Freitagspredigt

Verwandtschafts-Beziehungen im Islam – Hutba

16. Juli 2004

Nach der Überlieferung von Abdurrahman Ibni Avf sagte der Prophet (saw): „Allah teala sagt: „Ich bin der Barmherzige und die Verwandtschaft habe ich erschaffen. Wer die Verwandtschaft gut behandelt, den behandele ich gut. Wer die Verbindung zu diesen abbricht, zu dem breche ich meine Verbindung ab.„ (Tirmidhi, Birr, 9, 1979)

Verehrte Muslime,
Der arabische Begriff für die Verwandtschaft (Rachm) und für die Fürsorge, die Beziehungen zu diesen (Sila-i Rachim) leitet sich direkt ab von der Barmherzigkeit Allahs (Rachmeh). So heißt es in einem Hadith: „Ich bin der Barmherzige (Rachman), der Verwandtschaft habe ich einen Namen von diesem (Namen) gegeben (rachm); wer die Beziehung zu dir (den Verwandten) auflöst, zu dem löse ich meine Beziehung auf, wer die Sila-i Rahim mit dir unterlässt, mit dem unterlasse ich sie auch.„ (Buchari, adab, 13; Achmad, 1/191, 194) Damit werden die Beziehungen zu den Verwandten in direkten Bezug zur Barmherzigkeit des Herrn gesetzt.

Die Fürsorge und die Liebe zwischen Verwandten ist eines der Grundsätze der Glaubensbrüderschaft, die die Liebe, die Barmherzigkeit und die Rücksichtnahme untereinander zum Ziel hat. Dieser Hadith zeigt auch den hohen Stellenwert den verwandtschaftliche Beziehungen im Islam haben. Denn er bringt die verwandtschaftlichen Beziehungen in direkte Verbindung zu einem der schönsten Namen Allahs, nämlich zu seiner Barmherzigkeit. Um diese Barmherzigkeit zu erlangen, soll der Muslim auch die Bande in seiner Verwandtschaft achten und diese beleben. Wer diese Bande achtet, der wird seine Belohnung auch von Allah teala erhalten, wer sie nicht achtet, wird auf die Barmherzigkeit Allahs nicht hoffen können.

Verehrte Gläubige,
Sila-i Rachim bedeutet, die Familie und die Verwandten zu besuchen, sich um ihre Probleme zu sorgen und sich dieser anzunehmen. Sila-i Rachim gilt für die gesamte Familie und die gesamte Verwandtschaft, unabhängig davon ob sie machrem sind oder nicht, ob es die direkten oder die weiter entfernten sind. Sich um die Verwandten zu sorgen, diese zu besuchen ist ein Gebot des Islam, die Beziehungen zu ihnen abzubrechen ist jedoch verboten. Sila-i Rachim bedeutet in dem Sinne auch, sich um die Verwandtschaft zu kümmern, diese nicht zu vergessen und sowohl mit Worten, als auch mit Taten diesen beizustehen. Das Mindeste ist jedoch, zumindest ihren Gruß anzunehmen und ihnen unseren Gruß zu senden.

Liebe Brüder und Schwestern,
Ich will euch zu dem Thema einige Überlieferung vom Propheten vor Augen führen.
Der gelobte Gesandte warnt in einem Hadith eindringlich davor, die Verwandtschaftsbeziehungen zu zerbrechen: „Wer die Verwandtschaftsbande zerbricht, der kommt nicht in das Paradies.“ (Buchari, Adab, 11)
Von den Wohltaten erhält man seine Belohnung am schnellsten für das Verrichten von Gutem und das Besuchen der Verwandten. Die Strafe trifft einen am schnellsten für das Unterdrücken anderer und für das Beenden der Beziehungen zu den Verwandten.“ (Munziri, Et-Tergib vet-Tergib, 3/343)
Weiter sagt der Prophet in einem Hadith: „Wer an Allah und an den Tag des Jüngsten Gerichts glaubt, soll seinen Gast bewirten; wer an Allah und den Tag des Jüngsten Gerichts glaubt, soll die Sila-i Rachim aufrecht erhalten.“ (Buchari, Adab, 35, 85)
Es sind diese Wohltaten, die das Herz des Gegenübers erobern. Wer Barmherzigkeit zeigt, der erhält auch Barmherzigkeit, wer Gutes tut, erntet auch Gutes. Wer seine Beziehung zu Allah teala aufrechterhalten will, der sollte seine Beziehungen zu seinen Verwandten nicht über Bord werfen.

Verehrte Muslime,
In Deutschland befinden wir uns nun in der Ferienzeit. Die Brüder und Schwestern, die in den nächsten Tagen in die alte Heimat gehen und damit ihrer Sila-i Rachim-Verpflichtung nachkommen werden, möchte ich noch einige Punkte in Erinnerung rufen.
– Seht eure Ferienreise als Sila-i Rachim an, auf dass jeder Schritt, den ihr tätigt, ein Gottesdienst werde.
– Seht während der Reise jede Vorsichtsmaßnahme als eine religiöse Aufgabe an.
– Flieht von jeder Art der Verschwendung und der Maßlosigkeit. Allah teala sagt, dass wir essen und trinken, aber niemals verschwenderisch und maßlos sein sollen. Denn die Maßlosen mag Allah nicht.
– Verabschiedet euch vor Reisebeginn von eurem Bekanntenkreis und eurer Gemeinde, bittet um ihre Gebete für euch und dass man euch kleinere Fehler gegen sie verzeihe.

Möge unser Herr jetzt schon unseren Sila-i Rachim-Dienst annehmen und uns den Weg für ein zufriedenes Leben öffnen.

Siehe, Allah gebietet, Gerechtigkeit zu üben, Gutes zu tun und die Nahestehenden zu beschenken. Und Er verbietet das Schändliche und Unrechte und Gewalttätige. Er ermahnt euch, euch dies zu Herzen zu nehmen.“ (An-Nahl 16, 90)

IGMG Seelsorge -Öffentlichkeitsarbeit