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Was ist Takwâ?

26. Februar 2026 Koran Tasbih Grün
Koran Tasbih Grün

Verehrte Muslime!

Einer der zentralen Begriffe des Korans ist Takwâ. Sie ist der Maßstab, der unsere Beziehung zu Allah, unseren Mitmenschen und zur gesamten Schöpfung ordnet. Allah spricht: „Der Angesehenste von euch bei Allah ist derjenige, der am meisten Takwâ besitzt.[1] Damit sagt uns Allah, dass sein Maßstab nicht in der Abstammung oder Stellung liegt, sondern allein im Gottesbewusstsein.

Das zeigt sich im ernsthaften Bemühen, Allahs Botschaft zu folgen. Takwâ beginnt im Herzen, vertieft sich in der Absicht und wird im Handeln sichtbar. Das Gebet gewissenhaft zu verrichten, den eigenen Lebensunterhalt halal zu verdienen, die Zunge vor Lüge und das Herz vor Missgunst zu bewahren – all das zeigt, dass jemand gottesbewusst ist. Ein Mensch mit Takwâ erinnert sich auch im Privaten daran, dass Allah mit ihm ist.

Liebe Geschwister!

Es ist auch wichtig zu wissen, was Takwâ nicht ist. Gut auszusehen, eine bestimmte Kleidung zu tragen oder religiös zu sprechen, ist keine Takwâ. Diese Äußerlichkeiten drücken Gottesbewusstsein nicht aus. Im Koran heißt es: „O Kinder Adams! Wir gaben euch Kleidung, um eure Blöße zu bedecken, und als Prunkgewänder. Aber das Kleid der Takwâ ist besser.[2]

Ein Mensch, der ein grobes Herz und einen schwachen Charakter besitzt und der andere kränkt, der hat keine Takwâ, selbst wenn er äußerlich noch so religiös erscheint. Denn Takwâ bedeutet, andere nicht zu verurteilen oder zu glauben, dass man besser ist als sie. Hochmut und Zurschaustellung sind Krankheiten, die den Geist der Takwâ zerstören.

Auch ist es keine Takwâ, sich vollständig aus dem Leben zurückzuziehen, um das Jenseits zu gewinnen. Der Islam lehrt nicht die Flucht aus der Welt, sondern den verantwortungsvollen Umgang mit ihr. Takwâ bedeutet also nicht, Verantwortung zu meiden, sie ist ein gesundes Bewusstsein für Verantwortung.

Gottesbewusst zu sein, bedeutet nicht, für die eigene Stellung oder für das Ansehen zu leben, sondern allein für Allahs Zufriedenheit. Wenn wir mit unseren Worten sagen, dass wir Allah fürchten, unser Leben aber nicht nach seinen Geboten ausrichten, dann ist es Heuchelei.

Umar (r) fragte eines Tages Ubay ibn Kâb (r), was Takwâ ist und bekam die Antwort: Auf einem Weg voller Dornen zu versuchen, sich und seine Kleidung zu beschützen – das ist Takwâ.

Lasst uns diese Hutba mit einem Duâ unseres Propheten (s) beenden: „Allah, gib meiner Seele ihre Takwâ und reinige sie. Du bist derjenige, der sie am besten reinigt. Du bist ihr Beschützer und ihr Herr.“[3] Âmîn

[1] Sure Hudschurât, 49:13

[2] Sure Âraf, 7:26

[3] Muslim, Zikr, 73

 

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