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Hutba: Neid macht gute Taten zunichte

14. Januar 2021 Koran Tasbih Rot
Koran Tasbih Rot

Verehrte Muslime!

Der Mensch besitzt neben guten auch schlechte Charaktereigenschaften. Dazu gehört der Neid. Ein neidischer Mensch möchte nicht nur haben, was ein anderer besitzt oder kann, sondern hofft auch darauf, dass der andere seinen Besitz verliert. Im Islam hat Neid keinen Platz, denn in einem Koranvers heißt es: „Und hefte deine Blicke nicht auf das, was wir einigen von ihnen gewährten – den Glanz des irdischen Lebens —, um sie damit zu prüfen; denn deines Erhalters Versorgung ist besser und bleibender.“[1]

Liebe Geschwister!

Bereits Iblîs, also der Teufel, war neidisch auf Âdam (a). Weitere Beispiele aus dem Koran sind die Geschichten von Kâbil, der seinen Bruder Hâbil aus Neid tötete, oder die Brüder des Propheten Yûsuf (a), die ihn in einen Brunnen warfen, weil sie neidisch auf ihn waren. Diese Beispiele zeigen, welche gefährlichen Folgen Neid und Eifersucht haben kann. Neid ist sogar so gefährlich, dass er zum Verlust der göttlichen Barmherzigkeit führen kann. Unser Prophet ﷺ warnte uns deshalb eindringlich davor und sagte: „Hütet euch vor Neid! Denn er verbrennt die guten Taten, wie das Feuer das Holz.“[2]

Ein Muslim, der an Allah und das Jenseits glaubt, kann eigentlich gar nicht neidisch sein.
Stattdessen wünscht er seinen Geschwistern das, was er für sich selbst wünscht. Was aber durchaus möglich ist, ist dass er natürlich danach streben kann, einen ähnlichen Status zu erreichen wie andere, ohne aber darauf zu hoffen, dass diese ihren verlieren.

Das gilt laut unserem Propheten ﷺ nicht als Neid, denn dieser sagte: „Zwei Personen sind beneidenswert: Jemand, dem Allah ein Vermögen gewährt, das er rechtmäßig ausgibt; und jemand, dem Allah Wissen und Weisheit gibt, mit dem er angemessen urteilt und es anderen lehrt.“[3]

Liebe Geschwister!

Wer neidisch ist, schadet niemanden außer sich selbst. Jemanden um seines Besitzes, seines Erfolges oder seiner Schönheit willen zu beneiden, bedeutet nämlich eigentlich, die Vorherbestimmung und Barmherzigkeit Allahs in Frage zu stellen. Hier gilt es, an die Worte unserer Gelehrten zu erinnern, die sagten: „Wer an die Vorherbestimmung (Kadr) glaubt, bleibt vor Kummer sicher.“

Das heißt, wir tun, was nötig und geboten ist, und vertrauen dann auf Allah. Denn im Koran heißt es: „Wir verteilen den Lebensunterhalt auf Erden unter ihnen und erhöhen die einen von ihnen im Rang über die anderen, so dass die einen den anderen von Nutzen sind. Doch deines Erhalters Barmherzigkeit ist besser als das, was sie zusammentragen.“[4]

Möge Allah uns zu jenen zählen, die sich seinem Willen hingeben und einander nicht beneiden. Âmîn

[1] Sure Tâhâ, 20:131
[2] Abû Dâwûd, Adab, 44
[3] Buhârî, Ilm, 15; Muslim, Salât al-Musâfirîn, 268
[4] Sure Zuhruf, 43:32

Hutba-Neid macht gute Taten zunichte

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