Allah hat den Menschen so erschaffen, dass er Fragen über sich und das Universum stellt. Aus dieser Neugier heraus begibt sich der Mensch auf die Suche und denkt über das Sein und die Schöpfung nach. In allem Geschaffenen finden sich Zeichen und Beweise für die Existenz und Macht Allahs. Allah ruft den Menschen dazu auf, die Welt aufmerksam zu betrachten und über sie nachzudenken, um diese Zeichen zu erkennen.
Die Religionsfreiheit ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass jeder Mensch seiner inneren Sehnsucht nach Allah ohne Zwang oder äußeren Druck folgen kann. Ihre gesetzliche Sicherung ermöglicht es, diesen Weg der Suche ohne Furcht vor Strafe oder Unterdrückung zu gehen und das eigene Leben entsprechend zu gestalten. Religionsfreiheit ist somit nicht nur ein Recht, sondern auch eine Bedingung dafür, dass der Mensch sein Potenzial in der Suche nach Wahrheit und Sinn vollständig entfalten kann.
Im Islam gibt es den Aufruf zu Allah und zum Islam, aber keinen Zwang. Der Koranvers „Wir haben dir für alle Menschen das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt. Und wer rechtgeleitet ist, der ist es zu seinem eigenen Besten. Und wer irregeht, der geht zu seinem eigenen Nachteil irre, und du bist nicht ihr Beschützer.“, bekräftigt, dass der Glaube eine persönliche Entscheidung ist, die nicht erzwungen werden kann. Allah teilt mit, dass es im Glauben keinen Zwang gibt und dass die Verantwortung des Menschen darin besteht, die Botschaft zu vermitteln.
Der Glaube wird von Allah nur anerkannt, wenn sich jemand freiwillig für ihn entscheidet. Von Muslimen wird erwartet, dass sie ihre Religion in schönster Weise leben und die Menschen mit Sanftmut und guten Worten zum Islam einladen. Drohung, Druck und Zwang sind Methoden, die nicht islamischen Prinzipien entsprechen. Ein Bekenntnis, das erzwungen ist, wird daher nicht als Ausdruck des Glaubens, sondern als Folge von Angst oder als Versuch, Unterdrückung zu entgehen, angesehen.
Die Religionsfreiheit ist ein grundlegendes Prinzip im Islam. Sie wurde durch den Propheten Muhammad (s) im „Vertrag von Medina“ konkret verwirklicht. Dieses Abkommen, das die Rechte verschiedener Glaubensgemeinschaften und ethnischer Gruppen sicherte, ist ein praktisches und kraftvolles Beispiel für die Umsetzung des koranischen Grundsatzes: „Es gibt keinen Zwang im Glauben.“ Dieses Verständnis bildet bis heute die Grundlage der Haltung der IGMG, die für Religionsfreiheit, gegenseitigen Respekt und Pluralismus eintritt.
Der Koran nennt die Beratung (Schura) als eines der zentralen Merkmale der Gläubigen: „Sie führen ihre Angelegenheiten durch gegenseitige Beratung aus.“ Eine solche Beratung erhält ihren Sinn nur in einem Umfeld, in dem Gedanken- und Meinungsfreiheit herrschen und jeder seine Ansichten frei äußern kann. Der Prophet Muhammad (s) setzte dieses göttliche Prinzip in die Praxis um, beriet sich mit seinen Gefährten, ermutigte zum Fragenstellen und hörte unterschiedliche Meinungen aufmerksam an. Abu Hurayra (r) berichtete: „Ich habe keinen Menschen gesehen, der sich häufiger mit seinen Leuten beriet als der Gesandte Allahs.“ In Anlehnung an diese koranischen und prophetischen Prinzipien misst die IGMG der Gedanken- und Meinungsfreiheit große Bedeutung bei und ermutigt dazu, die Angelegenheiten der muslimischen Gemeinschaft und der Gesellschaft offen, konstruktiv und respektvoll zu diskutieren. Sie ruft alle Muslime dazu auf, ihre Ansichten frei zu äußern und so zum Verständnis, zur Einheit und zum Frieden beizutragen.
