Freitagspredigt

Hutba – Gott kennen und lieben

11. November 2011

Verehrte Muslime,

der Koran ist das Wort Allahs. Er umfasst zahlreiche Themen, angefangen von kurzen Geschichten bis hin zu Ge- und Verboten. Ein zentrales Anliegen des Korans – vielleicht sogar das zentralste überhaupt – ist die Vorstellung des Menschen von Allah.


Es ist von essentieller Bedeutung, dass der Mensch ein „richtiges“ Verständnis von Allah hat und dies verinnerlicht. Mit dem Glauben an den einzigen Gott steht und fällt das gesamte „Gebäude des Glaubens“.

Im Koran beschreibt sich Allah mit den verschiedensten Eigenschaften. So sind die bekannten „Asma ul-Husna“ (die schönsten Namen) eine bekannte Sammlung von Eigenschaften Allahs, die sich im Koran wiederfinden lassen. Hierzu gehören etwa „Rahmân“, die Allbarmherzigkeit Allahs, oder „Adl“, die Gerechtigkeit.

Eine andere Perspektive, die unweigerlich mit dem Glauben an den einen Gott verbunden ist, eröffnet die Frage nach der Liebe zwischen Mensch und Allah. Kann es überhaupt möglich sein Allah zu lieben, ohne ihn zu kennen? Kann man beispielsweise einen Menschen – sei es Frau, Mann, Kinder oder Freund – lieben, ohne zu wissen, was für Eigenschaften diese Person auszeichnen? Vermutlich werden die meisten Menschen mit einem klaren Nein auf diese Frage antworten. Die Liebe, die wir meist sehr leicht aussprechen, bleibt oft nur den „Lippen“ vorbehalten.

Liebe Gesschwister,

wie müssen wir uns Allah nun vorstellen? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, sollte man die Worte Allahs, d. h. den Koran etwas näher betrachten. Die Sure Ichlâs ist mit ihren vier Versen eine relativ kurze Sure und dennoch ist sie, einem Hadith des Propheten zufolge, mit einem Drittel des gesamten Korans vergleichbar. Der Grund für diese überaus große Bedeutung der Sure ist sicherlich in dem Inhalt zu suchen. Die Sure beinhaltet eine hochkonzentrierte Darstellung von Allah. In der Sure Ichlâs heißt es: „Sprich: ,Er ist der eine Gott, Allah, der Absolute. Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt, und es gibt keinen, der ihm gleicht.'“ (Sure Ichlâs, [112:1-4])

Verehrte Muslime,

in dem ersten Vers beschreibt sich Allah als den Einen, aber nicht als „Einen“ von vielen, sondern als den „Einzigen“. Er hat keinerlei Teilhaber. Vor über 1400 Jahren wurden meist Statuen oder andere Gegenstände als Götter angebetet. Dieser offenkundige Polytheismus (Schirk) hat sich in unserer Zeit meist zu einem „unsichtbaren“ Polytheismus gewandelt. Heutzutage ist die Vergöttlichung von einfachen Gegenständen sicherlich nicht mehr bezeichnend. Dennoch begegnet uns der Polytheismus in den verschiedensten Formen von Aberglauben oder aber auch in der quasi Vergöttlichung von materiellem Reichtum. Gerade der Gedanke des Tawhîd, des Monotheismus, ist es, der diese Sure auszeichnet.

In dem zweiten Vers beschreibt sich Gott als den „Absoluten“. Wir Menschen hingegen sind alle begrenzt und lediglich „relativ“. Unser Dasein hängt von vielen Faktoren ab. Allah als der Absolute hingegen ist mit nichts vergleichbar, er ist von niemandem und nichts abhängig. Seine Existenz ist an keine Faktoren gebunden. Allah existiert aus sich selbst heraus.

In dem darauf folgendem Vers erfahren wir über unseren Schöpfer, dass er nicht „zeugt“ und selbst nicht „gezeugt“ wurde. Im Gegensatz zu Allah wurden alle Menschen gezeugt bzw. erschaffen und haben als natürliche Veranlagung die Fähigkeit wiederum andere Menschen zu zeugen. Das menschliche Leben hat also einen Anfangspunkt und schließlich mit dem Tod auch ein Endpunkt. Allah hingegen hat keinen Anfangs- und Endpunkt.

Im vierten und letzten Vers verweist er explizit auf die Tatsache, dass es nichts gibt, was ihm gleicht. Das heißt, weder irgendein Mensch oder sonst eine Kraft gleicht Allah. Der Glaube an den einzigen Gott wird nochmals unterstrichen, indem gezeigt wird, dass nichts mit Gott vergleichbares existiert und somit auch nichts existiert, das der Anbetung würdig wäre.

Liebe Geschwister,

der Glaube an den einen Gott ist also die zentrale Botschaft, die in dieser Sure behandelt wird. Das ist auch der Grund für die so grundlegende Bedeutung der Sure Ichlâs innerhalb der über 6000 Verse des Korans. Dieser erste Schritt hin zu einem Verständnis von Gott anhand des Korans, zeichnet das Gottesverständnis grundlegend.

IGMG-Irschadabteilung

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