Freitagspredigt
Die Hidschra: Das islamische Neujahr
10. Juni 2026
Verehrte Muslime!
Am kommenden Dienstag beginnt das Jahr 1448 nach der Hidschra. Die Hidschra war die große Reise, die unser Prophet (s) mit seinen Gefährten im Jahr 622 n. Chr. von Mekka nach Medina unternommen hat. Diese gesegnete Reise gehört zu den größten Beispielen für Aufopferung, gegenseitige Hilfe und Geschwisterlichkeit. Die Auswanderer verließen ihre Heimat wegen der Feindseligkeiten, denen sie ausgesetzt waren – und sie taten es für Allah, also um ihren Glauben frei leben zu können. Die Helfer in Medina öffneten ihre Türen, teilten alles mit ihnen und nahmen sie als Geschwister im Glauben auf. Dieser Zusammenhalt in einer schwierigen Zeit ist der Grund dafür, dass der Islam bis in unsere Zeit überliefert und gelebt wird.
Im Koran heißt es: „Die Gläubigen aber, welche auswanderten und sich auf Allahs Weg abmühten und (dem Propheten) Herberge und Hilfe gewährten, das sind die wahrhaft Gläubigen. Ihnen gebührt Verzeihung und großmütige Versorgung.“[1]
Liebe Geschwister!
Die Hidschra ist weit mehr als ein Umzug von einer Stadt in die andere. Sie hat eine tiefere Bedeutung. Hidschra heißt, zu vermeiden, was Allah nicht gefällt. Unser Prophet (s) sagte dazu: „Ein Muslim ist derjenige, vor dessen Hand und Zunge die anderen Muslime sicher sind. Und ein Auswanderer ist derjenige, der das verlässt, was Allah verboten hat.“[2] Die wahre Hidschra ist also nicht nur, den Ort zu wechseln, sondern Abstand zu nehmen von schlechten Dingen. Diese innere Hidschra bedeutet, sich vom Stolz des eigenen Egos und vom Einfluss des Teufels abzuwenden und sich Allahs Zufriedenheit hinzuwenden.
Fragen wir uns ehrlich: Wie sehr haben wir uns im vergangenen Jahr wirklich von dem ferngehalten, was Allah missfällt? Denn ein neues Hidschra-Jahr ist immer auch eine Erinnerung daran, dass wieder ein Jahr unseres Lebens vergangen ist. Der Tod rückt näher und es ist Zeit, innezuhalten und Bilanz zu ziehen.
Lasst uns das gemeinsam tun: Haben wir uns wirklich von dem, was Allah missfällt, ferngehalten? Haben wir unsere grundlegenden Ibâdas verrichtet? Das Gebet, die Zakat, das Fasten, die Hadsch? Gibt es etwas, das wir nachholen müssen? Haben wir aufrichtig Reue gezeigt?
Umar (r) ging als gutes Beispiel voran und hat uns geraten: „Zieht euch selbst zur Rechenschaft, bevor ihr zur Rechenschaft gezogen werdet. Bereitet euch vor, auf den großen Tag der Abrechnung! Denn am Tag der Auferstehung wird die Abrechnung nur denen leichtfallen, die sich schon im Diesseits selbst zur Rechenschaft gezogen haben.“[3]
Möge Allah uns die Gnade geben, unser Leben mit dieser Haltung zu führen. Möge unser neues Hidschra-Jahr für die gesamte islamische Welt und für die ganze Menschheit zum Anlass für viel Gutes werden. Âmîn.
[1] Sure Anfâl, 8:74
[2] Buhârî, Iman, 4
[3] Tirmizî, Sifât al-Kiyâma, 25