Die islamische Geschichte bietet zahlreiche Beispiele für Respekt und Toleranz gegenüber Gemeinschaften anderer Glaubensrichtungen. Besonders der Umgang mit den Schriftbesitzern (Ahl al-Kitâb) nimmt in der islamischen Tradition einen wichtigen Platz ein. Vom „Vertrag von Medina“ über die Rechte, die Umar (r) den Christen und Juden nach der Eroberung Jerusalems gewährte, bis hin zum „Millet-System“ des Osmanischen Reiches und der friedlichen Koexistenz in al-Andalus – diese pluralistische Tradition war ihrer Zeit weit voraus.
Die IGMG beteiligt sich an interreligiösen Initiativen, die den Dialog und das Verständnis zwischen verschiedenen Glaubensgemeinschaften fördern. Sie thematisiert Fragen der Religionsfreiheit in Predigten, Freitagspredigten und Gesprächsrunden, um ihre Mitglieder für Diskriminierung und Intoleranz zu sensibilisieren und das Bewusstsein für dieses Thema zu stärken. Darüber hinaus behandelt sie diese Themen in Seminaren und Konferenzen.
Die IGMG ist überzeugt, dass Menschen unterschiedlicher Religionen gemeinsam Verantwortung für den gesellschaftlichen Frieden tragen. Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Glaubensrichtungen sieht sie als Chance zum gegenseitigen Kennenlernen. Solche Treffen sollten zudem darauf abzielen, gesellschaftliche Probleme gemeinsam zu lösen und ein respektvolles Zusammenleben zu fördern.
Die Religionsfreiheit wird in vielen Regionen der Welt aus verschiedenen Gründen eingeschränkt. Gesetzliche Regelungen und Maßnahmen, die das Recht auf Gottesdienst und die Sichtbarkeit religiöser Zugehörigkeit im öffentlichen Raum beschränken, geben Anlass zur Sorge. Beispiele hierfür sind Kopftuchverbote an Schulen, Einschränkungen des Kopftuchs im öffentlichen Dienst, die Schließung muslimischer Gebetsräume an Universitäten, die Stigmatisierung islamischer Bildungsinstitutionen, Hindernisse beim Erwerb von Grundstücken oder Gebäuden für Moscheen sowie sicherheitspolitisch motivierte Moscheeschließungen. Solche Entwicklungen verletzen nicht nur die in den jeweiligen Verfassungen garantierte Religionsfreiheit, sondern gefährden auch den gesellschaftlichen Frieden.
Die IGMG tritt dafür ein, dass das Recht jedes Menschen, seine Religion frei zu wählen, zu leben und zu äußern, im Rahmen eines demokratischen Rechtsstaats gewährleistet bleibt. Sie ist der Überzeugung, dass in allen Ländern – sowohl dort, wo sie aktiv ist, als auch in den Herkunftsländern – alle Gemeinschaften und Religionsgruppen umfassend und gleichberechtigt von der Religionsfreiheit profitieren sollten.
Beleidigung von Religion und Hassrede
Ein friedliches Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Religionen, Überzeugungen und Weltanschauungen setzt voraus, dass die Gedanken- und Meinungsfreiheit als grundlegendes Recht anerkannt wird. Doch die Herabwürdigung oder Verhöhnung religiösen Überzeugungen anderer ist nicht nur ein Ausdruck von Respektlosigkeit, sondern auch ein Verhalten, das den gesellschaftlichen Frieden gefährdet. Religionen und Glaubensüberzeugungen sind tief verankerte Bestandteile der menschlichen Identität; sie anzugreifen bedeutet, die Würde der Gläubigen selbst anzugreifen. Allah verbietet Muslimen ausdrücklich, sich über andere Völker oder Glaubensrichtungen lustig zu machen. Dazu heißt es im Koran: „Und schmäht nicht diejenigen, die sie anstelle Allahs anrufen, damit sie nicht in Feindschaft und Unwissenheit Allah schmähen.“
Auf Grundlage dieses Prinzips duldet die IGMG in ihren eigenen Reihen keine herabsetzenden oder verletzenden Äußerungen gegenüber Einzelpersonen oder Gruppen. Ihre Zusammenarbeit mit anderen Menschen und Institutionen beruht auf Respekt und gegenseitigem Verständnis. Zugleich betont die IGMG, dass Beleidigungen oder abwertende Darstellungen von Religionen, religiösen Gemeinschaften oder heiligen Symbolen als Formen von Hassrede zu werten sind.
