Freitagspredigt

Die Zakat

19. Juni 2015

Verehrte Muslime!
Endlich hat der gesegnete Ramadan begonnen. In dieser Zeit fasten wir und gehen zum Tarâwîh-Gebet. Möge sie Allah annehmen. Heute möchten wir an eine weitere, wichtige Ibâda erinnern: die Zakat. Denn unser Prophet lehrte uns, dass der Islam neben der Zakat auf dem Salah, dem Fasten und der Hadsch basiert.

Liebe Geschwister!
Die Zakat zu entrichten heißt, den vierzigsten Teil des Vermögens, das nach der Deckung des Lebensunterhalts der im Haushalt lebenden Familienangehörigen noch übrig bleibt. Dies entspricht 2,5% des Vermögens, das aus Geld oder Wertgegenständen bestehen kann und die Nisâb-Grenze überschreitet. Die Zakat wird für die im Koran genannten Zwecke eingesetzt. Es ist nicht erlaubt, dass ein Muslim, dessen Vermögen die Obergrenze des Nisâb überschreitet, die Zakat nicht entrichtet oder dessen Zahlung aufschiebt.

Liebe Geschwister!
Die Zakat ist nicht freiwillig, ihre Erfüllung wird aber vielfach belohnt. In der Sure Bakara heißt es: „Und verrichtet das Gebet und zahlt die Zakat. Was ihr Gutes für eure Seelen voraussendet, das werdet ihr bei Allah finden. Siehe, Allah sieht, was ihr tut.“[1] Das Gebet und die Zakat sind also Gebote Allahs. Wer sie befolgt, zeigt, dass er Muslim ist. Der Lohn dafür liegt gewiss bei Allah.

Verehrte Muslime!
Im Vergleich zu anderen geht es uns Muslimen in Europa recht gut. Daher ist es unsere Pflicht, Dankbarkeit für diesen großen Segen zu zeigen. Es ist allerdings nicht ausreichend, diese Dankbarkeit nur mit Worten auszudrücken. Vielmehr zeigen wir sie erst dann in gebührender Weise, wenn wir die uns geschenkten Gaben mit denjenigen teilen, die sie mehr bedürfen als wir.

Liebe Geschwister!
Unsere Gemeinschaft verwendet die Zakat und auch die Fitra unter anderem für ihre Kampagnen. Wie aus dem Koran, der Sunna des Propheten und aus der Praxis der rechtgeleiteten Kalifen und vieler Gelehrter hervorgeht, wird die Höhe der Zakat zunächst festgestellt und dann eingesammelt. Mit der Zakat werden sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Bedürfnisse gedeckt.

Unsere Gemeinschaft möchte dem Islam dienen, ihn bekannt machen und ihn an die kommenden Generationen weitergeben, damit diese als Muslime ihren Platz in der Gesellschaft einnehmen können. Um die bestehenden Bedürfnisse zu decken, bietet sie viele wichtige Dienste an und bekommt dafür große Anerkennung. Diese Dienste kommen uns allen zugute. An ihrem Verdienst wird deshalb auch jeder Einzelne von uns seinen Anteil haben. Wir sollten also nicht meinen, der Ramadan habe ja gerade erst angefangen und es sei noch viel Zeit. Wir sollten uns so bald wie möglich die Zakat-Umschläge besorgen und dann unseren Zakat und Fitra frühzeitig entrichten.

Verehrte Muslime!
Allah warnt diejenigen, die keine Zakat entrichten oder bei der Entrichtung nachlässig sind: „…Aber wer da Gold und Silber hortet, statt es auf Allahs Weg auszugeben Ihnen verheiße schmerzliche Strafe!“[2] Und unser Prophet sagt: „Schützt euer Vermögen, indem ihr die Zakat entrichtet. Heilt eure Kranken und eure Krankheiten, indem ihr Almosen gebt. Stellt euch kommendem Unheil mit Gebeten entgegen.“[3] Lasst uns deshalb in diesem gesegneten Monat auch unsere Zakat-Ibâda angemessen ausführen und damit unsere Pflicht als Diener Allahs erfüllen. Möge Allah unsere Zakat und alle anderen Ibâdas annehmen!

[1] Sure Bakara, 2:110
[2] Sure Tawba, 9:34
[3] Abû Dâwûd, Abû Nuaym und Tabarânî berichten dies in verschiedenen Überlieferungen

pdf Hutba: Die Zakat

[supsystic-social-sharing id="1"]