Gründung
Die Geschichte der Muslime in Westeuropa reicht weit zurück. Doch die deutliche Präsenz der muslimischen Bevölkerung auf dem Kontinent begann erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und hing eng mit den damaligen wirtschaftlichen Bedingungen zusammen. Vor allem Deutschland, das nach dem Krieg seine Industrie rasch wieder aufbauen wollte, begann in diesen Jahren, ausländische Arbeitskräfte anzuwerben, um den Mangel an Arbeitskräften zu decken. Diese Entwicklung ist ein Wendepunkt für die Präsenz von Muslimen in der Bundesrepublik.
Auf Einladung des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss kamen im Jahr 1958 mehrere Dutzende türkische Fachschulabsolventen nach Deutschland. Sie gehörten zu den ersten Arbeitsmigranten.[1] Nachdem am 30. Oktober 1961 das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei unterzeichnet worden war, kamen in den folgenden Jahren zehntausende Arbeitskräfte ins Land und wurden u.a. in den großen Industriezentren angesiedelt.
Religiöse und soziale Bedürfnisse führten dazu, dass diese Menschen begannen, ihre Anliegen gemeinsam anzugehen. So entstanden neben Arbeitervereinen auch andere Initiativen, die den Aufbau religiöser und sozialer Gemeinschaften förderten. Die aus der Türkei eingewanderten Arbeiter begannen bald, sich in Städten wie Hamburg, Hannover, Frankfurt, Köln, München, Stuttgart und Berlin zu organisieren. Sie gründeten Vereine und schufen erste Strukturen, um ihre gemeinsamen Interessen zu vertreten. Einer dieser Vereine war der „Verein türkischer Arbeitnehmer in Braunschweig und Umgebung e.V.“, der am 20. Februar 1966 in Braunschweig gegründet wurde.[2]
Bereits Anfang der 60er Jahre kamen auch Studierende aus der Türkei nach Deutschland, wenn auch in geringerer Zahl. Einer von ihnen war Ahmet Rüştü Banaz, ein Physikstudent mit religiösem Bewusstsein, der in Braunschweig studierte. Unter seiner Leitung wurde an der Universität ein Verein gegründet, der 1967 zur Eröffnung eines Gebetsraums führte. Dort fanden Freitagsgebete und religiöse Gesprächszirkel statt, die bald auch viele Arbeiter anzogen – und so entstand der Wunsch, eine Moschee in der Stadt eine zu gründen.
Schließlich taten sich die Studierenden und Arbeiter zusammen und gründeten am 7. September 1969 den Verein „Türkische Union e.V.“ mit Sitz in Braunschweig.[3] Zu den Gründern gehörten Dr. Şener Yücetürk, der damals als Arzt in Hannover tätig war, und Ahmet Rüştü Banaz. Der Verein erhielt die Erlaubnis, in ganz Deutschland Zweigstellen zu eröffnen. Damit legte er den institutionellen Grundstein für das, was später zur Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) werden sollte – eine Organisation, die religiöse Dienste mit einer umfassenden Gemeinschaftsstruktur verbindet.
Die Moschee, die durch den Einsatz dieser kleinen Gruppe von Studierenden und Arbeitern im Stadtzentrum entstand, wurde zum Ausgangspunkt in Deutschland. Dort fanden nicht nur die täglichen, Freitags- und Festgebete statt, sondern auch religiöse Unterweisung sowie soziale und kulturelle Aktivitäten. Sie förderten den Zusammenhalt der Gemeinde und ließen aus einem kleinen Kreis engagierter Menschen eine große Gemeinschaft entstehen.
Die 70er und 80er Jahre
Die Gründung von Arbeitervereinen war eine erste Antwort auf gemeinsame Bedürfnisse, doch schon bald entstand der Wunsch, diese Strukturen unter einem Dach zu vereinen. So bereitete sich der Boden für eine umfassendere Institution: die „Türkische Union“. Dass die ersten Schritte und die Bewegung in eine Stadt wie Braunschweig ihren Anfang nahmen, war kein Zufall. Die Gründer wollten einerseits den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung dienen, aber andererseits anderen muslimischen Gemeinschaften mit ähnlichen Bedürfnissen ein Vorbild sein.
Aus dieser Haltung heraus begann die Türkische Union ab den frühen 70er-Jahren, in ganz Deutschland aktiv zu werden. Sie nahm bestehende Vereine und Gebetsräume, die unter verschiedenen Namen gegründet worden waren, als Zweigstellen in ihre Struktur auf und eröffnete gleichzeitig neue Zweigstellen unter eigenem Namen. Nach Braunschweig entstanden Niederlassungen zunächst in Salzgitter-Watenstedt, später in Hannover, Hamburg, Stuttgart, Köln und Berlin. In dieser Zeit passte auch der bereits 1966 gegründete „Verein türkischer Arbeitnehmer in Braunschweig und Umgebung“ seine Satzung an und setzte – wie die Vereine in Hamburg und Hannover – seine religiösen und sozialen Aktivitäten im Rahmen der Türkischen Union fort.[4]
Ein frühes Beispiel für den Weitblick der Türkischen Union war die Organisation einer Pilgerfahrt (Hadsch) im Jahre 1969, initiiert von Ahmet Rüştü Banaz, Dr. Yusuf Zeynelabidin und Sevim Zeynelabidin. Diese Initiative markierte den Beginn eines neuen Bewusstseins für Muslime in Europa, die nach Wegen suchten, ihre religiösen Pflichten zu erfüllen. Schon wenige Jahre später, 1972, wurde unter der Leitung von Hasan Damar mit einer Gruppe von neun Personen die erste gemeinschaftliche Hadsch-Reise durchgeführt.
