Pressemitteilung

Nichts gelernt aus dem Tod von Marwa El-Sherbini

30. Juni 2016 Bekir Altaş, Generalsekretär
Bekir Altaş, Generalsekretär

„Die zunehmende islamfeindliche Stimmung bedroht längst nicht mehr Muslime und ihre Einrichtungen allein, sondern auch die freiheitlich demokratische Grundordnung“, erklärt Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), anlässlich des Jahrestages der Ermordung von Marwa El-Sherbini am 1. Juli 2009 im Dresdener Landgericht, der seit 2014 als Tag gegen antimuslimischen Rassismus begangen wird. Der Täter hatte die zum Tatzeitpunkt schwangere El-Sherbini vor den Augen ihres Kindes und Ehemannes mit 18 Messerstichen getötet. Altaş weiter:

„Sieben Jahre sind seit der Ermordung von Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden vergangen und bis heute ist es uns nicht gelungen, den Trend der zunehmenden Islamfeindlichkeit umzukehren. Die neueste Mitte-Studie belegt: Islamfeindlichkeit ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Pegida ist hierbei nur die sichtbare Spitze des Eisbergs.

Diese Bedrohung richtet sich aber längst nicht mehr gegen die Muslime allein, sondern auch gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung. Die jüngste Bundespräsidentenwahl in Österreich oder auch die Brexit-Volksabstimmung in Großbritannien zeigen eindrucksvoll, dass rechtspopulistische Nationalisten längst keine Randerscheinung mehr sind, sondern sehr schnell die Mehrheit bilden können. Ein solcher Trend lässt sich auch Deutschland beobachten, wie man am Erstarken der AfD beobachten kann. Dem muss dringend entgegengewirkt werden.

Die Politik ist zudem aufgefordert, dafür zu sorgen, dass Übergriffe auf Musliminnen und Muslime nicht mehr bagatellisiert und verharmlost werden. Im laufenden Jahr wurden offiziellen Zahlen zufolge bereits 24 Angriffe auf Moscheen registriert – nur in fünf Fällen seien Tatverdächtige ermittelt worden, bei null Festnahmen. Das ist vermutlich das denkbar schlechteste Signal, das man aussenden kann. Hinzu kommt: Die Dunkelziffer der islamfeindlichen Straftaten dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Eine systematische Erfassung solcher Delikte findet bis heute nicht statt und soll erst 2017 beginnen – immerhin.“

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