Insbesondere weist die IGMG darauf hin, dass Hassrede gegen muslimische Gemeinschaften häufig den Nährboden für tatsächliche Übergriffe gegen Minderheiten bildet. Solche Äußerungen, die das gesellschaftliche Miteinander vergiften, dürfen nicht geduldet werden.
Rassistische Ideologien
Der Islam vertritt die Auffassung, dass alle Menschen in ihrer Schöpfung gleich sind, und lehnt jede Form von Rassismus entschieden ab. Allah sagt im Koran: „O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennenlernt. Doch der vor Allah am meisten Geehrte von euch ist der Gottesfürchtigste unter euch. Allah ist fürwahr wissend, kundig.“ Dieser Vers macht deutlich, dass Überlegenheit nicht auf Herkunft, Abstammung oder Nationalität beruht, sondern allein auf Frömmigkeit (Takwâ). Ebenso bekräftigte der Prophet Muhammad (s) in seiner Abschiedspredigt diesen Grundsatz universaler Gleichheit mit den Worten: „O Menschen! Euer Herr ist einer, euer Vater ist einer! Ein Araber ist einem Nichtaraber nicht überlegen, und ein Nichtaraber ist einem Araber nicht überlegen. Ebenso ist der Hellhäutige dem Dunkelhäutigen nicht überlegen und der Dunkelhäutige nicht dem Hellhäutigen. Überlegenheit besteht nur in der Frömmigkeit.“ Außerdem sagte der Prophet (s): „Wer zum Rassismus aufruft, gehört nicht zu uns. Wer im Namen des Rassismus kämpft, gehört nicht zu uns. Wer im Namen des Rassismus stirbt, gehört nicht zu uns.“
In Übereinstimmung mit diesen göttlichen und prophetischen Prinzipien ist die IGMG überzeugt, dass im Islam kein Platz für Nationalismus oder Rassismus ist. Sie warnt davor, dass rassistische Praktiken den gesellschaftlichen Frieden gefährden, und verweist auf die Gefahren ideologischer Polarisierung, die solche Haltungen begünstigt. In dem Bewusstsein, dass alle Menschen als gleichwertige Wesen erschaffen wurden, lehnt die IGMG jede Vorstellung von Überlegenheit aufgrund von Abstammung, Herkunft oder Reichtum ab. Das sind Vorstellungen, die bereits in der vorislamischen Zeit der Unwissenheit (Dschâhiliyya) zu Unrecht führten. In Anlehnung an den Koranvers „Zu seinen Zeichen gehört auch die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenartigkeit eurer Sprachen und eurer (Haut-) Farben. Darin sind fürwahr Zeichen für die Wissenden.“, sieht die IGMG in der Vielfalt der Menschen ein Zeichen Allahs und betrachtet den Respekt vor dieser Vielfalt als verpflichtend.
Definition und gesellschaftliche Auswirkungen von Rassismus
Die Ausgrenzung und anschließende Feindseligkeit gegenüber bestimmten Gruppen gehört seit den Anfängen der Menschheitsgeschichte zu den tiefsten Ursachen von Kriegen, Völkermorden, Konflikten und Unterdrückung. Hass und Feindseligkeit führen zu einem Zustand kollektiver Verblendung. In diesem Zustand werden grausame Handlungen als legitim angesehen. Dazu gehören die Herabsetzung und Diskriminierung bestimmter Gruppen bis hin zur Verweigerung ihres Lebensrechts. Solche Haltungen zählen zu den größten Hindernissen für den gesellschaftlichen Frieden.
Rassismus ist ein System, das auf Unterschieden zwischen Menschen basiert und dadurch soziale Ungleichheiten erzeugt und festigt. Die IGMG betrachtet Rassismus nicht nur als individuelles Fehlverhalten, sondern als tief verwurzeltes gesellschaftliches Problem. Er beeinflusst viele Bereiche des täglichen Lebens, wiederholt sich immer wieder und gefährdet das friedliche Zusammenleben. Eine rassistische Denkweise schafft Strukturen, in denen bestimmte Gruppen dauerhaft benachteiligt werden und Ungleichheit als selbstverständlich gilt. Dadurch entstehen immer wieder Hass und Feindseligkeit, die seit jeher Ursachen für Kriege, Konflikte und Unterdrückung sind.