Die 70er-Jahre waren eine Zeit, in der viele Gastarbeiter aus der Türkei in Arbeiterwohnheimen oder ihnen zugewiesenen Wohnungen lebten. Immer mehr von ihnen holten ihre Familien nach, und ihre Kinder begannen, in den europäischen Ländern zur Schule zu gehen. Mit dem Übergang zu einem Familienleben in der Migration wuchsen die religiösen und kulturellen Bedürfnisse. Die Vereine reagierten darauf mit vielfältigen Angeboten: In den Gebetsräumen wurden gemeinsame Gebete abgehalten, religiöser Unterricht für Kinder und Erwachsene angeboten, Halal-Lebensmittelgeschäfte gegründet und soziale Dienste für Familien eingerichtet.
Die Gastarbeiter verfolgten aufgrund ihrer engen Bindung zu ihrer Heimat und der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Türkei aufmerksam. Viele von ihnen, die in Branchen wie Bergbau, Textil und Metall unter schwierigen Bedingungen arbeiteten, begannen, Investitionsmöglichkeiten für die Zeit nach ihrer Rückkehr in Betracht zu ziehen. Gleichzeitig wünschten sie sich, dass ihre materiellen und religiösen Anliegen auch politisch stärker vertreten werden.
Das starke Interesse an der Türkei führte dazu, dass die Arbeiter von den sowohl rechten als auch linken politischen Strömungen ihrer Heimat beeinflusst wurden. Der Vorstand der Türkischen Union, der in dieser Zeit religiöse Aktivitäten organisierte, wurde auf Prof. Dr. Necmettin Erbakan aufmerksam, den Gründer der „Millî Selamet Partisi“, der mit den Schlagworten „Schwerindustrie, Moral und Spiritualität zuerst“ bekannt wurde. Die Verantwortlichen der Türkischen Union versuchten vor den Wahlen von 1973, mit Erbakan in Kontakt zu treten, um über die Bedürfnisse der in Deutschland lebenden Muslime zu sprechen und Unterstützung aus der Türkei zu erhalten. Ein direkter Austausch kam jedoch nicht zustande.
In dieser Zeit wurden die Lebensbedingungen und Bedürfnisse der Gastarbeiter in Deutschland und Westeuropa erstmals auch in der türkischen Politik wahrgenommen. Auf Einladung der Türkischen Union besuchte der inzwischen stellvertretende Ministerpräsident Prof. Dr. Necmettin Erbakan im Jahr 1974 Köln und sprach in der Eishalle vor rund 3.000 Zuhörern. Diese Veranstaltung wurde zum Ausgangspunkt eines ersten Treffens zwischen Erbakan und den Vertretern der Türkischen Union und zum Beginn einer Zusammenarbeit.
Infolge dieser Annäherung fand der in der Türkei entstandene Begriff „Millî Görüş“ auch unter den in Europa lebenden Muslimen großen Anklang. Das Anliegen war es, wirtschaftlichen Fortschritt und spirituelle Erneuerung miteinander zu verbinden. Die Türkische Union übernahm diesen Ansatz und machte ihn zu einem ihrer zentralen Prinzipien.
In dieser Zeit wurden die moscheebasierten Aktivitäten der Türkischen Union unter den türkischen Arbeitern in Deutschland weiter ausgebaut und der Verein entwickelte sich zunehmend zu einer festen institutionellen Struktur, dem Fundament der späteren Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG).
Der Wechsel nach Köln
Nach Ahmet Rüştü Banaz übernahmen für kurze Zeit Ali Özdemir und Ertuğrul Düzel den Vorsitz des Vereins. 1976 ging der Vorsitz schließlich an Dr. Yusuf Zeynelabidin über. In dieser Zeit verlegte die Türkische Union, die inzwischen mit dutzenden Moscheen in Deutschland aktiv war, ihren Hauptsitz von Braunschweig nach Köln. Die ersten Arbeiten in Köln begannen im Stadtteil Nippes, in einem kleinen Raum in der Neusser Straße. 1976 zog die Organisation in ein größeres Gebäude an derselben Straße um.
