Freitagspredigt

Hutba: Aufstieg in den Himmel

04. März 2021 Koran Seite Tasbih Holz
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Verehrte Muslime!

In der Nacht vom kommenden Mittwoch auf den Donnerstag werden wir die Mirâdsch-Nacht begehen. Mirâdsch und Isrâ sind ein Geschenk Allahs an unseren Propheten Muhammad ﷺ. In der Sure Isrâ heißt es: „Gepriesen sei der, der seinen Diener des Nachts von der heiligen Moschee zur fernsten Moschee führte, deren Umgebung wir gesegnet haben, um ihm einige von unseren Zeichen zu zeigen. Gewiss, er ist der Hörende, der Schauende.“[1]

In dieser gesegneten Nacht reiste unser Prophet ﷺ auf seinem Reittier Burak von Mekka aus zur Aksâ-Moschee. Dort leitete er alle vorangegangenen Propheten im Gebet[2], weshalb er den Beinamen „Imâm al-Anbiyâ“, Imam der Propheten, erhielt. Anschließend wurden ihm zwei Trinkgefäße angeboten, eines mit Wein und eines mit Milch. Als unser Prophet ﷺ zur Milch griff und davon trank, sagte Dschibrîl (a): „Alles Lob gebührt dem, der dich gemäß der Fitra (der natürlichen Veranlagung) geleitet hat. Hättest du den Wein gewählt, wäre deine Umma gewiss vom rechten Weg abgekommen.[3]

Danach stieg unser Prophet ﷺ mit Dschibrîl (a) zu den Himmeln empor, wo er frühere Propheten traf. Zuletzt trat unser Prophet ﷺ vor Allah, wo ihm drei Dinge verkündet wurden: die fünf täglichen Gebete, die letzten Verse der Sure Bakara sowie die Vergebung der Sünden derjenigen, die Allah nichts beigesellen.[4] Nach der Himmelsreise, die der Prophet mit Körper und Seele erlebt hatte, kehrte er in derselben Nacht wieder nach Mekka zurück.

Liebe Geschwister!

Anders als die mekkanischen Götzenanbeter hielt Abû Bakr (r) dem Propheten die Treue und glaubte ihm jedes Wort über dessen nächtliche Reise.
Er erhielt deshalb den Beinnamen „Siddîk“, der Wahrhaftige, Aufrichtige. Denn als er von der Reise erfuhr, sagte er: „Bei Allah, wenn der Prophet das gesagt hat, dann hat er die Wahrheit gesprochen. Ich bezeuge noch mehr als das. Er berichtet mir davon, dass er Tag und Nacht Offenbarungen vom Himmel erhält und ich glaube ihm.“[5]

Verehrte Muslime!

In dem Koranvers zu Beginn unserer Hutba beschreibt Allah die Umgebung der Aksâ-Moschee als gesegnet. Das zeigt die Wichtigkeit und Heiligkeit dieses Ortes. Denn die Aksâ-Moschee war die erste Kibla der Muslime und gehört zu den drei heiligsten Stätten im Islam.

Jeder Muslim, der den Hintergrund und die Bedeutung der Nacht- und Himmelsreise kennt, sollte seine Verantwortung gegenüber dieser gesegneten Stätte wahrnehmen und die Aksâ-Moschee besuchen.

Liebe Geschwister!

Die Isrâ und Mirâdsch tragen viele Weisheiten in sich.  Je nach individuellem Wissensstand sind wir uns dieser bewusst. Was aber jedem von uns bekannt ist, sind die fünf täglichen Gebete, die den Muslimen in dieser Nacht geschenkt wurden.

Durch das Gebet erhält jeder Muslim fünfmal täglich die Möglichkeit, seine persönliche Himmelsreise zu erleben. Dafür danken wir Allah.

Ich möchte die Hutba mit einem Hadith beenden, in dem die Bedeutung des Gebets, das unser Prophet ﷺ als „das Licht seines Auges“ bezeichnete, deutlich wird: „Die Ringe des Islams werden sich nach und nach lösen. Wenn sich ein Ring löst, werden sich die Menschen an den nächsten klammern. Der erste Ring, der sich lösen wird, steht für die Normen der Scharia, der letzte für das Gebet.“[6]

Mögen wir zu den Aufrichtigen gehören, die wie Abû Bakr (r) einen standhaften Îmân besitzen und ihre Gebete wahrhaftig verrichten können.

[1] Sure Isrâ, 17:1
[2] Vgl. Ibn Hischâm, As-Sîra an-Nabawiyya, 1990, 2/48
[3] Vgl. Buhârî, Aschriba, 1, Hadith Nr. 5576
[4] Vgl. Muslim, Îmân, 76, Hadith Nr. 173
[5] Ibn Hischâm, As-Sîra an-Nabawiyya, 1990, 2/49-50
[6] Müsned-i Ahmed, H. No: 22160; İbn-i Hibban, H. No: 6715

Hutba-Aufstieg in den Himmel