Freitagspredigt

Hutba – Urlaub als Gottesdienst

22. Juni 2012

Verehrte Muslime,

Urlaub zu machen ist ein natürliches Bedürfnis von uns Menschen. Doch im Koran steht auch: „Und wenn du (mit etwas) fertig bist, dann bemühe dich weiter. Und widme dich ganz deinem Herrn.“ (Sure Scharh, [94:7-8]) Sobald wir also über freie Zeit verfügen, sollen wir uns anderen Dingen zuwenden, die uns Allah näher bringen.

Für Muslime ist das ganze Leben ohnehin ein Gottesdienst (Ibâda). Bestimmte Gottesdienste verrichtet man aber nur zu bestimmten Zeiten, so zum Beispiel das Gebet, die Zakât, die Hadsch oder das Fasten. Das sind regelgebundene Gottesdienste. Dann gibt es noch Gottesdienste, die nicht regelgebunden sind. So etwa Geduld (Sabr), Dankbarkeit (Schukr), Genügsamkeit, Gottvertrauen (Tawakkul), Gottgedenken (Zikr) oder das Streben, sich an Allahs Gebote und Verbote zu halten.

Verehrte Geschwister,

damit die regelgebundenen Gottesdienste von Allah angenommen werden, müssen die nicht regelgebundenen Gottesdienste regelmäßig sein. Auf diese Weise können wir unser gesamtes Leben in einen Gottesdienst verwandeln. Damit aber einfache Handlungen zu Gottesdiensten werden, muss die Absicht (Niyya) stimmen. Das heißt, wir können auch die Zeit, die wir uns als Urlaub einplanen, zu einem Gottesdienst werden lassen. Besuchen wir während unseres Urlaubs beispielsweise unsere Veranwandten, dann pflegen wir die Verwandtschaftsbande, die uns der Islam so ans Herz legt.

Auch unseren Freuden eine Freude zu bereiten, kann zum Gottesdienst werden. Im Koran heißt es: „Sprich: ‚Dank der Gnade Allahs und seiner Barmherzigkeit! Darüber sollen sie sich freuen. Das ist besser als alles, was sie zusammenraffen.'“ (Sûre Yûnus, [10:58]) Dieser Vers rät, dankbar zu sein – für unseren Verstand, unsere Religion, unsere Gesundheit und Jugend, unseren Wohlstand, unsere Kinder und Freunde. Jede Gabe (Nima) bringt Segen mit sich, wenn sie entsprechend ihres Zweckes genutzt wird. Das heißt, dass wir uns darüber freuen müssen, all diese Gaben nutzen zu dürfen. Wir müssen uns freuen, einem Waisen Zuneigung entgegebringen zu dürfen, dem Bedürftigen helfen zu dürfen oder dem Ratlosen zuhören zu dürfen. Die Freude, anderen eine Freude zu machen müssen wir zunächst in unserer Familie erleben, indem wir unserem Ehepartner, unseren Kindern und Verwandten eine Freude machen. In diesem Sinne sollten wir uns auch freuen, durch unseren Urlaub gleichzeitige auch unsere Verwandten besuchen zu können.

Verehrte Muslime,

unser Prophet und alle, die seinem Beispiel folgen, sind unsere Vorbilder. Das Leben unseres Propheten zeigt uns, wie ein Mensch sein gesamtes Leben entsprechend dem Willen Gottes leben kann, wie er also sein Leben als einen Gottesdienst führen kann. Möge uns Allah zu diesen Menschen zählen.

IGMG-Irschadabteilung