Pressemitteilung

Muslimische Religiosität stärkt Gemeinsinn

30. September 2026
Pressemitteilung

„Der Religionsmonitor 2026 enthält einen Befund, der in der öffentlichen Debatte über den Islam besondere Beachtung verdient: Muslimische Religiosität steht gesellschaftlichem Zusammenhalt nicht entgegen. Im Gegenteil. Bei muslimischen Befragten geht stärkere Religiosität mit ausgeprägteren sozialen Beziehungen und einer höheren Gemeinwohlorientierung einher. Das ist gerade deshalb bemerkenswert, weil Religiosität von Musliminnen und Muslimen in politischen Debatten noch immer häufig als Integrationsproblem oder als Zeichen gesellschaftlicher Abschottung behandelt wird.

Gleichzeitig dürfen wir den niedrigeren Gesamtwert muslimischer Befragter im Religionsmonitor nicht übergehen. Besonders schwach fällt die Verbundenheit mit dem Gemeinwesen aus. Bei hochreligiösen Musliminnen und Muslimen sinkt dieser Wert besonders deutlich. Das ist ein Befund, den Politik und Gesellschaft ernst nehmen sollten. Denn hier zeigt sich weniger ein Mangel an Gemeinsinn als vielmehr eine schwächere Verbundenheit eines Teils der muslimischen Bevölkerung mit dem Gemeinwesen und seinen Institutionen. Die Studie nennt als mögliche Erklärung antimuslimische Zuschreibungen und Diskriminierung, institutionelle Ungleichbehandlung, begrenzte Anerkennung, mangelnde Repräsentation und häufig negativ geführte öffentliche Debatten über sichtbar gelebte muslimische Identität.

Die Ergebnisse widersprechen einfachen Abschottungsthesen über religiöse Musliminnen und Muslime. Die Daten zeigen, dass stärkere muslimische Religiosität durchaus mit sozialen Beziehungen und Gemeinwohlorientierung verbunden ist. Zugleich nehmen wir ernst, dass auch eine starke Orientierung auf die eigene religiöse Gemeinschaft Brücken nach außen erschweren kann. Religionsgemeinschaften tragen deshalb selbst Verantwortung: Moscheegemeinden müssen offen sein, noch stärker den Dialog suchen und Räume schaffen, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Weltanschauung einander begegnen können – so wie den Tag der offenen Moschee am 3. Oktober. Aber Brücken können nicht nur von einer Seite gebaut werden. Auch Politik, Institutionen und Mehrheitsgesellschaft müssen bereit sein, muslimisches Leben als selbstverständlichen Bestandteil dieses Landes anzuerkennen.

Der Religionsmonitor macht zugleich deutlich, welches gesellschaftliche Potenzial in religiösen Gemeinden liegt. Religiöse Gemeinden werden ausdrücklich neben Schulen, Sportvereinen, Jugendzentren, Bibliotheken, Nachbarschaftszentren und Wohlfahrtsverbänden als Orte genannt, an denen Begegnung und gesellschaftliches Engagement stattfinden können. Genau das erleben wir seit vielen Jahren in Moscheegemeinden: Menschen leisten ehrenamtliche Arbeit, unterstützen Bedürftige, engagieren sich in der Nachbarschaft, organisieren Bildungsangebote, Jugendarbeit, Dialog und soziale Hilfe. Diese Arbeit findet in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch viel zu häufig weniger Beachtung als Debatten über Kopftücher, Integration oder Sicherheitsfragen. Moscheegemeinden sollten nicht vor allem als Problemfall betrachtet werden, sondern als Teil der zivilgesellschaftlichen Infrastruktur unseres Landes.

Daraus folgt auch eine Aufgabe für Politik und Verwaltung. Die Autorinnen und Autoren des Religionsmonitors empfehlen ausdrücklich, religiöse Minderheiten und ihre Organisationen stärker entsprechend ihrer gesellschaftlichen Bedeutung in politische, administrative und zivilgesellschaftliche Strukturen einzubeziehen. Muslimische und andere Religionsgemeinschaften sollen dauerhaft an kommunalen Beratungs- und Gestaltungsprozessen beteiligt werden. Genau diese dauerhafte Beteiligung brauchen wir. Islamische Religionsgemeinschaften sollten nicht erst dann Gesprächspartner sein, wenn Konflikte entstehen, Anschläge geschehen oder Integrationsprobleme diskutiert werden. Gleichberechtigte Teilhabe bedeutet, muslimische Stimmen auch dort einzubeziehen, wo Zukunft gestaltet, Sozialpolitik entwickelt, Bildung organisiert und gesellschaftlicher Zusammenhalt gestaltet wird.“

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