Der antimuslimische Rassismus ist eine gefährliche Ideologie, die Muslime aufgrund ihrer Religion, Kultur oder ethnischen Herkunft als homogene Gruppe stigmatisiert, ihnen negative Eigenschaften zuschreibt und den Islam an sich als Ursache gesellschaftlicher Probleme darstellt. Diese Form des Rassismus äußert sich nicht nur in körperlicher Gewalt oder offenen Drohungen. Laut dem Bericht der EU-Grundrechteagentur (FRA) aus dem Jahr 2024 haben 47 % der Muslime in der Europäischen Union in den letzten fünf Jahren rassistische Diskriminierung erfahren. Antimuslimischer Rassismus zeigt sich unter anderem in Bewerbungsverfahren, bei beruflichem Aufstieg, in diffamierenden Äußerungen in sozialen Medien oder in islamfeindlichen Positionen, die unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Argumentation vorgebracht werden. Besonders betroffen sind muslimische Frauen mit Kopftuch, die sowohl aufgrund ihres Geschlechts als auch ihrer religiösen Identität einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt sind. Dies führt häufig zu sozialem Rückzug, ungleichen Chancen und psychischem Druck.
Strategie für Engagement und Solidarität
Die IGMG sieht den Einsatz gegen antimuslimischen Rassismus und gegen rassistisch motivierte Angriffe als religiöse Pflicht und gesellschaftliche Verantwortung. Sie verurteilt Übergriffe auf Muslime entschieden und weist darauf hin, dass solche Taten alarmierende Zeichen für wachsenden Hass und zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft sind. Während sie rassistische Gewalt, die das Sicherheitsgefühl der muslimischen Gemeinschaft schwer beeinträchtigt, verurteilt, fordert die IGMG zugleich eine konsequente strafrechtliche Verfolgung und Ahndung der Täter.
Moscheen, die zentrale Orte des Gebets und der Begegnung für Muslime sind, geraten in den letzten Jahren immer häufiger ins Visier rassistischer und politisch motivierter Angriffe. Diese Übergriffe erschüttern die muslimische Gemeinschaft, die ihre Moscheen mit großem Einsatz aufgebaut hat. Wenn Täter nicht konsequent verfolgt und bestraft werden, entsteht bei vielen Muslimen das Gefühl mangelnder Sicherheit. Die IGMG ist überzeugt, dass eine breite gesellschaftliche Solidarität nach solchen Angriffen eine der wirksamsten Antworten darstellt. Sie fordert von Politik und Zivilgesellschaft, angesichts von Angriffen auf Moscheen geschlossener und entschlossener zu handeln.
Die IGMG verurteilt nicht nur Angriffe auf Moscheen, sondern auf alle religiösen Einrichtungen. Sie respektiert die heiligen Werte aller Glaubensrichtungen und zeigt bei Angriffen auf diese Orte Solidarität. Die IGMG ist der Ansicht, dass Aktionen, die religiöse Symbole gezielt entweihen – etwa das öffentliche Verbrennen des Korans – nicht unter den Schutz der Meinungsfreiheit fallen. Sie betrachtet solche Aktionen als antimuslimisch und rassistisch motiviert und als Angriffe auf das, was Muslimen heilig ist, sowie als Handlungen, die das gesellschaftliche Zusammenleben beschädigen. Die IGMG fordert, dass das Verbrennen des Korans und ähnliche Angriffe auf religiöse Symbole strafrechtlich verfolgt werden.
Politik und Sicherheitsbehörden haben die Pflicht, Gebetshäuser zu schützen. Die IGMG sieht sich selbst in der Verantwortung, für eine Gesellschaft einzutreten, in der niemand aus Angst vor Angriffen auf den Besuch einer Moschee oder einer anderen Gebetsstätte verzichtet oder seine religiöse Identität verbirgt. Gleichzeitig ruft sie alle gesellschaftlichen Akteure dazu auf, diese Verantwortung gemeinsam zu tragen.
Die IGMG betrachtet den Einsatz gegen antimuslimischen Rassismus und rassistische Gewalt als eine dauerhafte Aufgabe. Sie unterstützt Muslime, die davon betroffen sind, stärkt sie durch gezielte Angebote und steht ihnen mit Beratungsdiensten zur Seite.