Parallel zu diesen Entwicklungen in Deutschland nahmen auch andere westeuropäische Länder wie Frankreich, die Niederlande, Belgien und Österreich eine wachsende Zahl türkischer „Gastarbeiter“ auf. Wie in Deutschland lebten sie zunächst in Arbeiterwohnheimen und gründeten später ihre eigenen Gebetsräume, Moscheen und Vereine. Dies wurde auch von der Türkischen Union in Deutschland wahrgenommen, woraufhin sie gemeinsam mit den Muslimen in diesen Ländern gemeinschaftliche Strukturen aufzubauen begangen. Damit einher gingen auch Namensänderungen: Am 22. November 1976 gab sich die Türkische einen neuen Namen: „Türkische Union Europa e.V.“ Angesichts der zunehmenden Vielfalt der muslimischen Gemeinschaft in Europa wurde der Name am 19. Dezember 1982 erneut angepasst in „Islamische Union Europa e.V.“[5]
Mit der Zeit wuchs die Zahl der Moscheen, die der Islamischen Union Europa angeschlossen waren. 1978 wurden erstmals Imame aus der Türkei entsandt, um in den Moscheen in Deutschland zu wirken. Dadurch erhielten die religiösen Dienste für die Gemeinschaft eine feste und kontinuierliche Struktur.
Das Wachstum der Organisation und der zunehmende Austausch mit dem Heimatland Türkei führten zu einer weiteren Umbenennung (auch beeinflusst durch interne Entwicklungen wie den Fall Cemalettin Kaplan, auf den noch näher eingegangen wird). Am 20. Mai 1985 erhielt die Gemeinschaft den Namen „Avrupa Millî Görüş Teşkilatları“ („Millî Görüş Organisationen in Europa“), kurz: AMGT.[6]
Der Begriff „Millî Görüş“ wurde von der im Koran mehrfach vorkommenden Wendung „Abrahams (Glaubens)Gemeinschaft“[7] abgeleitet. Diese bezeichnet eine Gemeinschaft, die an einen Propheten glaubt und sich um die Werte, Ideale und Traditionen versammelt, die er verkörpert. In diesem Sinne stand „Millî Görüş“ für eine religiös geprägte, werteorientierte und zugleich gemeinschaftsstiftende Gemeinschaft.
Kontakt zu Prof. Dr. Necmettin Erbakan
Nachdem Prof. Dr. Necmettin Erbakan 1951 die Fakultät für Maschinenbau der Technischen Universität Istanbul abgeschlossen hatte, setzte er seine akademische Laufbahn in Deutschland fort. Diese Zeit ermöglichte ihm, ein tieferes Verständnis für Europa zu entwickeln. Auch nach seinem Einstieg in die aktive Politik blieb er den Themen, die türkischstämmige Menschen und die Muslime in Europa betrafen, eng verbunden. Vor allem während seiner Regierungsbeteiligung im Jahr 1974 gewann Erbakan die Anerkennung vieler türkischstämmiger Arbeitsmigranten in Europa. Seine Politik zielte darauf ab, türkische Staatsbürger im Ausland zu unterstützen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Zum ersten Mal wurden die in Europa lebenden Arbeiter – insbesondere über die Arbeitsattachés in den Konsulaten – von der türkischen Regierung als gesellschaftliche Gruppe wahrgenommen. Erbakan maß der Organisation der in Europa lebenden Türken große Bedeutung bei und spielte eine wichtige Rolle für die strukturelle Entwicklung und die institutionelle Identität der Avrupa Millî Görüş Teşkilatları (AMGT).
Mit dem Heranwachsen einer neuen Generation in Europa und deren zunehmender gesellschaftlichen Teilhabe veränderte sich auch der Blick auf die Bedürfnisse der Muslime. Der Gedanke einer baldigen Rückkehr in die Türkei verlor an Gewicht. Stattdessen wuchs die Überzeugung, sich in Europa eine eigene Zukunft im Einklang mit muslimischen Werten aufzubauen. Diese gesellschaftliche Entwicklung brachte für die AMGT neue Aufgaben mit sich: Der Schwerpunkt ihrer Arbeit verlagerte sich darauf, das religiöse Leben in Europa zu stärken. Damit setzte ein tiefgreifender Wandel im Selbstverständnis der Gemeinschaft ein.
Die sich verändernden Prioritäten und Erwartungen der Muslime in Westeuropa führten zugleich zu einer schrittweisen Abwendung von politischen Strukturen in der Türkei. Gespräche mit politischen Vertretern aus der Türkei wurden nun auf Grundlage der Bedürfnisse der Muslime in Europa geführt. Der Wandel im Selbstverständnis der Gemeinschaft spiegelte sich auch in diesen Kontakten wider. Während sich die von Prof. Dr. Necmettin Erbakan geführte politische Bewegung weiterhin stark auf die Türkei konzentrierte, sah sich die IGMG veranlasst, ihre eigene, eigenständige Position zu definieren. Sie verstand sich fortan als religiöse Gemeinschaft, die über dem Tagespolitischen steht, aber dennoch ein politisches Bewusstsein im Angesicht globaler Entwicklungen bewahrt. In diesem neuen Selbstverständnis definierte die IGMG ihre institutionelle Identität als eine religiöse Gemeinschaft, die den religiösen und sozialen
Bedürfnissen der Muslime in Europa dient und dazu beiträgt, dass sie in den Ländern, in denen sie leben, als gleichberechtigte Bürger Teil der Gesellschaft werden.
