Freitagspredigt

Hutba: Der Schutz von Gotteshäusern

21. Mai 2021 Rahla
Rahla

Verehrte Muslime!

Als besonderes Geschöpf Allahs wurde dem Menschen Vernunft und ein freier Wille gegeben. Dadurch ist er in der Lage, zwischen gut und schlecht, richtig und falsch, schön und abscheulich zu unterscheiden. Jeder Mensch wird frei und unschuldig geboren. Seine Freiheit einzuschränken, ihm seine Religionsfreiheit, sein Recht auf Leben oder Eigentum zu nehmen, ist nicht nur im Islam verboten, sondern hat auch keinen Platz in den anderen Religionen. Dies sind universelle Werte. Deshalb darf kein Mensch aufgrund seiner Religion, Sprache, Ethnie oder Hautfarbe benachteiligt werden.

Liebe Geschwister!

Gotteshäuser sind, gemäß den jeweiligen Religionen, heilige Orte, die einzig dazu da sind, dem Schöpfer zu dienen. Sie genießen einen besonderen Schutz. Im Koran heißt es dazu: „Und hätte Allah nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt, wären (viele) Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen Allahs Name häufig gedacht wird, bestimmt zerstört worden.[1]

Moscheen sind somit die Häuser Allahs und Gebetsstätten der Muslime. Wer diese Gotteshäuser und die darin betenden Menschen respektiert, der respektiert Allah.

Die Gläubigen von Moscheen und dem Gedenken Allahs abzuhalten ist ein großes Unrecht. So ist auch das bewaffnete Eindringen in die Aksa-Moschee, einer der heiligsten Moscheen des Islams, und der Angriff mit Gasbomben auf betende Menschen im Ramadan völlig inakzeptabel. Gewalt und Übergriffe auf betende Menschen sind ein großes Vergehen gegen die Unverletzbarkeit von Moscheen und die Muslime. Kein gewissenhafter Mensch kann dieses Vorgehen tolerieren. Denn wo sollen die Menschen Ruhe und Frieden finden, wenn nicht in den Gotteshäusern? Den besonderen Schutz von Gotteshäusern zu verletzen gefährdet den Frieden der Menschheit. Gotteshäuser dürfen niemals Schauplatz von Gewalt sein, unsere Religion verbietet das ausdrücklich.

Wir alle haben gesehen, wie gefährlich ein solches Vorgehen ist. In Folge der Angriffe hat sich die Gewaltspirale über die gesamte Region ausgebreitet. Hunderte Menschen haben ihr Leben verloren oder wurden verletzt. Wir rufen deshalb die Verantwortlichen dazu auf, alles zu tun, um die Region vom Teufelskreis der Gewalt zu befreien und einen nachhaltigen Frieden zu etablieren.

Verehrte Muslime!

Jeder hat natürlich das Recht, angesichts der Bilder dieser Angriffe, seine Kritik in angemessener Weise zu äußern. Aber auch hier gelten die Prinzipien von Gerechtigkeit und Barmherzig im Islam. Wir dürfen nicht etwas Unrechtes sagen oder tun, während wir ein anderes Unrecht kritisieren. Aus welchen Gründen auch immer, Angriffe auf Menschen aufgrund ihrer Religion oder jegliche Angriffe auf Gotteshäuser, Synagogen und Kirchen widersprechen dem Islam und der Menschlichkeit. Unsere Religion verbietet das ausdrücklich.

Liebe Geschwister!

In Zeiten, wie wir sie gerade erleben, müssen wir alle vernünftig handeln, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Wir können nicht Befürworter von Kriegen sein, dessen Opfer Kinder, Frauen und andere unschuldige Menschen sind. Die Städte und das Erbe antiker Zivilisationen dürfen nicht zerbombt und dem Erdboden gleichgemacht werden. Unsere Kinder verdienen eine freie und sichere Welt. Dafür müssen alle Menschen, unabhängig ihres Glaubens, zusammenarbeiten und ihre Stimme für Recht, Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit erheben.

Wir beenden unsere Hutba mit einem Duâ: O Allah, vergib uns unsere Sünden und Fehler. Lass uns so handeln, dass du zufrieden mit uns bist. Bewahre uns vor jeder Handlung, die dich nicht zufriedenstellt. O Allah, lass uns aus deiner Prüfung als erfolgreiche Diener hervorgehen, nicht als Verlierer. Du prüfst uns auf verschiedene Weise, durch Reichtum und Armut, Wohlergehen und Erschwernis, Sattheit und Hunger. Lass uns nicht zu jenen gehören, die im Wohlergehen zügellos und bei Armut ungehorsam werden. Gib uns die Kraft, jede Erschwernis zu überstehen und jede Prüfung zu ertragen.

O Allah, hilf unseren unterdrückten Geschwistern in der Aksâ-Moschee und in Scheich Dscharrah durch deine Barmherzigkeit und Zuwendung. Gib ihnen Kraft und Ausdauer. Erbarme dich der Verstorbenen. Sei barmherzig mit den unterdrückten Menschen in Ostturkestan, Jemen und allen anderen Orten, wo Menschen zu Unrecht vertrieben werden, von ihren Familien losgerissen sind oder auf der Flucht sterben.

Befreie uns von allen schlechten Eigenschaften. Ermögliche uns allen ein Leben im Islam und einen Tod mit Îmân. Âmîn.

[1] Sure Hadsch, 22:40

Hutba-Der Schutz von Gotteshäusern

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