Freitagspredigt
Die Sinnsuche junger Menschen
22. April 2026
Verehrte Muslime!
Das Leben ist eine Reise, und wir Menschen sind Reisende, die seit dem ersten Menschen Adam (a) das Ziel haben, ein Leben in Würde zu führen. Im Koran wird diese Würde als „Ahsan-i takvîm“ bezeichnet, d.h. die edelste Gestalt. Als Menschen haben wir drei Geschenke von Allah bekommen, die uns von allen anderen Geschöpfen unterscheiden: den Verstand, die Sprache und den freien Willen. Und unsere Beziehung zu Allah ist nicht bloß eine zwischen Schöpfer und Geschöpf, sondern ein Bund, der auf Vertrauen basiert.
Als Menschen wollen wir unserem Leben einen Sinn geben. In der Jugendzeit ist dieser Wille am stärksten. Viele junge Menschen stellen sich auch heute die uralten Fragen der Menschheit: Wer bin ich? Warum bin ich hier? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Diese Fragen gehören zum Menschsein und sind Ausdruck einer Suche, die uns als Menschen auszeichnet. Als Muslime haben wir überzeugende Antworten auf diese Fragen.
Liebe Geschwister!
In unserer Zeit wird der Jugend vieles versprochen. Doch was oft fehlt, ist eine Lebensperspektive und ein Lebenssinn. Das moderne Leben besteht oft aus Genuss, Schnelligkeit und Erfolg. Es gibt nicht wenige Menschen, die Erfolg zu hab scheinen, innerlich aber nicht erfüllt sind. Das ist kein persönliches Versagen. Es ist die Folge eines tiefen Sinnverlustes, den unsere Zeit selbst hervorgebracht hat.
Die Lebenszeit wurde uns nicht gegeben, damit wir sie verschwenden – sie ist ein Geschenk. Im Koran heißt es: „Glaubt ihr etwa, wir hätten euch nur für Spiel und Spaß erschaffen?“[1]
Unsere Religion besteht nicht aus Parolen und Slogans. Sie gibt uns etwas viel Wertvolleres, nämlich festen Boden unter unseren Füßen. Der Islam sagt dem Menschen: Du bist kein Zufall. Du bist keine Last. Du bist nicht wertlos. Du wurdest mit Bewusstsein erschaffen und mit Verantwortung ausgestattet – und du wurdest nicht vergessen und dir selbst überlassen, sondern wirst von Allah angesprochen.
Unser Prophet (s) hat gesagt: „Am Tag des Gerichts wird der Mensch gefragt werden, wie er sein Leben gelebt hat und womit er sich in seiner Jugend beschäftigt hat.“[2] Diese Worte sollen uns bewusst machen, dass das Leben ein Geschenk ist und vor allem die Jugendzeit sehr wichtig ist.
Verehrte Muslime!
Jugendliche wollen gehört und ernst genommen werden. Statt zu fragen „Warum seid ihr so?“ sollten wir Verständnis und Mut haben und sagen: „Wir verstehen euch.“ Unsere Häuser, unsere Moscheen und unsere Gemeinden dürfen für junge Menschen keine Orte sein, an denen sie verurteilt werden, sondern Orte des Vertrauens. Denn Zugehörigkeit setzt Vertrauen voraus.
Lasst uns unserer Jugend einen Weg zeigen, den man wirklich gehen kann – mit Geduld, mit Barmherzigkeit und Weisheit. Möge Allah unsere Jugendlichen auf ihrer Suche führen und ihren Herzen Iman, Hoffnung und Beständigkeit schenken. Âmîn
[1] Sure Mu‘minûn, 23:115
[2] Tirmizî, Sifatu’l-Kiyâme, 1






