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Hutba: Soziale Medien – Gabe und Prüfung

11. September 2019 Rahla
Rahla

Verehrte Muslime!
Allah erschuf den Menschen als soziales Wesen. Das Wort „Insân“, also Mensch, wird von der Wurzel ءَ نَ سَ abgeleitet und bedeutet „Vertrautheit“, „Versöhnung“ und „Geselligkeit“. Als soziales Wesen ist der Mensch gleichzeitig Teil einer Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft ist einerseits lebensnotwendig und andererseits eine Prüfung.

Liebe Geschwister!

Moderne Kommunikationsmittel sind in vielerlei Hinsicht ein Segen: Sie bringen uns einander näher und machen vieles möglich, was früher unmöglich war. Jeder, der ein Smartphone besitzt, hat Zugang zu allen möglichen Informationen weltweit. Die Interaktion zwischen Menschen spielt sich immer mehr im virtuellen Raum ab. Dank der „sozialen Medien“ können wir jederzeit mit unseren Mitmenschen kommunizieren. Das gibt uns z. B. die Möglichkeit, mit unseren Verwandten und Freunden in Kontakt zu bleiben. Auch können wir, dank grenzenloser Transfermöglichkeiten, den Armen und Bedürftigen weltweit, quasi mit einem Mausklick, unsere Spenden zukommen lassen.

Doch soziale Medien bergen auch eine Gefahr. Es kann schnell passieren, dass mit einem Klick das Recht eines anderen verletzt wird. Die naive Nutzung der sozialen Medien kann zu sündhaften Taten führen. Im Koran heißt es: „An diesem Tage werdet ihr dann gefragt werden, was ihr aus den Gaben des Lebens gemacht habt.“[1]

Verehrte Muslime!

Es gibt einige Dinge, die wir beachten müssen, um die sozialen Medien sinnvoll und richtig zu nutzen. Wir sollten z. B. die Quellen unserer Posts genau kennen und sie ggf. recherchieren. Wenn wir ein Bild oder eine Fotomontage teilen, sollten wir dabei beachten, nicht das Recht eines anderen Menschen zu verletzen. Genauso sollten wir darauf achten, andere Menschen nicht in die Irre zu führen, indem wir beispielsweise einen Text als Hadith teilen, der eigentlich gar kein Hadith ist.

Auch in den sozialen Medien gilt es, die Blicke von Verbotenem und Schändlichem abzuwenden. Ein Muslim ist jemand, der sich Allah immer und überall bewusst ist, auch wenn gerade niemand um ihn herum ist.[2]
Das heißt: Moralische Regeln, die wir in unserem alltäglichen Leben beachten, müssen auch in der virtuellen Welt eingehalten werden. So darf der Austausch mit Männern bzw. Frauen nur in erlaubtem Maße erfolgen. Schließlich kennt Allah unsere Absichten besser als wir sie kennen. Er weiß über jede unserer Taten Bescheid.

Wir sollten darauf achten, wen und was wir auf den sozialen Netzwerken verfolgen. Auch wenn wir beabsichtigen, religiöses Wissen zu erlernen, sollten wir niemandem blind folgen. Denn unser Prophet sagte: „Man wird (im Jenseits) mit denjenigen zusammen sein, die man liebt.“[3] Alles, was unserem diesseitigen und jenseitigen Leben schaden könnte und keinen Nutzen hat, sollten wir vermeiden. Wenn wir nutzlosen Dingen begegnen, sollten wie sie ignorieren, anstatt uns damit zu beschäftigen.[4]

Liebe Geschwister!

Auch auf den sozialen Medien gilt es, Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verbieten. Wichtig ist außerdem, unsere wertvolle Zeit nicht in den sozialen Medien zu verschwenden. Jede Beschäftigung, die uns von unseren Gebeten ablenkt oder sogar davon abhält, bringt uns nichts Gutes.

Ferner sollten wir unsere Ibâdas nicht auf sozialen Medien teilen. Das schadet nur unserem Ihlâs, der aber enorm wichtig ist. Denn ohne Ihlâs wird Allah unsere Taten nicht annehmen. Es ist auf keinen Fall in Ordnung, Privates oder gar Intimes öffentlich zu teilen. Denn z. B. das Teilen von Fotos mit unseren Kindern oder unserem Ehepartner kann negative Folgen haben.

Verehrte Muslime!

Soziale Medien sollten uns einander näher bringen, sie dürfen nicht zwischen uns stehen. Das bedeutet z. B.: Anstatt uns an den Festtagen Nachrichten zu schicken, sollten wir uns lieber gegenseitig besuchen. Und anstatt uns am Esstisch mit dem Handy zu beschäftigen, sollten wir uns lieber mit den anderen unterhalten.

Unsere Prüfung durch die sozialen Medien wird immer schwieriger. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Technologie uns beherrscht und lenkt, sondern sollten selbst die Kontrolliere über sie haben. Allah möge uns dabei helfen, in der virtuellen und auch in der realen Welt Gutes zu tun und seine Zufriedenheit zu erlangen.

[1] Tekâsur suresi, 102:8
[2] Kâf suresi, 50: 17
[3] Buhârî, Edeb, 96; Müslim, Birr, 165
[4] Furkân suresi, 25:72

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