Auf dieser Grundlage entwickelte die IGMG ein Programm, das auf die Erziehung von Menschen mit einem starken Bewusstsein für Rechte und Gerechtigkeit ausgerichtet ist. Sie verpflichtete sich zugleich, in politischen Fragen und gegenüber allen Parteien und Entscheidungsträgern gleiche Distanz zu wahren. Von Beginn an verfolgte sie einen integrativen Ansatz: Unabhängig von ethnischer Herkunft – ob Türke, Kurde, Araber, Deutscher oder Franzose – verstand sie ihre religiösen Dienste als Angebot an alle Muslime gleichermaßen.
Die Gründung der „Avrupa Millî Görüş Teşkilatları“
Die Umbenennung der „Islamischen Union Europa“ in „Millî Görüş Organisationen in Europa“ im Jahr 1985 war das Ergebnis einer inneren Spaltung, die Anfang der 1980er Jahre stattfand und für die institutionelle Identität der Gemeinschaft von großer Bedeutung war. In dieser Zeit leitete Cemalettin Kaplan innerhalb der Islamischen Union Europa die Abteilung für religiöse Unterweisung (Irschad) und löste mit seinen Aussagen über die Errichtung eines sogenannten „Kalifatsstaates“ heftige Diskussionen aus. Seine radikalen Ansichten, die die Grundprinzipien des demokratischen Rechtsstaates und die Idee eines Machtwechsels durch Wahlen ablehnten, stießen auf entschiedenen Widerstand. Die Gruppe, die sich diesen radikalen Ansichten widersetzte und für einen gemäßigten Weg eintrat, versammelte sich um Osman Yumakoğulları. Der Konflikt spitzte sich zu und schließlich trennten sich die Wege. Kaplan und seine Anhänger nahmen zahlreiche Moscheen aus der Islamischen Union Europa mit sich. Durch diese Spaltung verließen Hunderte die Gemeinschaft, sodass an der ersten Generalversammlung im April 1984 in Hannover, am Weidendamm 9, nur 114 Personen teilnahmen.
Im Zuge dieser Entwicklungen entschloss sich die Gruppe um Osman Yumakoğulları, die Millî Görüş auch organisatorisch zu repräsentieren und nahm den Namen „Avrupa Millî Görüş Teşkilatları“ („Organisationen der Millî Görüş in Europa), kurz: AMGT, an. Trotz der Verluste konnte die AMGT durch ein starkes Bewusstsein für ihre sozialen und institutionellen Grundsätze in kurzer Zeit wieder Stabilität gewinnen und erhielt nach und nach die Unterstützung der Mehrheit der Moscheegemeinden zurück.
Mit der Gründung der AMGT begann eine neue Phase: Die Gemeinschaft baute ihre Strukturen europaweit aus und gewann an institutioneller Stärke. Nach der Trennung von Kaplan wurde der Neuaufbau in Ländern wie Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Österreich fortgeführt. Die bereits seit den Anfangsjahren aktiven Jugendlichen erhielten mit der Gründung der „Jugendabteilung“ eine feste Struktur, später folgte die Einrichtung der „Frauenabteilung“. Diese Abteilungen spielten eine zentrale Rolle bei der Förderung der religiösen und persönlichen Entwicklung ihrer Adressaten. Sie organisierten Programme zur Unterstützung in Familie, Schule und Beruf und widmeten sich Themen wie Migration, gesellschaftliche Teilhabe, aktive Bürgerschaft und Identität. Dadurch leisteten sie einen wichtigen Beitrag dazu, dass muslimische Migrantinnen und Migranten mit ihrer Identität selbstbewusst in der Gesellschaft ihren Platz finden konnten.
Ein Blick in die institutionelle Geschichte der IGMG zeigt, dass sie auf europäischem Boden in vielen Bereichen Pionierarbeit geleistet hat. Eine ihrer ersten Initiativen war die Organisation der Pilgerfahrt (Hadsch), die 1972 erfolgte. In den 80er Jahren erhielt diese Arbeit eine feste Struktur und bald kamen Umra-Reisen hinzu. Die Pilgerdienste wurden professionalisiert und später um Kulturreisen ergänzt.
Im Jahr 1985 wurde unter der Leitung von Sefer Ahmedoğlu die erste Kurban-Kampagne durchgeführt. Kurz darauf folgten Zakat- und Fitra-Kampagnen. Durch diese besondere Form der Spenden, die Muslime als religiösen Dienst leisten, konnten Muslime in Europa Bedürftigen weltweit helfen. So wurden religiöse Spenden in konkrete, globale Hilfsprojekte verwandelt und kamen Menschen weltweit zugute.
