Freitagspredigt
Die Kaaba: Orientierung für Körper und Geist
30. Juli 2026
Verehrte Muslime!
Stellt euch vor, wie sich täglich Millionen Menschen auf der Erde in dieselbe Richtung wenden. Ihre Sprachen sind verschieden, ihre Hautfarben sind verschieden, ihre Länder sind verschieden. Doch wenn die Zeit des Gebets kommt, wenden sie sich in dieselbe Richtung. Das ist eine große Gabe, die der Umma geschenkt wurde. Die Kaaba ist nicht nur ein Bauwerk aus Steinen. Sie ist die Kibla. Und die Kibla ist ein göttlicher Mittelpunkt, der uns Gläubigen Orientierung schenkt, ihre Herzen zusammenführt und das Bewusstsein der Umma lebendig hält.
Im Koran sagt Allah: „Wir sahen dich dein Antlitz ohne bestimmte Richtung zum Himmel kehren, jetzt wollen wir dich auf eine Kibla ausrichten, die dir gefallen soll: Wende dein Gesicht in Richtung auf die unverletzliche Moschee.“[1] Mit diesem Vers wurde die Kaaba zur Kibla aller Muslime. So bezeugen und verkünden die Gläubigen Tag für Tag, dass sie demselben Schöpfer dienen, an denselben Propheten glauben und zu derselben Umma gehören.
Der Gesandte Allahs (s) und seine Gefährten hatten lange Zeit ihr Gebet in Richtung al-Kuds verrichtet. Als unser Prophet (s) in der Moschee der Banu Salima gerade ein Gebet leitete, wurde der Vers über die Kibla offenbart. Mitten im Gebet wandten unser Prophet und die Gemeinde hinter ihm sich zur Kaaba und setzten ihr Gebet fort.
Liebe Geschwister!
Unser Prophet (s) hat gesagt: „Wenn sich jemand von euch der Kibla zuwendet, dann hat er sich Allah zugewandt.“[2] Die Kibla ist also nicht nur die Richtung unseres Körpers, sie ist auch die Richtung unseres Herzens. Wenn im Gebet unser Gesicht zur Kaaba gewandt ist, unser Herz aber in den Sorgen des Alltags umherwandert, können wir den eigentlichen Sinn der Kibla nicht erfassen. Worauf es ankommt, ist, dass sich mit dem Körper zugleich auch das Herz Allah zuwendet.
In einer anderen Überlieferung sagt unser Prophet (s): „Wer unser Gebet verrichtet, sich unserer Kibla zuwendet und von dem isst, was wir schlachten, der ist ein Muslim unter dem Schutz Allahs und seines Gesandten.“[3] Diese Überlieferung zeigt uns, dass die Kibla ein Symbol der Einheit der Umma ist. Auch wenn wir in unterschiedlichen Teilen der Welt leben, erinnert uns die Tatsache, dass wir uns derselben Kibla zuwenden, daran, dass wir Teil derselben Umma sind.
Verehrte Muslime!
Heute gibt es viele Gründe, die uns voneinander entfernen können. Nationalitäten, geografische Grenzen, politische Ansichten, gesellschaftliche Unterschiede und weltliche Interessen sind nur einige davon. Doch die Kibla lehrt uns Tag für Tag eine Wahrheit: Wie viele Unterschiede es zwischen uns auch geben mag, unsere Richtung ist eine einzige. Herzen, die sich derselben Kaaba zuwenden, können einander nicht in Feindschaft begegnen.
Möge unser Schöpfer uns zu Dienern machen, deren Kibla und deren Weg gleichermaßen aufrichtig sind. Möge er unsere Herzen so zu sich hinwenden, wie sie sich zur Kaaba wenden. Möge er uns zu Dienern machen, die das Bewusstsein der Umma bewahren und der Einheit und der Geschwisterlichkeit dienen.
O Allah! Festige unsere Herzen auf dem Weg der Rechtleitung. Mache uns zu Dienern, die ihre Kibla nicht verlieren und ihren Weg nicht aus den Augen lassen. Schenke der Umma Muhammads Einheit, Wohlergehen und Geschwisterlichkeit. Amin!
[1] Sure Bakara, 2:144
[2] Musnad, III, 24; Abu Dawud, Salah, 22
[3] Buhari, Salah, 28
Hutba – Arabisch











