Freitagspredigt

Hutba: Kommunikation in der Ehe

30. Juli 2021 Minbar
Minbar

Verehrte Muslime!

Nachdem Allah Adam (a) erschaffen hatte, hat er aus Barmherzigkeit auch Hawwâ (r) erschaffen. Im Koran heißt es: Zu seinen Zeichen gehört auch, dass er euch Gattinnen aus euch selbst schuf, damit ihr bei ihnen ruht. Und er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt. Darin sind fürwahr Zeichen für nachdenkliche Leute.“[1]

Liebe Geschwister!

Dieser Vers sagt uns, dass wir durch die Ehe zu Ruhe, Frieden und Barmherzigkeit gelangen. Diesen Idealzustand zu erreichen, ist aber nicht das Resultat eines Zufalls. Beide Ehepartner müssen sich darum bemühen. Ganz besonders soziale Kompetenzen und eine gute Kommunikation sind dabei wichtig. Außerdem muss man auch auf die Unterschiede von Mann und Frau, und auch auf die persönlichen Unterschiede Rücksicht nehmen. In der Kommunikationspsychologie werden fünf grundlegende „Sprachen der Liebe“ definiert. Damit drückt man aus, dass jeder Mensch eine andere Sprache benützt, um zu kommunizieren.

Eine dieser Sprachen benutzt Worte des Lobes und der Anerkennung. Dabei macht man dem Anderen Komplimente und findet Worte der Anerkennung und der Liebe für ihn. Man kann zwar nicht verallgemeinern, aber für Frauen ist das oft wichtig. Dem Ehepartner gegenüber oftmals seine Liebe auszudrücken wird also die Ehe positiv beeinflussen.

Eine andere Sprache der Liebe ist die gemeinsame Zeit, die man mit dem Partner verbringt. Weil wir so viele Verpflichtungen haben, wird das meistens vernachlässigt. Zwischen den Eheleuten kann es dann zu Gefühlskälte kommen, und sie kommunizieren nicht mehr. Wenn wir Allahs Wohlgefallen erlangen wollen, müssen wir auf diese Dinge achten. Damit werden wir Ruhe im Diesseits und Belohnung im Jenseits finden, inschallah.

Verehrte Muslime!

Eine weitere Sprache der Liebe ist es, Geschenke zu machen. Der Wert des Geschenks ist dabei nicht wichtig, sondern dass es von Herzen kommt und sorgfältig ausgewählt wurden. Unser Prophet ﷺ sagte dazu: „Du wirst für alles, was du um Allahs Wohlgefallen willen ausgibst, deinen Lohn erhalten. Sogar für den Bissen, den du zum Mund deiner Frau führst.“[2]

Die vierte Sprache der Liebe ist die Hilfsbereitschaft. Dazu gehört es auch, die Familie zu versorgen oder zu kochen. Alltägliche Dinge. Aber damit unseren Ehepartnern unsere Wertschätzung zu zeigen, wird die Qualität unserer Kommunikation ganz sicher steigern. Auch auf die Körperhygiene und die Kleiderwahl zu achten, gehört dazu. Der Sahâbî Ibn Abbâs (r) sagte: „So wie ich es liebe, dass sich meine Frau für mich schmückt, so liebe ich es auch, mich für sie zu schmücken. Allah sagte: ‚Und den Frauen stehen in angemessener Weise die gleichen Rechte (wie den Männern) zu.‘“[3]

Die fünfte Sprache der Liebe schließlich ist der körperliche Kontakt. Das ist nicht nur der Beischlaf, sondern auch Umarmungen und Berührungen. Ganz besonders hier die gegenseitigen Bedürfnisse zu beachten ist eine Bedingung für eine gute Ehe.

Verehrte Muslime!

Zu den Dingen, die eine Kommunikation zwischen den Ehepartnern negativ beeinflussen, gehören nicht zuzuhören, sich andauernd zu beschweren, Kritik nicht konstruktiv auszudrücken und das Gute, das man bekommt, nicht zu würdigen. Wenn wir eine gute Kommunikation mit unseren Ehepartnern wollen, müssen wir dieses negative Verhalten ablegen und bereit sein, dem anderen zuzuhören und nützliche Kritik anzunehmen.

Wir möchten unsere Hutba mit dem folgenden Hadith beenden: Der vollkommenste Gläubige ist derjenige, der den besten Charakter hat, und der beste unter euch ist derjenige, der seine Frau am Besten behandelt.“[4]

Möge Allah uns zu denjenigen gehören lassen, die einen guten Charakter haben und ihren Ehepartner auf die beste Weise behandeln. Âmîn.

[1] Sure Rûm, 30:21
[2] Buhârî, Îmân, 41; Muslim, Wasiyya, 5
[3] Sure Bakara, 2:228; Tafsîr at-Tabarî
[4] Tirmizî, Radâ, 11

Hutba-Kommunikation in der Ehe

Hutba-Arabisch