Die 80er Jahre waren zugleich eine Zeit großer Veranstaltungen. Tausende nahmen an Jahreshauptversammlungen, Konzerten, Podiumsdiskussionen und Kulturveranstaltungen teil. Besonders die jährlich organisierten Jugend- und Frauenkongresse schufen Räume für Begegnung, Austausch und gemeinsames Lernen. Zu den prägenden kulturellen Ereignissen jener Zeit gehörten die erstmals in Köln organisierten Buchmessen, die den Zugang zu Wissen und Literatur erleichterten und den Dialog zwischen Autorinnen, Autoren und Lesern förderten.
Im Bildungsbereich konkretisierten sich die Bemühungen der Gemeinschaft 1981 mit den ersten Bildungskursen für Kinder und Jugendliche in Hamburg und Köln. Ein weiterer Meilenstein war 1985 der erste Koranrezitationswettbewerb in Hamburg. Die jährlich stattfindenden Wettbewerbe motivierten junge Menschen, den Koran zu lesen und zu verstehen, und boten mit begleitenden Vorträgen und Diskussionsrunden Raum zur Reflexion über die Bedeutung des Korans.
Ein besonderes Format der 1980er Jahre war die „Konferenz zu den Anliegen der Muslime in Europa“, die sich mit den Zukunftsperspektiven der in Europa lebenden Muslime befasste und zu einer festen Tradition wurde.
Mit diesen Initiativen und Veranstaltungen entwickelte sich die AMGT zu einer wichtigen Organisation in Europa. Ein Höhepunkt dieser Phase war die erste große Generalversammlung im Jahr 1988, die mit breiter Beteiligung aus den Regionen und Gemeinden in der Sporthalle Hannover stattfand und Tausende Menschen zusammenbrachte.
Die 90er Jahre
Das Jahr 1995 markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Gemeinschaft. Um den dauerhaften Charakter der muslimischen Präsenz in Europa und den soziologischen Wandel ihrer Mitglieder zu betonen, änderte die Gemeinschaft ihren Namen in „IGMG – Islamische Gemeinschaft Millî Görüş“. Damit rückte sie ihren Charakter als religiöse Gemeinschaft noch stärker in den Vordergrund.
In dieser Zeit begann man, die bisher gemieteten Gebetsräume langfristig zu sichern, indem man sie als Eigentum erwarb. Für den Erwerb und die bauliche Verbesserung der Moscheen wurde die „EMUG – Europäische Moscheebau- und Unterstützungsgemeinschaft e. V.“ gegründet, die diese Projekte koordinierte.[8]
Ein weiterer Ausdruck der stärkeren Beheimatung war der Aufbau einer fundierten Bildungsarbeit. Es wurden Lehrbücher mit dem Titel „Grundwissen“ für verschiedene Altersgruppen entwickelt, die in den IGMG-Moscheegemeinden eingesetzt werden. Parallel dazu begann die Ausbildung ehrenamtlicher Lehrkräfte. Mit der ersten „Bildungs-Schura“ im Jahr 1996 wurde die langfristige Bildungsarbeit diskutiert und die Ergebnisse veröffentlicht.
In dieser Phase wurden auch die Aufgaben und Rechte der Imame und Prediger an die sich wandelnden Bedürfnisse der Gemeinden angepasst. Monatliche Treffen in den Regionen dienten der Besprechung persönlicher und familiärer Anliegen, während die jährliche „Imam-Hatip-Konferenz“ dem fachlichen Austausch und der Weiterbildung diente. Zudem wurde ein Gelehrtenrat eingerichtet, um Fragen des religiösen Alltagslebens zu beantworten.
In diesem Jahrzehnt festigte die IGMG ihr Selbstverständnis, mitten in der Gesellschaft zu stehen und mit allen gesellschaftlichen Akteuren in Dialog zu treten. Gespräche mit politischen Vertretern, zivilgesellschaftlichen Gruppen und islamischen Organisationen wurden intensiviert. Ebenso entstanden interreligiöse Initiativen. In Fragen wie Halal-Schlachtung, Kopftuch und Gebet am Arbeitsplatz setzte sich die IGMG verstärkt für die Wahrung religiöser Rechte ein. Sie organisierte Veranstaltungen zu Themen wie Migration, Menschenrechte und Religionsfreiheit. Um den Austausch mit der Mehrheitsgesellschaft zu fördern, fanden erstmals „Tage der offenen Moschee“ statt. Um die Arbeit und Positionen der IGMG einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde 1995 die Zeitschrift „Perspektif“ ins Leben gerufen, drei Jahre später folgte die offizielle Webseite der IGMG.
Aufgrund der steigenden Zahl muslimischer Studierender wurde die „Studentenabteilung“ gegründet, die Stipendien und Austauschmöglichkeiten für Studierende anbot. Im Bereich der Frauenarbeit entstanden neue Formate wie Frauentage, Koranrezitationswettbewerbe, Symposien und andere Aktivitäten, mit denen die gesellschaftliche Teilhabe und die Präsenz muslimischer Frauen im öffentlichen Leben gestärkt werden sollte. Junge Frauen organisierten sich zunehmend innerhalb der Jugend-, Studierenden- und Frauenabteilungen.
