen, die mit dem Anspruch den Frieden nach Irak zu bringen in das Land einmarschiert sind, dem Terror und der Folter seitens des Sadddams-Regimes in nichts nachstehen. Im Irak, in Afganistan und in Guantanamo wird heute die Menschenwürde mit Füßen getreten.

Unser Aufruf richtet sich deswegen an alle rechtschaffenen und aufrichtigen Menschen. Dieser, die Menschheit und die Menschlichkeit bedrohende Krieg muss beendet werden. Deswegen muss mit allen juristischen Mitteln gegen die Unterdrückung der Besatzer vorgegangen und weitere Unterdrückungen verhindert werden. Außerdem muss die Öffentlichkeit einen größeren Druck zum Abbruch der Besatzung etablieren.

Ich will meine Hutba mit folgendem Hadis beenden.

Unser Prophet (saw) sagte: “Wenn jemand einem Unterdrücker hilft und der Unterdrücker durch diese Hilfe ein bestehendes Recht aufhebt, so hat sich der Helfer des Unterdrückers von dem Schutz und der Fürsprache Allahs und seines Propheten entfernt.
Wir beten für das Volk des Iraks und für alle unterdrückten Völker der Welt, auf dass sie bald von ihrer Unterdrückung befreit werden. Allah te’ala möge ihnen beistehen. Amin.

IGMG SEELSORGE – ÖFFENTLICHKEITSARBEIT