Freitagspredigt

Duâ und die Bedürftigkeit des Menschen

07. Mai 2026 Minbar
Minbar

Verehrte Muslime!

Allah ist unser Schöpfer, der uns aus dem Nichts erschaffen hat. Er ist unser Beschützer und kennt unsere Bedürfnisse am besten. Der Mensch ist das edelste aller Geschöpfe. Gleichzeitig ist er seiner Natur nach bedürftig und begrenzt. Das spüren wir, wenn wir erkranken oder Schicksalsschläge erleiden. Und gerade dieses Bewusstsein öffnet uns die Tür, damit wir uns Allah zuwenden. In diesem Zusammenhang heißt es im Koran: „Es ist euch unmöglich, euch auf Erden (Allah) zu entziehen. Und außer Allah, habt ihr weder Beschützer noch Helfer.[1]

 

Die stärkste Form, sich dem Schöpfer zuzuwenden, ist das Duâ. Duâ heißt nicht nur, eine Bitte auszusprechen. Es heißt zugleich, sich bewusst zu werden, wer man ist und vor wem man steht. Wer bittet, erkennt seine eigene Bedürftigkeit an und bezeugt die grenzenlose Macht seines Schöpfers. So ist das Duâ eine Anbetung, die die Seele reinigt und das Herz zur Ruhe bringt. Unser Prophet (s) hat es auf den Punkt gebracht: „Duâ ist der Kern der Anbetung.[2]

 

Der Mensch empfindet Sorge und Angst, wenn er an die Grenzen seiner Kraft stößt. Doch durch Duâ findet sein Herz Ruhe. Wer betet, der weiß: „Ich tue, was in meiner Kraft steht, doch das Ergebnis liegt bei Allah.“ Dieses Bewusstsein macht uns verantwortungsvoll und bewahrt uns zugleich vor Hochmut. Denn wer bittet, erkennt an, dass die letzte Macht nicht bei ihm liegt, ganz gleich, wie sehr er sich bemüht.

 

Liebe Geschwister!

Die Schwäche des Geschöpfes ist kein Mangel, sondern eine Wahrheit. Wer diese Wahrheit annimmt, kommt Allah näher. Die aufrichtigsten Duâs sprechen wir Menschen, je mehr wir erkennen, wie bedürftig wir sind. Doch vergessen wir nicht: Das Duâ gehört nicht nur in schwere Zeiten, sondern in jeden Augenblick unseres Lebens. Wenn uns eine Gabe zuteilwird, bitten wir mit Dankbarkeit. Wenn uns Bedrängnis trifft, bitten wir mit Geduld.

 

Im Koran heißt es: „Ruft euren Herrn in Demut und im Verborgenen an. Siehe, er liebt die Maßlosen nicht.[3] Und seien wir nicht ungeduldig. Sagen wir nicht: „Ich habe gebetet, doch es wurde nicht erhört.“ Allah sagt im Koran: „Und wenn dich meine Diener nach mir fragen, siehe, ich bin nahe. Ich will dem Ruf des Rufenden antworten, sobald er mich ruft.[4] Allah beantwortet unsere Duâs. Entweder so, wie wir es uns wünschen, oder mit dem, was besser für uns ist.

 

Lasst uns die Hutba mit einem Duâ beenden, das der Gesandte Allahs (s) häufig sprach: „Unser Herr, gib uns Gutes im Diesseits und Gutes im Jenseits, und bewahre uns vor der Strafe des Höllenfeuers![5] Âmîn.

[1] Sure Schûrâ, 42:31

[2] Tirmizî, Daawât, 1

[3] Sure Âraf, 7:55

[4] Sure Bakara, 2:186

[5] Buhârî, Tafsîr 38, Daawât, 55; Muslim, Zikr, 23, 26, 27

 

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