Im sozialen Bereich reagierte die Gemeinschaft auf die wachsende Zahl von Todesfällen unter den ersten Migrantengenerationen: Der Wunsch, in die Türkei überführt zu werden, führte zur Einrichtung des „Bestattungsfonds“, der bis heute Familien in solchen Situationen unterstützt.
Die Nullerjahre
Als Ausdruck der dauerhaften Verwurzelung in Europa förderte die IGMG Anfang der 2000er Jahre Einbürgerungen.[9] Sprachkurse, Imam-Schulungen und soziale Unterstützungsprogramme begleiteten diesen Prozess, um die Gemeinschaft sowie türkischstämmige Migranten dazu zu ermutigen, als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger Europas Verantwortung zu übernehmen.
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 leiteten weltweit eine neue politische Ära ein. In der westlichen Öffentlichkeit nahmen Vorurteile und Hass gegenüber Muslimen zu. Grundrechte, Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit gerieten vielerorts unter Druck. Extremistische Strömungen, die an die historischen Haridschiten erinnerten, gewannen an Einfluss, während einige Gruppen den Islam für Gewalt und Terror missbrauchten. Auch europäische Städte blieben davon nicht verschont.
Im Lichte dieser Entwicklungen beriet die IGMG auf einer Tagung 2002 in Nassogne (Belgien) intensiv über Themen wie die Säkularität des Staates, die demokratische Rechtsordnung, interreligiösen Dialog und Geschlechtergerechtigkeit. Die IGMG bekräftigte ihre ausgewogene Position, also dieselbe Haltung, auf deren Grundlage sie sich bereits in den 80er Jahren von der radikalen Linie Cemalettin Kaplans distanziert hatte. Die IGMG betonte, dass Muslime in ihren Ländern im Rahmen der Verfassung und des Rechtsstaates, der auch ihnen Schutz bietet, handeln sollten. Sie hob die Bedeutung des Dialogs mit allen gesellschaftlichen Gruppen hervor und unterstrich, dass Frauen und Männer im öffentlichen Leben gleichwertig und gleich verantwortlich sind.
Mit der zunehmenden Sichtbarkeit von Muslimen im öffentlichen Raum entstanden neue Dachorganisationen, die ihre Interessen gegenüber den Staaten bündelten. In Deutschland wurden der „Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland“ (IRD) und der „Koordinationsrat der Muslime“ (KRM) gegründet. Ähnliche Zusammenschlüsse bildeten sich in Frankreich, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Österreich, Dänemark, Schweden und Norwegen. Die IGMG nimmt aktiv in diesen Gremien teil und spielt eine führende Rolle beim Aufbau gemeinsamer Plattformen für Muslime in Europa.
Im Jahr 2001 wurde in Hamburg das „Europäische Halal-Zertifizierungsinstitut“ (EHZ) gegründet, um den wachsenden Bedarf an zuverlässiger Kontrolle halal-konformer Produkte zu decken. Das Institut prüft und zertifiziert Produkte und Produktionsprozesse nach den Kriterien des Gelehrtenrates der IGMG.
Dieser Gelehrtenrat entwickelte zudem im Laufe der Jahre Antworten auf religiöse Alltagsfragen von Muslimen, die aus den Gemeinden an ihn herangetragen wurden.
2009 wurden schließlich im Zuge der organisatorischen Weiterentwicklung die Strukturen der Frauen-, Jugend- und Frauenjugendabteilungen gestärkt und zu eigenständigen Organisationen erhoben. All das waren weitere Schritte zur Institutionalisierung der Dienste.
Die 2010er Jahre und die Gegenwart
In diesem Zeitraum hat die IGMG ihre institutionellen Kapazitäten stetig ausgebaut, insbesondere in den Bereichen soziale Dienste, humanitäre Hilfe, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit. Für die weltweiten humanitären Hilfsprojekte wurde „Hasene International“ gegründet. Dadurch konnten die bereits bestehenden Kurban-, Zakat- und Fitra-Kampagnen erheblich ausgeweitet werden. Die gesammelten Spenden erreichen Bedürftige in rund 100 Ländern und machtn die Solidarität der europäischen Muslime global sichtbar. Zur besseren Koordination und Weiterentwicklung sozialer Projekte in Deutschland wurde zudem „Fudul“ als Zentralstelle für islamische Wohlfahrt und soziale Arbeit ins Leben gerufen.
Mit dem Wachstum der Gemeinschaft gewann auch die digitale Kommunikation zunehmend an Bedeutung. Neben bereits etablierten Publikationen wie den Zeitschriften „Perspektif“, „Sabah Ülkesi“ und „Gökkuşağı“ wurden 2012 die Zeitung „Camia“ sowie Nachrichten- und Medienplattformen in verschiedenen Sprachen gegründet. Später entstanden digitale Anwendungen, darunter die „IGMG App“, die Koran-App „Al-Quran Al-Hakeem“ und die App für Pilgerfahrten „IGMG Hac & Umre“. Als infolge der Pandemie im März 2020 persönliche Begegnungen in Moscheen – etwa für Vorträge, Schulungen und Gesprächsrunden – nicht mehr möglich waren, reagierte die IGMG schnell: Mit der Gründung von „Camia TV“ entstand ein neues digitales Medium, das seither über soziale Netzwerke ein breites Publikum erreicht.
