Freitagspredigt

Fasten ist mehr als hungern

12. Juni 2015 Rahla Koran
Rahla Koran

Verehrte Muslime!
Am kommenden Donnerstag beginnt der Fastenmonat Ramadan. Möge Allah unser Fasten annehmen.

Liebe Geschwister!
In der Sure Bakara heißt es über das Fasten:
„O ihr, die ihr glaubt! Euch ist das Fasten vorgeschrieben, wie es den Menschen vor euch vorgeschrieben war; vielleicht werdet ihr gottesfürchtig. (Es geht um) abgezählte Tage; wenn einer unter euch aber krank oder auf Reisen ist, der faste die gleiche Anzahl von anderen Tagen. Und die, die es nur mit größter Schwierigkeit könnten, sollen zum Ausgleich einen Armen speisen. Und wer aus freien Stücken mehr als vorgeschrieben tut, tut es zu seinem Besten. Dass ihr fastet, ist euch zum Vorteil, wenn ihr es richtig begreift.“[1]

Verehrte Muslime!
Während des Fastens verzichten wir auf Essen, Trinken und eheliche Intimitäten. Aber ist ein solches Fasten tatsächlich ein wahres Fasten? Gewiss werden wir, wenn wir uns um der Zufriedenheit Allahs Willen dieser drei Dinge enthalten, die Pflicht des Fastens erfüllt haben. Aber die eigentliche Frage ist folgende: Wird es uns vor Ungehorsam gegenüber Allah schützen, wenn wir nur äußerlich fasten? Das eigentliche Fasten ist jenes, das in dem soeben zitierten Vers ebenso wie in dem folgendem gesegneten Hadith (Hadith al-kudsi) beschrieben wird: „Das Fasten ist ein Schutzschild. Der Fastende soll kein schlechtes Wort von sich geben. Er soll keine Dinge tun, die man dem Unwissen (Dschâhiliyya) zuordnen und als Ahnungslosigkeit bewerten muss. Zu demjenigen, der ihn bedrängen und mit ihm streiten will, soll er zweimal sagen ‚Ich faste’, und sich nicht auf ihn einlassen. Ich schwöre bei Allah, in dessen Händen mein Leben liegt, dass der Mundgeruch des Fastenden bei Allah wohlriechender ist als der Duft von Amber. Für mich verzichtet er auf sein Essen, sein Trinken und sein körperliches Verlangen. Das Fasten gilt nur mir. Den Lohn für das Fasten werde ich geben. Indessen werden alle anderen Ibâdas zehnfach entlohnt.“[2]

Liebe Geschwister!
Dieser Hadith zeigt, dass Hunger und Durst allein kein Fasten sind. Sie sind nur ein Symbol für die Befolgung der Befehle Allahs. Deswegen wird unser Fasten in der Vergangenheit wie auch in der Zukunft nur dann ein wahres Fasten sein, wenn es auf eine Art und Weise vollzogen wird, die uns vor dem Feuer der Hölle, vor allem Übel, der Unzucht und der Sünde des Ungehorsams beschützt.

Verehrte Muslime!
Der Fastende muss sich vor allem vor schlechtem Verhalten hüten. Andernfalls wird dieses Fasten kein Fasten sein, das von Allah angenommen wird. Der Prophet sagte dazu: „Dem Hungern und Dürsten desjenigen, der vom Lügen nicht ablässt, und auf lügnerisches Handeln nicht verzichtet, bedarf Allah nicht.“[3] Deshalb verheißen das Fasten und der Monat Ramadan Segen, Barmherzigkeit und Erlösung. Fasten bedeutet also, auf eine Weise zu leben, mit der Allah zufrieden ist. Erst dann wird aus unserem Hunger und unserem Durst ein echtes Fasten. Allah möge unser Fasten annehmen!

[1] Sure Bakara, 2:183-184
[2] Buhârî, Sawm, 30/2, 9
[3] Muslim, Siyâm, 13/81

pdf Hutba: Fasten ist mehr als hungern