Kampf gegen Rassismus
Der Kampf gegen Rassismus ist nicht allein Aufgabe der muslimischen Gemeinschaft, sondern eine gemeinsame Verantwortung aller gesellschaftlichen Akteure. Die IGMG ist überzeugt, dass dieser Einsatz vor allem durch lebenslange Bildung, durch die Förderung von Pluralität in allen Bereichen und durch sensibilisierte gesellschaftliche Strukturen wirksam geführt werden kann. Aus diesem Grund gestaltet sie ihre Arbeit so, dass kein Raum für gruppenbezogenen Hass entsteht und dass Menschen unterschiedlicher Hintergründe ohne Vorurteile in der Gemeinschaft ihren Platz finden können. In diesem Bewusstsein achtet die IGMG in ihrer eigenen Arbeit auf eine sensible Haltung und eine klare Sprache im Umgang mit Rassismus. Sie fördert das gegenseitige Verständnis zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und ermutigt dazu, dass Muslime unterschiedlicher ethnischer und nationaler Herkunft in den eigenen Verwaltungsstrukturen vertreten sind. Bereits heute wirken in der IGMG auf allen Ebenen der Organisation Muslime unterschiedlichster Herkunft, darunter türkische, kurdische, arabische, tschetschenische, deutsche oder französische.
Die IGMG legt großen Wert auf den Austausch und die Zusammenarbeit mit religiösen Gemeinschaften, insbesondere mit den „Schriftbesitzern“. Sie ist davon überzeugt, dass die gemeinsamen Erfahrungen von Minderheiten – etwa im Zusammenhang mit Themen wie Halal- und Koscher-Schlachtung oder möglichen Beschneidungsverboten – einen bereichernden Beitrag leisten. Wird Rassismus oder Diskriminierung nicht rechtzeitig gestoppt, kann er, wie die Geschichte zeigt, in massive Gewalt und sogar Völkermord münden. Besonders eindrücklich ist der Holocaust, bei dem im nationalsozialistischen Deutschland über sechs Millionen Jüdinnen und Juden systematisch ermordet wurden. Dieses Menschheitsverbrechen war nicht das Ergebnis einzelner Akteure, sondern Ausdruck einer staatlich organisierten rassistischen Ideologie. Auch der Völkermord an den Tutsi in Ruanda und der Genozid von Srebrenica zeigen, wie diskriminierende und hasserfüllte Deutungen in Politik und Gesellschaft zu Massenmorden führen können. Diese Beispiele machen deutlich, dass der Kampf gegen Rassismus nicht nur eine religiös-ethische Aufgabe ist, sondern auch eine historische Verpflichtung und ein Einsatz für die Würde des Menschen. Die IGMG sieht sich deshalb ausdrücklich verantwortlich, solchen Entwicklungen aktiv entgegenzuwirken. Dabei betont sie zugleich, dass legitime Kritik an Regierungen oder Forderungen nach Rechtsstaatlichkeit nicht pauschal als Antisemitismus bewertet und dadurch verhindert werden dürfen. Die IGMG steht für eine sensible Sprache, die vor Hass schützt und die Menschenwürde achtet.
Ein Ziel der von der IGMG organisierten Programme zum Tag der offenen Moschee ist der Abbau von Rassismus und Vorurteilen. Studien zeigen, dass Menschen mit antimuslimischen Vorurteilen häufig kaum persönlichen Kontakt zu Muslimen haben. Durch Angebote wie den Tag der offenen Moschee, die Initiative „Gestatten, Muslim.“ oder die von muslimischen Frauen durchgeführten Projekte wie „Du kannst das verändern!“ bietet die IGMG Möglichkeiten zur Begegnung und zum Austausch. Dadurch trägt sie aktiv zum Abbau von Vorurteilen bei. Auch die Einladungen an Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft zu Iftaren im Ramadan sowie zu weiteren Veranstaltungen auf Gemeinde-, Regional- und Bundesebene dienen demselben Ziel: Begegnung ermöglichen und Vorurteile überwinden.
Die von der IGMG im Rahmen der „Wochen gegen Rassismus“ organisierten Podiumsdiskussionen, Jugendworkshops und Social-Media-Kampagnen fördern ein kritisches Bewusstsein insbesondere bei jungen Menschen. Darüber hinaus zeigen Kooperationen mit anderen Institutionen im Kampf gegen antimuslimischen Rassismus und andere Formen der Diskriminierung, dass dieser Einsatz breit aufgestellt und entschlossen geführt wird. Das Thema wird außerdem regelmäßig in Vorträgen, religiösen Gesprächen und Freitagspredigten behandelt.