Die IGMG hat ihre Bildungsarbeit und institutionelle Infrastruktur kontinuierlich ausgebaut. Mit der 2012 gestarteten „Infak-Kampagne“ erhielten der Bau von Moscheen, Schulen und Gemeindezentren einen neuen Aufschwung. Auch außerhalb Europas entstanden zahlreiche Bildungseinrichtungen – von Kindergärten und Schulen über Imam-Hatip-Gymnasien bis hin zu Ausbildungszentren, Instituten, Kollegs, Studierendenwohnheimen und akademischen Lehrstätten.
In derselben Zeit wurde der Verlag „PLURAL Publications“ gegründet, um islamische Literatur und einen Beitrag zur religiösen Beheimatung zu fördern. Der Verlag publiziert Original- und Übersetzungswerke in verschiedenen Sprachen, darunter Türkisch, Deutsch, Französisch, Niederländisch, Englisch und Dänisch.
Mit den wachsenden und vielfältiger werdenden Bedürfnissen der muslimischen Gemeinden in Europa wurde deutlich, dass ein nachhaltiger religiöser Dienst nicht mehr ausschließlich mit Imamen aus der Türkei gewährleistet werden konnte. Daher entwickelte die IGMG langfristige und tragfähige Projekte zur Ausbildung und Anstellung von Imamen. Um den Bedarf an Imamen in den europäischen Moscheen zu decken, gründete sie 2014 die „Fachschule für muslimische Führungskräfte“. Ziel ist es, junge Menschen, die in Europa aufgewachsen und ausgebildet sind, für den Imamdienst zu qualifizieren und in den Gemeinden einzusetzen. Seit 2017 werden zudem Absolventen europäischer Theologiestudiengänge nach einer Weiterbildung als Imame in den Moscheen eingesetzt. Zwecks Unterstützung und Fortbildung der Imame wurde darüber hinaus das „Menar-Institut“ gegründet.
Die Tradition der Rezitation und des Auswendiglernens des Koran wurde mit hierauf spezialisierten Kursen gestärkt. Im Rahmen der religiösen Wegweisung fanden zudem Fachveranstaltungen mit namhaften Referenten statt. Etwa zu Themen wie „Ahl al-Sunna und Salafismus“, „Abû Hanîfa und die Hanafiyya“ oder „Imam Mâturîdî und die Mâtûrîdiyya“.
Auch im Bildungsbereich wurden neue Programme ins Leben gerufen, die sich an aktuellen Bedürfnissen orientieren. So entstanden Erwachsenenkurse für Männer und Frauen, um grundlegende religiöse Kenntnisse zu vermitteln. Darauf aufbauend bieten die Kurse für Islamische Wissenschaften Möglichkeiten zur vertieften persönlichen und religiösen Weiterbildung. Für Konvertitinnen und Konvertiten wurde die „Qalam Bildungsakademie“ gegründet, um die Bildungsarbeit zu professionalisieren. In der Pandemiezeit 2020 begannen die Qalam-Kurse online. Dadurch wurde ein kontinuierliches Lernangebot geschaffen. Außerdem wurde das „Fortbildungsprogramm für Religionslehrerinnen“ ins Leben gerufen, um ihre fachliche und pädagogische Kompetenz zu stärken.
Parallel dazu intensivierte die IGMG ihre Bemühungen, Vorurteile und islamfeindlichen Rassismus abzubauen und ihre Kommunikation mit der Mehrheitsgesellschaft zu stärken. In ganz Europa wurden öffentliche Aktionen wie „Gestatten, Muslim.“ (ab 2015) und „Du kannst das ändern“ (ab 2018) organisiert. Hierbei handelt es sich um Straßenaktionen, bei denen Muslime den Dialog suchen, um sich und ihren Glauben vorzustellen.
Mit dem gesellschaftlichen und politischen Wandel nach den 2010er Jahren nahm der Rechtspopulismus europaweit stark zu und gewann auch in der gesellschaftlichen Mitte an Einfluss. Damit stiegen Diskriminierung und Rassismus gegenüber Muslimen weiter an. Um die Gleichberechtigung muslimischer Minderheiten in ihren jeweiligen Gesellschaften zu fördern, suchte die IGMG die Zusammenarbeit mit spezialisierten Organisationen und unterstützte die Gründung von Vereinen, die sich auf den Kampf gegen Diskriminierung konzentrieren. Zur Aufklärung junger Menschen über radikale Strömungen wurde 2022 unter Federführung des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland und mit Unterstützung der IGMG das Symposium „Radikalisierung, Extremismus und Religiosität – Muslimische Jugendliche im Radikalisierungsdiskurs“ veranstaltet. Dabei wurden die in diesen Debatten verwendeten Begriffe, die Ursachen von Radikalisierung und mögliche Lösungsansätze intensiv diskutiert.
