Freitagspredigt

Hutba: Neues Jahr, neue Ziele

31. Dezember 2020 Minbar
Minbar

Verehrte Muslime!

Um sie besser einteilen zu können, haben die Mensch die Zeit in Tage, Wochen, Monate und Jahre unterteilt. Im Laufe der Zeit sind viele Kalender entstanden.

Heute beginnt das Jahr 2021 nach Milâdî-Zeitrechnung, also gemäß dem heutzutage weit verbreiteten gregorianischen Kalender. Im Grunde gibt es keinen Unterschied zwischen dem ersten und dem letzten Tag eines Jahres. Die Sonne geht an der gleichen Stelle auf und unter. Der Tag beginnt und endet wie üblich. Trotzdem können wir solche Tage als Möglichkeit begreifen, uns neue Ziele zu setzen. So kann das neue Jahr ein Neubeginn für uns sein.

Liebe Geschwister!

In der Sure Inschirâh heißt es: „Und wenn du (mit etwas) fertig bist, dann bemühe dich weiter.“[1] Das heißt ein Muslim darf keinesfalls ein Mensch sein, der passiv, ziellos oder sogar faul ist. Unser Hauptziel ist es, ein guter Diener Allahs zu sein und unser Leben dementsprechend zu gestalten. Gleichzeitig möchten wir als Teil der Umma allen Menschen nützlich sein. Unser Prophet ﷺ sagte: „Jeder und alles Erschaffene ist auf Allah angewiesen. Unter diesen liebt Allah diejenigen am meisten, die den anderen am nützlichsten sind.“[2]

Muslime bemühen sich, Allahs Zufriedenheit zu gewinnen, vorbildliche Menschen zu sein, die fleißig sind und darauf achten, dass alles in ihrem Leben halal ist. Daher ist es wichtig, sich Ziele zu setzen. Das geht am besten, indem man sich bewusst macht, was in der Vergangenheit geschehen ist. Unser Prophet sagte: „Klug ist, wer seinen Nafs kontrolliert und für das Leben nach dem Tod arbeitet.“[3]
Seinen Nafs kontrollieren kann man am besten, indem man ihn zur Rechenschaft zieht. Daher sollten wir auf das vergangene Jahr zurückblicken und uns die Frage stellen, ob wir in den letzten 365 Tagen zu einem besseren Muslim und einem nützlicheren Menschen werden konnten. Wir sollten uns fragen, was wir in einem Jahr erzielen wollten und was davon wir geschafft haben.

Ohne Selbstdisziplin und Kontrolle können weder Menschen noch Institutionen richtig handeln. Den eigenen Nafs zur Rechenschaft zu ziehen ist ein solcher Kontrollmechanismus. Wenn das nicht geschieht, kommen wir vom rechten Weg ab. Selbstkritik ist notwendig, um die eigene Dienerschaft zu vervollkommnen.

Verehrte Muslime!

Am Ende eines Jahres erkennen wir wie schnell die Zeit vergeht. Deshalb sollten wir die göttliche Gabe der Zeit gut nutzen und uns auch in der Freizeit mit nützlichen Dingen beschäftigen. Gerade in der heutigen Zeit herrscht ein schrecklicher Zeitverlust durch die übermäßige Nutzung sozialer Medien. Wenn wir mal auflisten würden, womit wir die letzten 24 Stunden verbracht haben, könnten wir diese bittere Wahrheit vielleicht besser begreifen. Jede verschwendete Minute ist ein Verlust, der nicht wiedergutgemacht werden kann. Wenn wir an die Âhira, also an das Jenseits glauben, sollten wir uns nicht jetzt schon darauf vorbereiten?

Lasst uns die Hutba mit den Worten unseres Propheten beenden: „Kein Diener kann am Jüngsten Tag seine zwei Füße bewegen, ehe er nach folgenden fünf Dingen befragt wird: wo er sein Leben verbracht hat, wie er seine Jugend verbracht hat, womit er sein Geld verdient und wo er es ausgegeben hat und ob er sein Wissen in Taten umgesetzt hat.“[4]

[1] Sure Inschirâh, 94:7
[2] Tabarânî, Al-Mudscham al-Kabîr, 10/86, Hadith Nr. 10033
[3] Tirmizî, Sifât al-Kiyâma, 25
[4] Tirmizî, Sifât al-Kiyâma, 1

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