Pressemitteilung

Wir brauchen kultur- und religionssensible Hilfe für Frauen

23. November 2016 Hatice Şahin, Frauenorganisation
Hatice Şahin, Frauenorganisation

„Die aktuellen Zahlen zur häuslichen Gewalt sind erschreckend. Die Opfer benötigen Unterstützung sowie kultur- und religionssensible Betreuung. Die Politik steht in der Pflicht, gesetzliche Hürden abzubauen“, erklärt Hatice Şahin, Vorsitzende der Frauenorganisation der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ am 25. November und anlässlich der aktuellen Statistik des Bundeskriminalamts zur „Partnerschaftsgewalt“. Danach wurden im vergangenen Jahr 100.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt. Hatice Şahin weiter:

„Die beim Bundeskriminalamt offiziell registrierten Fälle von häuslicher Gewalt sind erschreckend. Die Dunkelziffer dürfte viel höher liegen und die allermeisten Betroffenen sind Frauen. Sie brauchen Unterstützung, eine helfende Hand und viele unter ihnen benötigen zudem eine kultur- und religionssensible Betreuung.

Einer Überlieferung zufolge sagte der Prophet Muhammad: ‚Der Beste unter euch ist derjenige, der gut zu seiner Frau ist.‘

Gerade in diesem Bereich gibt es noch viel Nachholbedarf und es fehlt an Angeboten für Frauen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Als Einwanderungsland müssen wir umdenken und können nicht einfach weitermachen wie bisher. Frauenhäuser müssen sich gedanklich, sprachlich und auch kulturell viel breiter aufstellen, um den Herausforderungen einer Einwanderungsgesellschaft gerecht zu werden.

Die Politik steht gleichermaßen in der Pflicht. Sie muss dieses Umdenken fördern und gesetzliche Hürden abbauen. Beispielsweise die im Aufenthaltsgesetz verankerte Ehebestandszeit von drei Jahren stellt für viele neu eingewanderte Frauen ein in der Praxis unüberwindbares Hindernis dar. Sie können häusliche Gewalt nicht anzeigen, weil ihr Aufenthaltstitel an den Bestand der Ehe gekoppelt ist. Insofern muss auch der Gesetzgeber umdenken: Opferschutz muss vor einwanderungs- und ausländerpolitischen Erwägungen stehen.“