Im Jahr 2016 organisierte die IGMG die „Aleppo-Kundgebung“, um auf die Unterdrückung und das Leid in Syrien aufmerksam zu machen und ein Zeichen gegen die anhaltenden Gräueltaten zu setzen. Zudem lud die IGMG Vertreter muslimischer Gemeinschaften aus Lateinamerika in ihre Zentrale in Köln ein, um gemeinsame Anliegen zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Mit der „Arakan-Konferenz“ im Jahr 2018 lenkte die IGMG die internationale Aufmerksamkeit auf die dramatische Lage der muslimischen Rohingya. Im Jahr 2019 folgte die „Aktion Ostturkestan“, bei der in 13 Ländern und 20 Städten gegen die Unterdrückung der Uiguren durch die chinesische Regierung protestiert wurde. Um die Stimme der ostturkestanischen Muslime weiter zu stärken, fand 2022 im Europäischen Parlament das „Internationale Uiguren Forum“ statt, auf dem die Menschenrechtsverletzungen und der Genozid in Ostturkestan thematisiert wurden.
Zur Koordination der bereits bestehenden Projekte im Bereich Kunst und Kultur wurde 2012 der „Sabah Ülkesi“ („Morgenland“) gegründet. Im Jahr 2023 erfolgte eine Neustrukturierung unter dem Namen „Sabah Ülkesi Kunst- und Kulturverein“, der seitdem zahlreiche Kurse und Veranstaltungen durchführt.
Um die aktuellen Herausforderungen junger Muslime zu analysieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, richtete die IGMG 2024 erstmals eine „Jugend Schara“ aus. Ziel war es, die Perspektiven der jungen Generation einzubringen, gesellschaftliche Probleme zu benennen und praxisorientierte Lösungsansätze zu formulieren.
Ein Jahr später, 2025, fand in den Niederlanden die „IGMG Schara“ statt, auf der die historische Entwicklung, Grundsätze, Struktur sowie Dienste und Kooperationen der IGMG erörtert wurden. Darüber hinaus wurden u.a. die öffentliche Wahrnehmung der IGMG, Geschlecht und Geschlechtsidentität, das Muslimsein in westlichen Gesellschaften, Religionsfreiheit, Rassismus sowie gesellschaftliche und politische Teilhabe diskutiert. Aus dieser Tagung sind Positionspapiere hervorgegangen.
Heute ist die IGMG eine in Europa, auf dem Balkan, in Australien, Kanada, den USA, der Türkei, Japan und Nordzypern aktive religiöse Gemeinschaft. Darüber hinaus verfügt sie über Vertretungen in Kirgisistan, Lateinamerika und weiteren Regionen weltweit. Die IGMG versteht sich als Gemeinschaft, die sich der Güte, Wohltätigkeit und Rechtschaffenheit verpflichtet fühlt. In diesem Sinne erweitert sie ihre Dienste kontinuierlich, angefangen von Bildung und religiösen Diensten über humanitäre und soziale Arbeit bis hin zur Vertretung aller muslimischer Belange. Dabei ist sie längst nicht nur die Stimme von Muslimen in Europa, sondern auch eine Gemeinschaft, die Muslime weltweit unterstützt, ihre Identität, Kultur und Werte bewahrt und sich entschieden gegen alle Arten von Ungerechtigkeit und Unterdrückung stellt.
Die IGMG ist eine Weltorganisation, die auf mehreren Kontinenten aktiv ist, Hunderttausende Menschen direkt und Millionen indirekt erreicht. Was einst mit wenigen Moscheen und engagierten Ehrenamtlichen begann, hat sich zu einer Gemeinschaft mit institutioneller Kompetenz, organisatorischer Stärke und einem weiten Netzwerk von Ehrenamtlichen entwickelt – zu einem international anerkannten Beispiel erfolgreicher muslimischer Selbstorganisation. Dieser Erfolg ist das Ergebnis des gemeinsamen Einsatzes unzähliger Menschen, die sich von Anfang an mit Überzeugung, Ausdauer und einem festen Glauben an die gemeinsame Sache eingesetzt haben.
[1] https://virtuelles-migrationsmuseum.org/Glossar/heuss-tuerken/
[2] Amtsgericht 38100 Braunschweig, VR 2322
[3] Amtsgericht 38100 Braunschweig, VR 2679
[4] Hasan Damar, Ahmet Rüştü Banaz, Bekir Gündoğmuş; „Göç, Siyaset ve Din Avrupa’da Millî Görüş“, S. 172
[5] Amtsgericht Köln, VR 7454
[6] Amtsgerichts Köln, VR 9098
[7] Sure Nahl, 16:123; Sure Âl-i İmrân, 3:95; Sure Nisâ, 4:125
[8] Amtsgericht Köln, VR17018
[9] Pressemitteilung: 40 Jahre Türken in Deutschland, 06. November 2001, https://www.igmg.org/40-jahre-ta%C2%BCrken-in-deutschland/











