Freitagspredigt

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in der Erziehung

16. September 2026 Koran Seite Tasbih Orange
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Verehrte Muslime!

Wie bringen wir unseren Kindern etwas bei? Wie erziehen wir sie richtig? Diese Fragen sind heute besonders wichtig. Ob in der Moschee, in der Schule oder zu Hause: Es kommt darauf an, wie wir mit Kindern umgehen. Dabei brauchen wir vor allem zwei Dinge: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Unser geliebter Prophet (s) begegnete den Menschen freundlich und zeigte ihnen so den richtigen Weg. Im Koran heißt es: „Durch Allahs Güte warst du sanft zu ihnen. Wärst du grob und hartherzig gewesen, wären sie vor dir geflohen.“[1] Wir sehen also: Unser Prophet (s) erreichte die Herzen der Menschen durch seine Freundlichkeit und Barmherzigkeit.

 

Daran sollten sich auch Lehrer und Eltern ein Beispiel nehmen. Freundliche Worte erreichen das Herz, ein harter Ton kann dagegen dazu führen, dass ein Kind sich zurückzieht. Es könnte mit der Zeit die Freude am Unterricht verlieren und nicht mehr in die Schule oder Moschee gehen. Anes ibn Malik (r) wuchs in der Nähe des Propheten (s) auf. Er erzählt: „Ich war dem Gesandten Allahs (s) zehn Jahre zu Diensten. Bei Allah, er hat nicht ein einziges Mal auch nur ‚Uff!zu mir gesagt. Nie sagte er zu mir: ‚Warum hast du das so gemacht?oder: ‚Du hättest es doch so machen sollen.“[2] Wenn Kinder etwas falsch machen, sollten Erzieher und Eltern ihm helfen, es besser zu machen, ohne es dabei zu kränken. Auch wenn wir auf Regeln aufstellen, müssen wir liebevoll bleiben.

 

Liebe Geschwister!

Ein weiteres Beispiel dafür sind Musa (a) und sein Bruder Harun (a). Als sie zum Pharao, einem Tyrannen, sprechen sollten, sagte Allah ihnen: „Sprecht sanft mit ihm. Vielleicht nimmt er sich die Ermahnung zu Herzen oder empfindet Ehrfurcht.“[3] Selbst zum Pharao sollten sie also freundlich sprechen, weil nur das die Herzen erreichen kann. Bei der Erziehung sind wir liebevoll, aber auch gerecht. Gerecht zu sein bedeutet nicht, immer allen das Gleiche zu geben. Es bedeutet, auf jeden Einzelnen zu achten und jedem zu geben, was ihm zusteht. Wenn wir Noten geben, Kinder zu Wort kommen lassen oder auf Regeln achten, müssen wir fair bleiben. Das gilt auch, wenn wir ein Kind loben oder ihn auf einen Fehler hinweisen.

 

Es ist nicht gerecht, bei einem Kind ein Auge zuzudrücken, weil wir es mögen, und bei einem anderen besonders streng zu sein. Es ist nicht gerecht, das Kind einer reichen Familie herzlich zu behandeln und dem Kind einer armen Familie die kalte Schulter zu zeigen. Und es ist nicht gerecht, immer nur die guten Schüler zu loben und die stillen Kinder oder diejenigen, denen das Lernen schwerfällt, zu übersehen. Genauso ungerecht ist es, jemanden zu bevorzugen, nur weil wir ihn oder seine Familie kennen. Wir dürfen niemandem einen Platz oder eine Chance verschaffen, die eigentlich einem anderen zusteht. Denn damit behandeln wir andere nicht nur unfair. Wir nehmen ihnen auch ihr Recht.

 

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gehören in unser ganzes Leben: in die Familie, an den Arbeitsplatz, in den Umgang mit unseren Nachbarn und in unsere Geschäfte. Bei allem, was wir sagen und tun, sollen wir gerecht bleiben und anderen mit Mitgefühl und Verständnis begegnen. Vergessen wir nicht: Wenn wir gerecht sind, wächst das Vertrauen. Wenn wir barmherzig sind, kommen wir einander näher.

 

Möge unser Herr uns zu Menschen machen, die gerecht bleiben, in allen Lebensbereichen barmherzig sind und die Rechte anderer achten. Amin.

[1] Sure Ali Imran, 3:159

[2] Muslim

[3] Sure Taha, 20:44

 

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