Freitagspredigt

Hutba: Erziehung des Nafs

10. Dezember 2020 Rahla Koran
Rahla Koran

Verehrte Muslime!

Der Mensch umfasst Körper und Seele. Während der Körper auf die sichtbare Welt beschränkt ist, steht seine Seele mit der spirituellen Welt in Verbindung. In der heutigen modernen Zeit wird das Materielle betont. Man konzentriert sich mental und intellektuell eher auf den Körper. Gesundheit meint heute die Gesundheit des Körpers. Die Vervollkommnung der Seele jedoch, die den Menschen erst zum Menschen und damit zum höchsten aller Geschöpfe macht, wird vernachlässigt. Die Folgen sind psychische Krankheiten wie etwa Melancholie oder Depressionen.

Nur wer sein Herz reinigt, kann geistigen Frieden finden. Dies gelingt durch die Erziehung und Kontrolle des Nafs, also der Triebseele. In einem Hadith unseres Propheten heißt es: „Der wahre Mudschâhid ist derjenige, der gegen seinen Nafs kämpft, um Allah zu gehorchen.“[1]

Der Nafs ist Teil unserer Prüfung im Diesseits. Da wir ihn nicht auslöschen können, müssen wir ihn erziehen. Denn kein Mensch ist sicher vor seinen Gefahren. Im Koran wird das durch die Worte des Propheten Yûsuf (a) deutlich, der sagte: „Doch ich will mich nicht selber reinwaschen. Seht, der Nafs ruft zu Bösem auf, es sei denn, dass mein Erhalter sich seiner erbarmt. Mein Erhalter ist gecwiss verzeihend und barmherzig.“[2]

Liebe Geschwister!

Allah beschreibt die Aufgabe unseres Propheten wie folgt: „Er ist es, der zu den Analphabeten einen Gesandten aus ihrer Mitte entsandt hat, um ihnen seine Verse vorzutragen und sie zu läutern und sie das Buch und die Weisheit zu lehren, obwohl sie zuvor in offenkundigem Irrtum waren.“[3]
Unser Prophet wurde also nicht nur gesandt, um den Koran zu verkünden. Gleichzeitig erläuterte er den Koran und lehrte die Weisheit, die Allah ihm gab. Zudem kümmerte er sich auch um die spirituelle Entwicklung seiner Gefährten und vervollkommnete damit seine Aufgabe als Prophet. Er ﷺ sagte: „Klug ist derjenige, der mit seinem Nafs abrechnet und für (das Leben) nach dem Tod arbeitet. Unfähig hingegen ist jener, dessen Nafs seinen Gelüsten folgt, während er Allah um (alles Mögliche) bittet.“[4]

Verehrte Muslime!

Ein kluger Mensch verbringt sein kurzes Leben nicht damit, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Wir leben in einer vergänglichen Welt und werden mit ihr geprüft. Die Erziehung unseres Nafs wird uns im Diesseits und Jenseits nutzen. Doch die Beschäftigung mit ihm ist nicht einfach. Unser Prophet sagte: „Soll ich euch sagen, wer ein Mu‘min ist? Ein Mu‘min ist, vor dem das Eigentum und Leben der Menschen sicher sind. Und ein Muslim ist, vor dessen Worten und Handlungen die anderen Menschen sicher sind. Ein Mudschâhid ist jemand, der auf dem Wege des Gehorsams gegenüber Allah mit seinem Nafs kämpft. Was den Muhâdschir anbelangt, dieser ist jemand, der vor Fehlern und Sünden flieht.[5]

Liebe Geschwister!

Unsere wichtigste Prüfung im Diesseits ist, dass wir nicht unseren niederen Gelüsten und den Wünschen unseres Nafs folgen. Das aber ist nur dann möglich, wenn wir unseren Nafs erziehen. Möge Allah uns zu den aufrichtigen Gläubigen zählen und uns erleichtern, unseren Nafs zu erziehen. Âmîn

[1] Tirmizî, Dschihad, 2
[2] Sure Yûsuf, 12:53
[3] Sure Dschuma, 62:2
[4] Tirmizî, Kiyâma, 25, Hadith Nr. 2459
[5] Sahîh Ibn Hibbân, Hadith Nr. 4862

Hutba-Erziehung des Nafs

Hutba-Arabisch