Pressemitteilung

IGMG kritisiert Darstellung der jüngsten Integrationsstudie: „Integrationsmängel haben nichts mit ethnischem oder kulturellem Hintergrund zu tun!“ – „Herausforderungen müssen in gemeinsamen Anstrengungen bewältigt werden!“

27. Januar 2009

Üçüncü's Kritik bezog sich insbesondere auf die Darstellung der Ergebnisse der Studie. So seien beispielsweise Äußerungen, die einen Bezug von Religiosität und Desintegration implizieren, wissenschaftlich nicht belegt und daher auch nicht seriös.

Weiterhin sei es zwar bekannt, dass sich beispielsweise in puncto Bildung wesentliche Defizite bei vielen türkischstämmigen Migranten feststellen lassen. Dies sei aber keineswegs ein Problem ihrer Herkunft: „Die Darstellung der Studienergebnisse vermittelt den Eindruck, als sei der Misserfolg von bestimmten Bevölkerungsgruppen eine Folge ihrer Ethnie oder ihres Glaubens. Vielmehr sind vor allem sozial- und bildungspolitische Fehlentwicklungen bedingt durch die gesellschaftspolitische Ignoranz der Verantwortlichen in den vergangenen Jahrzehnten verantwortlich für die aktuelle Lage. Die belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien, “ so Üçüncü.

„Auch die vorgelegte Studie bestätigt mit der offensichtlichen Diskrepanz zwischen den Ergebnissen der einzelnen Bundesländer diese Befunde“. Dass beispielweise der Bildungsgrad der in Berlin lebenden Türken höher ist als derjenigen im Saarland oder dass Berlin sowohl den höchsten Anteil der Türken ohne Bildungsabschluss als auch den mit dem höchsten Anteil an Akademikern aufweise, zeige die Komplexität der Thematik. Zudem dürfte das Ergebnis aus dem Saarland auch deshalb verblüffen, da im Angesicht der geringen ethnischen Konzentration und der verhältnismäßig geringen Zahl an religiösen Vereinen die dargelegten Mängel bei der Integration eben nicht ethnische oder religiöse Zugehörigkeit zurückzuführen sind.

Desweiteren würden Aspekte zwischen verschiedenen Migrantengruppen gegenübergestellt, die man so keinesfalls miteinander vergleichen könne. „Dies führt dazu, dass die Studie zahlreiche Verzerrungsfaktoren beinhaltet und somit zu falschen Analysen vereitelt. Insgesamt muss bei Studien dieser Art dringend darauf geachtet werden, dass nicht nur bei der Datensammlung, sondern auch bei der Datenauswertung wissenschaftliche Maßstäbe angelegt werden und eine Kulturalisierung der Problematik ausgeschlossen wird. Das letztere ist gefährlich, da dadurch Vorurteile innerhalb der Gesellschaft verfestigt werden können. Gerade deshalb müssten sich Medien kritisch mit solchen Studien auseinandersetzen und zudem für eine ausgewogene, verantwortungsvolle Berichterstattung sorgen: „Die Art und Weise der meisten Berichte über die Studie zeigt, dass lediglich gängige Klischees bedient werden. Die Türken pauschal als die am schlechtesten Integrierten Migranten in Deutschland zu bezeichnen, entspricht weder den tatsächlichen Gegebenheiten, noch dem Selbstverständnis dieser Menschen,“ so Üçüncü.

„Nichtsdestotrotz zeigen die vorliegenden Ergebnisse aber auch, dass man sich auch in der türkischen Community noch wesentlich intensiver um gesellschaftliche Partizipation bemühen müsse. Insbesondere müssen sich Eltern wesentlich stärker mit der Bildung ihrer Kinder befassen und die bestehenden Angebote des Bildungssystems konsequent nutzen, damit ihre Kinder mit möglichst guten Bildungsabschlüssen ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft einnehmen und damit sowohl sich, als auch dem Gemeinwohl dienen können“, so Üçüncü. Auf der anderen Seite fehle es an wesentlichen Maßnahmen zur rechtlichen Gleichstellung der Migranten und ihrer institutionellen Strukturen. Zudem seien die Anerkennung von gesellschaftlicher Pluralität und der Respekt vor Differenz mehr denn je mit großen Vorbehalten verbunden.

„All diese Herausforderungen müssen wir in gemeinsamen Anstrengungen bewältigen und dürfen dabei die Augen vor den vielen Erfolgen und insbesondere wesentlich größeren Bemühungen in den letzten Jahren nicht verschließen“, so Üçüncü abschließend.

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